Wird Miete erlassen? – Wie Bad Aiblinger Vermieter auf Appell des Bürgermeisters reagieren

Hinter jedem Schaufenster verbirgt sich ein persönliches Schicksal:Einzelhändler, Gastronomen und Hoteliers können die Corona-Krise nur überleben, wenn ihnen die Mieten erlassen oder zumindest gestundet werden. Gerlach

Der Appell von Bürgermeister Felix Schwaller war deutlich: „Wenn es Ihnen möglich ist, bitte ich Sie, auf einen Teil oder die gesamte Miete zu verzichten.“ Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich.

Bad Aibling – Die Vermieter sind es, die Hoteliers, Gastronomen, Einzelhändler und Selbstständige aus der Corona-Krise führen könnten: Wenn sie auf ihre Einnahmen ganz oder teilweise verzichten, wenn sie die Mieten stunden. Die Reaktionen darauf sind unterschiedlich.

Familie Greither erlässt die Pacht

Die Besitzer des Romantik Hotels Das Lindner in Bad Aibling haben sofort gehandelt: „Wir erlassen die Pacht so lange, wie die Krise andauert“, sagt Peter Greither entschlossen. Das Hotel ist seit 200 Jahren in Familienbesitz und soll auch künftig das Zentrum von Bad Aibling prägen.

Nur Solidarität hilft aus der Krise

„Jost Deitmar ist für unser Hotel genau der richtige Mann. Wenn er Insolvenz anmelden muss, ist keinem geholfen: dem Hotel nicht, der Stadt nicht, und uns auch nicht“, betont Greither und ergänzt: „Wenn wir jetzt nicht Solidarität leben, dann bleibt unseren Kindern, Enkeln und Urenkeln am Ende des Tages nichts, dann geht alles den Bach runter.“

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

Die gleiche Solidarität gelte auch gegenüber den Mietern von Wohnungen. „Wer durch die Krise in Schwierigkeiten kommt, kann sich bei uns melden. Wir finden eine Lösung.“

Auch Vermieter haben Verpflichtungen

Axel Witting, Anwalt und Rechtsberater von Haus & Grund Bad Aibling, vertritt die Interessen der Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer vor Ort. „Ich persönlich würde empfehlen, sich solidarisch zu zeigen“, sagt er und schränkt gleichzeitig ein: „Das geht aber nur bei denen, die sich das auch leisten können.“ Viele Vermieter seien darauf angewiesen, dass die Mieten weiter bezahlt würden, weil sie aufgrund von Hauskäufen oder Sanierungsarbeiten eigene Zahlungsverpflichtungen hätten.

Kündigungen und Zwangsvollstreckungen sind ausgesetzt

Der Bundestag hat zum Schutz der Mieter ein zeitlich befristetes Moratorium verabschiedet. „Konnte ein Vermieter bislang bei zwei ausstehenden Mieten kündigen, sind Kündigungen oder Zwangsräumungen wegen fehlender Mieteinnahmen vom 1. April bis 30. Juni ausgesetzt“, erläutert Witting. Trotzdem bleibe die Pflicht des Mieters oder Pächters zur Mietzahlung bestehen. Bis zum 30. Juni 2022 müssen die Rückstände beglichen werden. Wenn nicht, darf gekündigt werden.

Die Großen stornieren zuerst die Zahlungen

Dass jetzt vor allem große Ketten wie Kick oder Tedi von der Möglichkeit Gebrauch machen, ihre Mietzahlungen auszusetzen, spürt gerade auch die Werndl und Partner GmbH. Dem Unternehmen gehören neben dem Gebäude in der Münchener Straße in Bad Aibling auch Immobilien in Bruckmühl und Kolbermoor mit kleinen Friseur- oder Blumenläden.

Auch eine Lösung: Gutscheine in Höhe der Miete

„Wenn unsere Mieter auf uns zukommen, finden wir eine Lösung“, versichert Maximilian Werndl. Kleinen Einzelhändlern könne die Miete gestundet werden. „Es gibt aber auch die Möglichkeit, Gutscheine in Höhe der Miete zu kaufen. Damit hätten die Unternehmen trotzdem ein Geschäft“, zieht er eine Alternative in Betracht.

Stadt darf laut Gesetz Mieten nur stunden

Im Zentrum von Bad Aibling ist auch die Stadt Eigentümerin von Gewerbeflächen. „Auf Antrag dürfen wir die Miete stunden“, erklärt Bürgermeister Felix Schwaller die rechtliche Grundlage.

Der Schlossbrauerei Maxlrain gehörten einst auch in Bad Aibling große Gasthöfe. Die meisten wurden verkauft. Nur zwei – die Schlosswirtschaft und das Braustüberl – gehören noch zur Brauerei und wurden an Wirte verpachtet.

Nach dem Shutdown muss es weitergehen

„Wir haben zunächst für April die Pacht erlassen“, erklärt Brauereidirektor Roland Bräger. Zwar laufe auch der Brauereibetrieb vermindert, aber das sei nicht mit den Einbrüchen in der Gastronomie oder anderen Branchen zu vergleichen. „Es muss nach dem Shutdown weitergehen, dafür müssen wir jetzt die Weichen stellen.“

Nicht alle Vermieter können helfen

Nicht alle Vermieter wollten auf Anfrage des Mangfallboten auch Auskunft geben und „ihre Namen in der Zeitung lesen“, machten aber darauf aufmerksam, dass sie nicht in der Lage seien, Mieten zu erlassen, weil sie selbst Verbindlichkeiten gegenüber den Banken hätten.

Stundung von Darlehensverträgen

Tatsächlich ist es so, dass der Bundestag zwar einer Stundung von Verbraucherdarlehensverträgen – also Krediten für private Zwecke – zugestimmt hat. Darlehensverträge von Unternehmern zu gewerblichen Zwecken werden dagegen von der Regelung derzeit noch nicht erfasst.

Gebot der Stunde: In Echtzeit handeln

Trotzdem gibt es auch Vermieter, die in der Krise nicht auf Gesetze warten, sondern selbst in die Offensive gehen. „Die Krise erfordert es, dass wir in Echtzeit handeln. Die Lage ist brisant, wir brauchen schnelle Entscheidungen“, betont Maximilian Werndl.

Lösungen finden sich im Dialog

„Wir sind auf unsere Bank zugegangen und haben eine Tilgungsaussetzung vereinbart, um den kleinen Händlern und Gastronomen helfen zu können.“ Genau wie bei einer Stundung entstünde dadurch keiner Seite ein Schaden. Werndl: „Aber alle bleiben auch in der Krise handlungsfähig. Und darauf kommt es an.“

Das könnte Sie auch interessieren:

Coronavirus: Ausbruch in Bad Feilnbach ++ Schwerpunktpraxis in Mühldorf öffnet heute

Bad Aiblings Bürgermeister richtet sich mit dramatischem Appell an die Vermieter der Stadt

Kommentare