WENIGSTENS GIBT’S TO-GO-ANGEBOTE

Wirte im Mangfalltal im Corona-Lockdown: „Unsere treuen Gäste geben uns Kraft“

Kulinarische Schmankerl zaubert Alexander Braun im Gasthaus „Café Bärenstub´n“ während des Lockdowns von Freitag bis Sonntag.
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Kulinarische Schmankerl zaubert Alexander Braun im Gasthaus „Café Bärenstub´n“ während des Lockdowns von Freitag bis Sonntag.

Der harte Lockdown macht auch den Gastronomiebetrieben im Mangfalltal zu schaffen. Während ein Teil komplett herunterfährt und Betriebsurlaub macht, bieten andere „Essen zum Mitnehmen“, um die Existenz wenigstens einigermaßen aufrecht zu erhalten.

Von Kathrin Gerlach, Ines Weinzierl, Uwe Hecht und Peter Strim

Bad Aibling– Wie haben mit Gastronomen aus dem Mangfalltal gesprochen, wie sie sich buchstäblich durch die Krise wirtschaften,

Hubert Lang, „Zum Heiß“ im Bad Aiblinger Ortsteil Zell, stellt eine recht wechselhafte Resonanz auf sein „Essen to go“-Angebot fest: „Wir haben mit einem Mitnahme-Angebot mittags und abends begonnen. Mittlerweile bieten wir nur noch Mittagessen von 11.30 bis 14 Uhr an, dies aber von Montag bis Sonntag, also die komplette Woche. Am Abend war die Nachfrage einfach nicht da.“ Die Nachfrage sei zum einen stark witterungsabhängig, zum anderen schwanke sie zwischen Wochentag und Wochenende. „Das macht eine präzise Planung sehr schwer“, so Lang, der die Erfahrung gemacht hat, dass seine Gäste unter der Woche eher zu den Abo-Gerichten greifen. Die Tageskarte fristet da eher ein Nischendasein.

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An den Wochenenden ist das Geschäft ruckläufig, besonders am Sonntag ist die Nachfrage derzeit gering. Dies findet Lang schade, denn „bei einer Sieben-Tage-Woche sind täglich ein Koch für sechs bis sieben Stunden sowie eine Servicekraft für etwa drei Stunden im Einsatz“, lässt er durchblicken. Bei einem Gesamtumsatz im untersten vierstelligen Bereich sicher kein sehr lohnendes Geschäft, aber solange sich das Ganze einigermaßen trägt, möchte er das Angebot aufrechterhalten.

Alexander Braun. Gasthaus „Café Bärenstub’n“ Bad Feilnbach ist Koch aus Leidenschaft in seinem Familienbetrieb und zaubert jeweils von Freitag bis Sonntag Schmankerl aus Bratpfanne, Reindl und Kochtopf „zum Mitnehma“. Dazu gehören samstags knusprige Spareribs und sonntags saftige Enten. Besonders schätzen Kenner sein „Kartoffel-Maroni-Gratin“ mit Gemüse, das an den drei Tagen zur Auswahl steht. Die Angebote werden laut Braun sehr gut angenommen, vor allem an den Sonntagen.

Gerhard Fuchs, Pächter des Brückenwirts in Kolbermoor: „Es ist mehr eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme.“ Jeden Mittag hat das Lokal von 11 bis 14 Uhr geöffnet – außer am Montag. Es gibt eine Tageskarte: Kürzlich bot er „Schweinebraten mit zwei Knödel“ an. Doch die Zubereitung sei personal- und energieintensiv. Schließlich müsse der Braten um 9 Uhr auf den Herd, erklärt er. „Da haben es Lokale, die etwa Pizza anbieten, leichter.“

Auch das zweite Standbein bricht weg

Dennoch: Er und sein Team machen weiter. Und das, obwohl auch das zweite Standbein derzeit nahezu wegbreche. Denn das Team beliefert auch Kitas und Schulen mit Essen. Da derzeit dort aber auch lediglich Notbetreuung sei, gehe die Bestellung auch in diesem Bereich weiter zurück – 30 bis 40 Essen seien es täglich, was das Catering betrifft. „Wer weiß wie lange es noch geht?“ Fuchs schätzt bis Ostern. „Die Rücklagen werden immer dünner.“

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Rainer Lechner, Inhaber des Aschbacher Hofs in Feldkirchen-Westerham: „Klassisches Essen to go bieten wir nicht an. Bei uns funktioniert das etwas anders: An bestimmten Tagen bieten wir den Gästen an, im Vorfeld eine Bestellung von einer kleinen Karte per E-Mail abzugeben. Diese muss sechs Tage vorher eingegangen sein. Dann werden die Lebensmittel bestellt, gekocht, vakuumiert und dann in Tüten zur Abholung bereit gestellt. In einem Zeitfenster können die Gäste ihre Bestellung abholen und dann zuhause erwärmen – am gleichen Tag oder bis zu zwei Tage später.“ Nach dem heutigen Samstag ist es am 13. Februar wieder so weit. „Bisher haben wir das einmal am 23. Dezember angeboten. Die Nachfrage war so groß, dass wir Weckgläser nachbestellen mussten – dort hinein kommen die Desserts.“

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Hans Schmid, Inhaber des Gasthofes Schmid in Tuntenhausen: Er sehnt sich nach einem Signal, wann die Wirtschaften endlich wieder öffnen dürfen. „Unser Gasthaus gibt es seit 500 Jahren. So lange wie jetzt war es noch nie geschlossen. Das ist schon brutal. Wir bemühen uns, über die Runden zu kommen. Inzwischen ist wenigstens ein Teil der November- und Dezemberhilfen angekommen.“ In der Krise hat Schmid seine Gäste noch mehr schätzen gelernt. „Sie unterstützen uns, nehmen unser Angebot wirklich gut an. Das gibt mir Kraft.“ Dafür bietet er an den Wochenenden Schmankerl wie gefüllte Kalbsbrust, Ochsenbackerl oder Burgunderbraten an. „Das macht Arbeit, aber die Leute sollen etwas Besonderes bekommen.“

Hängepartie macht zu schaffen

Hermine Obermeyer, Wirtin der Bruckmühler Marktküche und des Landgasthofes Schäffler in Vagen: „Ich möchte unseren Gästen ein großes Kompliment machen. Sie lassen uns nicht hängen“, ist sie dankbar, dass die To-Go-Angebote der beiden Häuser ankommen. Am gefragtesten sind Klassiker wie Cordon Bleu, Schnitzel, Currywurst oder Schwabentopf. Trotzdem ist die Motivation der Wirtin im Keller: „Diese Hängepartie. Immer wieder wird der Lockdown verlängert. Nach Wochen sehen wir noch immer keinen Streif am Horizont. Aber wir Wirte bräuchten endlich ein festes Datum als Perspektive. So weiß keiner, wie es weitergeht.“

Damit meint sie nicht nur die finanzielle Einschränkung und das Warten auf staatliche Hilfen, von denen noch keine angekommen seien. Ihr geht es auch um die Seele einer Wirtschaft: „Ich bin wirklich gern Gastgeberin, aber die jetzige Situation hat damit nichts mehr zu tun. Man trifft keinen Menschen. Es gibt keinen Ratsch mehr. Das zehrt an der Motivation.“

Weitermachen, auch, wenn‘s grade zum Überleben reicht

Christian Wallner, Gasthof zur Post in Ostermünchen nutzt den Januar noch für eine Winterpause: „Am 5. Februar starten wir wieder durch. Unser To-Go-Angebot wird sehr gut angenommen. Am beliebtesten sind klassische Gerichte wie Schweinefilet und Schnitzel.“ Mitten im Corona-Jahr ist er in die Selbstständigkeit gestartet und hat den Gasthof übernommen. Eine schwieirige Situation. Als Grundlage für seine November- und Dezemberhilfen konnte er gerade mal einen Krisenmonat – den Oktober 2020 – verwenden. „Auch wenn es gerade nur zum Überleben reicht. Wir machen weiter.“

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