Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Mammut-Projekt für eine kleine Gemeinde

Wie soll betagte Orgel die Sanierung des Kirchdorfer Gotteshauses überleben?

Detailfragen zur Renovierung bespricht (von links) Architektin Lydia Lehner mit Kirchenpfleger Anton Hell und der Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Regina Grabichler.
+
Detailfragen zur Renovierung bespricht (von links) Architektin Lydia Lehner mit Kirchenpfleger Anton Hell und der Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Regina Grabichler.
  • VonJohann Baumann
    schließen

Die Kirchdorfer Katholiken haben auf diesen Moment 15 Jahre lang gewartet. Ihre Kirche St. Vigilius wird endlich saniert. Drei Millionen Euro soll das Projekt kosten, zehn Prozent davon muss die kleine Pfarrei selbst aufbringen. Doch für die betagte Orgel reicht das Geld nicht.

Bruckmühl/Kirchdorf – „Was lange währt, wird endlich gut“ – dieses Sprichwort trifft auf die Renovierung der Pfarrkirche im Bruckmühler Ortsteil Kirchdorf zu. Schon vor 15 Jahren hatten die Verantwortlichen der Katholischen Kirchenstiftung St. Vigilius Kontakt zum Erzbischöflichen Ordinariat München-Freising aufgenommen, doch immer wieder wurde dort der Antrag zurückgestellt. „Wir hatten zwischendurch schon gar nicht mehr daran geglaubt, dass unser Projekt jemals genehmigt wird“, bekannte Kirchenpfleger Anton Hell gegenüber dem Mangfall-Boten.

Die Kirchdorfer Pfarrkirche St. Vigilius wird ab Ende dieses Jahres innen umfassend renoviert.

Umfangreiche Voruntersuchungen

Doch vor gut zwei Jahren konkretisierten sich die Planungen – die Finanzkammer des Erzbischöflichen Ordinariats gab „grünes Licht“ für die umfangreichen denkmalpflegerischen Voruntersuchungen zur Bestandsaufnahme und Zustandsfeststellung, die von März 2020 bis Ende 2021 durchgeführten wurden. Dem ging ein langer Kampf um die für die Dringlichkeit erforderlichen Punkte voraus, u. a. mit verschiedenen Varianten der Kostenschätzung.

Die 1258 in Holzbauweise errichtete Kirche wurde 1470 von Ritter Hans Holnsteiner durch eine Steinkirche im spätgotischen Stil ersetzt. 1708 baute man den Turm und nach der Barockisierung im 17. Jahrhundert erfolgte 1875 eine Regotisierung.

Letzte Renovierung vor fast 100 Jahren

Die letzte „ganzheitliche“ Innenrenovierung mit ihrem heutigen Erscheinungsbild erlebte das Gotteshaus im Jahr 1927. Dabei wurde die ehemals gemauerte, deutlich höhere Empore der Neugotik durch eine zweistöckige, hölzerne Orgelempore ersetzte. „Auch die heutige Farbigkeit der Raumschale und der gefassten Ausstattung ist auf die Maßnahme von 1927 zurückzuführen“, erläutert Lydia Lehner vom Architekturbüro „A 2“. Die Regensburger Architekten verfügen über umfangreiche Erfahrungen mit Renovierungsmaßnahmen im Rahmen der Denkmalpflege und führten jüngst unter anderem auch Regie bei der Renovierung der Pfarrkirche St. Michael in Großhöhenrain.

Lesen Sie auch: Wie ein ganzer Ort Spenden für die Sanierung der Westerhamer Kirche sammelt

Derzeit werden die detaillierten Konzepte für die restauratorischen Maßnahmen entwickelt und auf deren Grundlage die Ausschreibungen der einzelnen Gewerke vorbereitet. Daran ist eine Vielzahl von Planern beteiligt – darunter Büros für Vermessungen, Statik, Haus- und Elektrotechnik, Bauphysik, Holzschädlingsbekämpfung, Schadstoffuntersuchung, Klimamessung und Kirchenmalerei sowie Restaurierungswerkstätten für Naturstein, Glas und Textilien.

Der Beginn der Arbeiten ist für Ende 2022 oder. Anfang 2023 vorgesehen. Einen Schwerpunkte der Renovierung bildet die Erneuerung der sogenannten Gestühlspodeste, also des Holzfußbodens unter den Kirchenbänken. Die Podeste müssen aufgrund erheblicher Schäden erneuert und dazu das gesamte Kirchengestühl ausgebaut werden. Ebenfalls für die Restaurierung ausgebaut werden muss die feuchtigkeitsgeschädigte Wandverkleidung an den Außenwänden. Im Vorfeld wurden dazu Probebohrungen vorgenommen. Die Wandverkleidung wird künftig um einige Zentimeter von den Wänden abgerückt, um eine Hinterlüftung zu gewährleisten und dadurch erneute Feuchteschäden zu vermeiden.

Unter den Sitzbänken und hinter der Wandverkleidung kann Lydia Lehner zufolge die neue Heizung in Form einer Warmwasserleitung verlegt werden. In der Außenwand im Chorraum verläuft eine Warmwasserleitung unter Putz als Bauteiltemperierung im Sockelbereich. Die Kirche wird über das örtliche Biomassenahwärmenetz mit Warmwasser versorgt.

Große Bedeutung kommt auch der Erneuerung von Decken und Wänden –also der sogenannten Raumschale – zu. „Sie hat sich in den fast 100 Jahren seit der letzten Renovierung einfach abgenutzt“, betont die Architektin. Die Farbigkeit der Raumschale soll in der jetzigen Fassung von 1927 erhalten bleiben. Dabei werden alle Wandflächen gereinigt und gepflegt, wodurch eine deutliche Aufhellung erreicht wird.

Das könnte Sie auch interessieren: Preisexplosion bei der Sanierung des Trinkwasserbehälters in Mittenkirchen

Hochaltar und Seitenaltäre müssen zudem gefestigt und ihre farbige Fassung von 1927 grundlegend überholt werden. Gleiches gilt für alle Figuren und den Kreuzweg. Des Weiteren wird die hochwertige holzsichtige Ausstattung wie Sitzbänke, Beichtstühle, Türen und Schränke von Holzrestauratoren überarbeitet und mit einer Oberflächenpflege versehen.

Ferner müssen die teils gravierenden Schäden am Natursteinboden im Kirchenraum aus Solnhofener Plattenkalk restauriert beziehungsweise der Belag ergänzt und gereinigt werden.

Kirche bekommt einen neuen Andachtsort

Auch die Kirchenfenster mit ornamentaler Glasmalerei und farbigen Randbordüren werden restauriert. Dabei werden unter anderem die sogenannten Windeisen (Querstäbe) neu befestigt. Im Zuge der Erneuerungsmaßnahmen sollen außerdem einige Bankreihen unter der Empore zugunsten von mehr Platz für einen Andachtsort mit Opferlichtanlage, Evangeliarablage, Taufstein und Beichtstuhl entfallen.

Die Holzfußböden sind marode, und die Außenwände hinter der lädierten Wandverkleidung sind feucht.

Zum Renovierungsprogramm zählt auch die Umgestaltung der Sakristeien und die Überarbeitung des Seitenaltars mit der Reliquie der Heiligen Modestine.

Einiges Kopfzerbrechen bereitet dem Kirchenpfleger der für die Innenrenovierung notwendige Abbau der schon betagten Orgel: „Wir befürchten, dass sie den Ab- und Wiedereinbau nicht überlebt“, so Anton Hell.

Sorgen um Erhalt der Orgel

Eine eigentlich nötige Neuanschaffung des „XXL-Instruments“ ist nach seinen Aussagen aber „nicht drin“, denn für diese Investition gibt es vom Ordinariat keinen Zuschuss. Selber stemmen kann die Pfarrgemeinde St. Vigilius einen Orgelkauf aber nicht, denn sie muss schon zehn Prozent der Renovierungskosten in Höhe von insgesamt rund drei Millionen Euro erbringen – also 300 000 Euro..

Kommentare