"Wollen unsere Tradition hochhalten"

Die Hauptmannschaft Oberer Wasen Raubling, von links: Oberleutnant Franz Xaver Kronast, Leutnant Ludwig Blum, Hauptmann Wilhelm Schmidt, Leutnant Werner Schuller und Leutnant Heiner Lexa.

Sie waren stolze Schützen, verteidigten sich, ihre Familien, ihr Land, ihren Glauben und fürchteten nichts und niemanden. Sie hatten ihren Ehrencodex und waren eine eingeschworene Gemeinschaft: die Gebirgsschützen aus Raubling, deren Existenz sich bis etwa ins Jahr 1435 zurückverfolgen lässt.

Morgen, Sonntag, feiern sie zehn Jahre Wiedergründung.

Raubling - Namentlich genannt sind erstmals im Jahr 1512/13 in einem Musterungsbuch fünf so genannte Hauptmannschaften: Pfraundorf, Raubling, Kirchdorf, Reischenhart und Tagscheid. Die Gebirgsschützen, meist Bauern und Jäger der Umgebung, wurden zur Wehr herangezogen. Gut belegt sind ihre Einsätze im Dreißigjährigen Krieg, wo sie gemeinsam mit den Gebirgsschützen des Oberlandes die feindlichen Truppen vertreiben können, nachdem diese viele Klöster und Dörfer geplündert hatten. Wiederholt bewähren müssen sich die Raublinger Gebirgsschützen bis 1648 im Inntal gegen die schwedischen Truppen. Weitere Einsätze erfolgten im spanischen Erbfolgekrieg von 1701 bis 1714, im österreichischen Erbfolgekrieg von 1741 bis 1745, wo sie sich gegen die Trenckschen Panduren stemmten und in den Napoleonischen Kriegen von 1805 bis 1813. Neben Musterungs- und Mannschaftsbüchern sind auch Aufgebote und Einsätze als Nachweise der Raublinger Gebirgsschützen erhalten.

Nachweislich beteiligt haben sich Männer aus dem Gemeindegebiet Raubling auch an der Sendlinger Mordweihnacht. Hintergrund des Aufstandes war die unerträgliche Ausbeutung der bayerischen Bevölkerung durch die kaiserlich-österreichische Administration. In der Mordweihnacht bricht dieser Aufstand in einer bitteren Niederlage zusammen. Rund 1031 Männer sollen gefallen sein. Aus einem Schreiben des "Jacob Woerschi, Bürger und Bader in Aybling", geht hervor, dass er drei Männer aus Holzhausen und Pfraundorf behandelt und gepflegt hat, die sich mit ihren Verwundungen bis zu ihm geschleppt hatten.

In einer anderen Urkunde geht es um zwei weitere Männer aus Reischenhart und Pfraundorf, die von den Kaiserlichen gefangen genommen wurden: der 25-jährige Vitus Schober, Bauer und Schiffsknecht, und der 40-jährige Christoph Aschenlehner, Schiffsmann zu Pfraundorf.

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Immer wieder verteidigen Gebirgsschützen vor allem die Zivilbevölkerung gegen Übergriffe und Plünderungen. Aus einer Urkunde vom 8. Juni 1809 geht hervor, dass die Südgrenze gegen Tirol gesichert werden musste. Bei der Abwehr der Tiroler Aufständischen findet sich zwar keine namentliche Nennung der Männer aus dem "Wasner Ambt", jedoch ist auch hier sicher anzunehmen, dass Männer aus dem Raublinger Gemeindebereich an dieser Aufgabe teilgenommen haben. Ein Gebirgsschützenkorps unter dem Oberbefehl von Graf Arco behauptet sich in heftigen Kämpfen und kann die systematischen Grenzübergriffe gegen die Zivilbevölkerung beenden.

Auf Grund der Gemeindereform unter Montgelas werden die Hauptmannschaften im heutigen Gemeindegebiet Raubling 1819 aufgelöst. Im Jahr 1870 erfolgt das offizielle Ende der Gebirgsschützen als staatliche Organisation. Ihre Verbände werden in die Bayerische Armee überführt.

Im 20. Jahrhundert wird durch die Errichtung von Denkmälern wie das für den "Schmied von Kochel" in Kochel die Erinnerung an die Gebirgsschützen hochgehalten. 1951 wird der Bund der Bayerischen Gebirgsschützen-Kompanien in Reichersbeuern gegründet. 1975 erfolgt in Innsbruck die Proklamation "Alpenregion der Schützen" durch den Bund der Bayerischen Gebirgsschützen-Kompanien, den Bund der Tiroler Schützenkompanien und den Südtiroler Schützenbund.

Intensiv beschäftigt sich auch in Raubling seit 1995 der ehemalige Landtagsabgeordnete und Heimatforscher Konrad Breitrainer mit der Geschichte der hiesigen Hauptmannschaften. Ihm zur Seite stehen Jakob Steidl, Pfarrer Lorenz Poschenrieder, Werner Krämer, Sebastian Moser und Georg Antretter. "Erst durch ihre intensiven Nachforschungen und Vorarbeiten war es überhaupt möglich, eine Wiedergründung der Hauptmannschaft ,Oberer Wasen‘ Raubling ins Auge zu fassen", erklärt der heutige Hauptmann Willi Schmidt. Denn verschiedene Urkunden und stichhaltige Beweise mussten gesichtet und beigebracht werden. Sie waren der Prüfkommission unter Prof. Dr. Pater Leo Weber vorzulegen. Schließlich kam grünes Licht. Mit der Wiedergründung soll, so der heutige Hauptmann, die Verbundenheit mit der Tradition ausgedrückt werden. Natürlich gehe es heute nicht mehr um Heimatschutz, sondern um das Hochhalten einer jahrhundertealten Tradition.

Ernst wurde es dann am 17. Juni 2004. 51 Männer und Frauen fanden sich beim Huberwirt in Raubling zusammen, um die Gebirgsschützenkompanie Oberer Wasen Raubling wiederzugründen. Die erste gewählte Hauptmannschaft führte als Hauptmann Sebastian Moser an. Georg Antretter war Oberleutnant und Hauptmann-Stellvertreter, Willy Schmidt Leutnant, Kompanie-Adjudant und Salutzugführer, Martin Gumberger wurde zum Leutnant und Kompanieschreiber bestimmt und Alfred Riegler zum Leutnant und Zahlmeister. Gleichzeitig wurde Kompanie-Wappen, Montur und Satzung festgelegt und eine Kompanieordnung verabschiedet.

2006 wurde die Wiedergründung mit einem großen Fest gefeiert. Inzwischen hat die Gebirgsschützenkompanie Oberer Wasen Raubling 148 Mitglieder. Ab zehn Jahren dürfen Kinder als Trommler oder Taferlbuben mitmachen, auch Frauen sind erwünscht: Sie sind die Marketenderinnen. Nun steht das zehnte Jubiläum vor der Tür. 19 bayerische Kompanien werden zum Festzug am Sonntag, 23. März, erwartet. Dabei sein werden auch sieben Tiroler und eine Südtiroler Kompanie.

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