Willkommen zurück in Bad Aibling – Gastronomen und Hoteliers zwischen Stufen der Lockerung

Mitten bei der „Ummöblierung“ sind „GenussArt“-Wirt Fjodor Rolew und seine Frau Olga. BAumann

Für die Gastronomie ist die seit Montag mögliche Wiedereröffnung ein weiterer Schritt neben dem „To go“-Geschäft, der zurück in die Mitte des gesellschaftlichen Lebens führt. Für die Hotellerie indes bleibt es schwierig: Wie soll man die Wiedereröffnung ohne Kenntnis der Rahmenbedingungen planen?

Von Johann Baumann

Bad Aibling– „Endlich können wir wieder öffnen“ – so lautet durchgehend das Credo der Aiblinger gastronomischen Betriebe. Sie haben den Lockdown bisher einigermaßen überstanden und mussten dank der Kurzarbeiterregelung bisher kein Personal entlassen. Allerdings beklagen sie unisono drastische Umsatzeinbußen von 90 Prozent und mehr. Lediglich durch das „To go“-Geschäft konnten kleinere Einnahmen erzielt werden.

Seit dem gestrigen Montag können nun in den Außenbereichen und ab dem 25. Mai auch in den Innenräumen wieder Gäste bewirtet werden, manche starten auch erst heute oder später. Doch ganz ungetrübt ist die Freude der Gastronomen nicht – gilt es doch die umfangreichen Hygiene- und Schutzmaßnahmen einzuhalten. Diese führen auch zu einem erhöhten Personalaufwand, unter anderem durch getrenntes Kassieren und das Einholen der persönlichen Gästedaten per Formular (zur eventuellen späteren Kontakt-Nachverfolgung).

Nicht alle starten sofort

Johannes Rott („Café Rott“) konnte durch die durchgehende Öffnung des Konditorladens einen Teilumsatz generieren. Er will mit der Wiederöffnung des Cafés noch etwas warten, zumal er noch auf Instruktionen der Konditoreninnung wartet. „Nach dem frustrierenden Lockdown erwarten wir einen Stotterstart und möchten danach wieder durchstarten“, erklärt Lisa Tomschiczek von der „Cafélotte“ Bar. Von den üblichen 140 Plätzen im Außenbereich können dank optimaler Platzausnutzung immerhin 100 beibehalten werden. Eine lohnende Bewirtschaftung des von 80 auf 35 Plätze reduzierten, engen Innenbereichs erscheint aber zweifelhaft.

Vermieter erlässt für zwei Monate die Hälfte der Pacht

In der gleichen Lage ist auch Fjodor Rolew, der zusammen mit seiner Frau Olga das Restaurant „Genuss Art“ betreibt. Ihm hat der Vermieter für zwei Monate die Hälfte der Pacht erlassen. Er hat bei der Stadt Bad Aibling die Erweiterung seines Außenbereichs zu Lasten von zwei Parkplätzen beantragt und hofft auf ein kommunales Entgegenkommen in diesen für Gastronomen so schwierigen Zeiten.

Biergarten in Mietraching ab Freitag wieder geöffnet

Fast alles vorbereitet hat auch Christos Domosouliotis vom „Dionysos“ (vormals „Ratskeller“) für den Re-start. Der Wirt hofft für seinen Familienbetrieb, dass in absehbarer Zeit wieder die Vollbelegung seiner 90 (jetzt 40) Außen- und 160 (jetzt 80) Innenplätze möglich ist. Auch in anderen Restaurants wie im „Sebastiani“ und „Nikos“ ist für die Außenplätze die Bewirtung wieder angelaufen.

Erst am kommenden Freitag hingegen will Franz Kriechbaumer in Mietraching seinen Biergarten wieder öffnen. Die künftigen Öffnungszeiten für innen und außen will er noch detailliert festlegen.

Schwer gebeutelte Hotelbranche

Mit am schwersten gebeutelt ist die Hotellerie, die erst ab dem Pfingstwochenende wieder touristische Übernachtungsgäste aufnehmen darf. Die exakten Rahmenbedingungen dazu werden zudem erst im Laufe dieser Woche bekanntgegeben. „Es wird höchste Zeit, dass wir wieder aufmachen und wir freuen uns, wieder für unsere Gäste dazu sein“, betont Jost C. Deitmar („Das Lindner“). Mit der Kürzung des Platzangebotes um rund ein Drittel öffnet er gestaffelt die Außen- und Innen-Gastronomie.

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Erhebliche Sorgen bereitet ihm jedoch das stockende Übernachtungsgeschäft. Während in benachbarten Landkreisen die Buchungen schon voll angelaufen seien, gebe es in der sonst sehr beliebten Region Rosenheim und auch in Bad Aibling kaum Zimmer-Reservierungen. „Ich führe das auf die in vielen Medien undifferenzierte Berichterstattung über den Corona-Hotspot Rosenheim zurück, in der nicht zwischen Stadt und Landkreis unterschieden wird“, beklagt der Hotelier.

Selbst Oktober-Buchung bereits gecancelt

Die gleiche Meinung vertritt auch sein Kollege Johann Reif vom Hotel „St. Georg“. In seinem Haus sei die Hälfte der bereits bestätigten Juni-Buchungen storniert worden, was über 500 Nächte betrifft. Selbst eine für Oktober vorgenommene Seminarbuchung sei inzwischen wieder gecancelt worden.

„Bei leerem Haus gehen die Lichter aus“

Derzeit seien die Kosten kalkulierbar. „Wenn wir aber den Hotelbetrieb hochfahren und das Haus leer ist, dann gehen die Lichter aus“, argumentiert der Hotelmanager. Eine Öffnung des gastronomischen Bereichs vor der Hoteleröffnung sei im „St. Georg“ nicht wirtschaftlich.

Fazit: Während die Aiblinger Gastronomie überwiegend von Einheimischen frequentiert wird, leiden die Hoteliers unter dem Ausbleiben auswärtiger touristischer und geschäftlicher Gäste, die offenbar wegen des negativen Rosenheimer Corona-Images in großer Zahl ausbleiben.

Erschwerte Planungen für Hotellerie

„Dadurch, dass wir zwar nun einen Zeitplan für die Wiedereröffnung der Hotels ab 30. Mai haben, aber über die Rahmenbedingungen bislang noch gar nichts wissen, werden die Planungen unglaublich erschwert“, sagt Kurdirektor Thomas Jahn über die Lage der Übernachtungsbetriebe in der Stadt. Bei Buchungsanfragen würden die Gäste schließlich wissen wollen, wie die Auflagen im Einzelnen aussehen und was geboten werden kann: Darf man Frühstück servieren und wie? Wie schaut es mit Wellnessbereichen aus oder mit der Therme? Was ist mit den Bergbahnen, der Schifffahrt, den Kletterparks? Doch dazu könne man im Moment noch nichts Verbindliches sagen. Deshalb sei es auch sehr schwer, ordentlich zu planen und in plausible Werbung einzusteigen. „Das erzeugt Unmut und Frustration“, weiß Jahn. Auch wenn es schwierig sei, so sei die Aib-Kur gerade dabei, zusammen mit Agenturen Werbe- und Social-Media-Kampagnen auf den Markt zu bringen, um in den Hauptquellgebieten um Gäste zu werben. Daneben hoffe man, dass der Betrieb in den beiden Reha-Kliniken Ende Mai wieder hochgefahren werden kann. „Wir kämpfen gemeinsam mit dem Bayerischen Heilbäderverband darum, Gesundheitsmaßnahmen auch jenen Menschen angedeihen zu lassen, die nicht an Corona erkrankt sind.“

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