Wird Gemeinde zum Energieversorger?

Bruckmühl - Die Marktgemeinde Bruckmühl will sich in Sachen Energieversorgung einbringen - möglich ist es.

Den Weg zeigte jetzt ein Vertreter der Stadtwerke Schwäbisch Hall am eigenen Beispiel auf: In der 37000-Einwohner-Stadt wurde nach und nach ein Nahwärmenetz aufgebaut - ohne besondere Voraussetzungen gehabt zu haben. Die Empfehlung für Bruckmühl: mit kleinen «Versorgungs-Inseln» zu beginnen, um später das Nahwärmenetz auszubauen und dann die Grünfuttertrocknung in Hornaus als Wärmelieferant einzubinden.

«Klein anfangen», auf dieses Credo schwor der technische Leiter der Stadtwerke Schwäbisch Hall, Diplom-Ingenieur Gebhard Gentner, den Marktgemeinderat auf seiner jüngsten Sitzung ein. Dort präsentierten die Stadtwerke Schwäbisch Hall auf Antrag der Grünen-Fraktion ihr Konzept und zeigten Möglichkeiten für Bruckmühl auf.

In der Marktgemeinde war die Diskussion über das Thema Energie, wie berichtet, durch ein Angebot der Grünfuttertrocknungsanlage Horn-au, Abwärme in ein Fernwärmenetz einzuspeisen, angestoßen worden. Verschiedene Anbieter und Modelle, darunter auch eine Zusammenarbeit mit Eon, waren bereits debattiert worden. Nun stellten die Stadtwerke Schwäbisch Hall ihr Unternehmen und die Möglichkeit der Energieversorgung auf kommunaler Ebene vor.

Zu 100 Prozent eine Tochtergesellschaft der Stadt Schwäbisch Hall, haben die dortigen Stadtwerke (gegründet 1970) aktuell 290 Mitarbeiter - und jede Menge Projekte und Beteiligungen: Sie haben Strom-, Gas- und Wassernetz in ihren Händen, haben die Fernwärmeversorgung aufgebaut, hinzu kamen verschiedene Kraftwerke (Blockheizkraftwerke, Wasserkraft, Windkraftanlagen, Pflanzenölverbrennungsanlage) und Energiedienstleistungen - auch für externe Kunden. «Darunter die Prozessführung von technischen Anlagen, Zählerfernauslesung und Kundenabrechnungen sowie Facility Management für 60 Anlagen», so Gentner. Zudem greifen die Stadtwerke Schwäbisch Hall anderen Kommunen beim Aufbau einer eigenen Energieversorgung unter die Arme, oftmals mit «schwäbischer» Beteiligung, so geschehen zuletzt in Ottobrunn (22000-Einwohner-Gemeinde).

Für Bruckmühl sieht Gentner verschiedene Möglichkeiten, darunter durchaus die Nutzung der Abwärme der Grünfuttertrocknungsanlage Hornau, angebunden via Fernwärmeleitung. Seine erste grobe Schätzung - «ohne Bruckmühl im Detail zu kennen», betonte Gentner: Benötigt würden für den Anfang etwa 65 Tarifkunden (Verbrauch 20 Kilowatt) und fünf größere Sonderkunden (400 Kilowatt) wie Rathaus, Altenheim, Schulen. Wärmebedarf dann: 5000 Megawattstunden. Als Bezugspreis rechnet er mit etwa 35 Euro pro Megawattstunde, Verkaufspreis rund 76 Euro pro Megawattstunde. Die Gesamtinvestition schätzt Gentner auf rund 2,2 Millionen Euro, abzüglich Förderungen und weitere Einnahmen kommt er auf eine Netto-Investition von 1,34 Millionen Euro. «Die Anbindung wäre also wirtschaftlich machbar, müsste allerdings noch genau untersucht werden», so seine erste Einschätzung.

Ein weiteres Modell für ein Bruckmühler Energie-Konzept: Die Gemeinde könnte ihr Wasserversorgungsnetz in ein eigenes Energie-Unternehmen einbringen und damit ein Grundkapital von - geschätzten - 2 Millionen Euro. Weitere 2 Millionen Euro könnte ein Partner zur Verfügung stellen, so Gentner, womit ein Grundstock von 4 Millionen Euro für ein Nahwärmenetz, die Wasserversorgung und möglicherweise auch den späteren Erwerb von Strom- und Gasnetz vorhanden wäre. «Ein eigenes Netz zu betreiben, ist kein Hexenwerk», machte er der Gemeinde Mut.

Doch wie beginnen? stellte sich Klaus Papke (Grüne) die Frage - «kleine Einheiten schaffen, am besten erst einmal das Rathaus und umliegende Gebäude verbinden, sehen, woher man günstig Wärme bekommt oder eventuell einen Hackschnitzelkessel bauen», so der Stadtwerke-Technikchef. In einem weiteren Schritt könne dann die Abwärme der Grünfuttertrocknungsanlage mitgenutzt werden.

Gentners grundsätzliche Empfehlung: Die Kommune sollte das Thema Energie selbst in die Hand nehmen, müsse darauf aber gut vorbereitet sein. Entsprechende Konzepte könnten die Stadtwerke Schwäbisch Hall erstellen und dabei beratend und - falls gewünscht - auch bei der Abwicklung zur Seite stehen, führte Gentner schließlich auf Anfrage von Engelbert Wolf (CSU/PW) und auch Michael Bernpaintner (SPD) aus.

Bürgermeister Franz Heinritzi zeigte sich - wie auch andere Gemeinderäte - angetan von den Vorschlägen aus Schwäbisch Hall. Verwaltung und Gemeinderat wollen das Thema Energie nun weiter diskutieren und baldmöglichst eine Entscheidung bezüglich des weiteren Vorgehens treffen.

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