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Notfallplan wird überarbeitet

Wie sicher ist unsere Stromversorgung? Gemeinde Tuntenhausen wappnet sich für den Störfall

Die Stromversorgung der Kläranlage in Tuntenhausen wird im Störfall von einem Notstromaggregrat übernommen. Damit ausreichend Dieselkraftstoff vorrätig ist, denkt die Gemeinde über ein eigenes Kraftstofflager nach.
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Die Stromversorgung der Kläranlage in Tuntenhausen wird im Störfall von einem Notstromaggregrat übernommen. Damit ausreichend Dieselkraftstoff vorrätig ist, denkt die Gemeinde über ein eigenes Kraftstofflager nach.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Zusätzliche Notstromaggregate und ein Treibstofflager – die Gemeinde Tuntenhausen rüstet sich für den Ernstfall. Doch ist das Panikmache oder muss man aufgrund des Krieges gegen die Ukraine wirklich bald mit flächendeckenden Stromausfällen rechnen?

Tuntenhausen – Brauchen die Kommunen aufgrund des Ukraine-Krieges neue Notfallkonzepte? Bürgermeister Georg Weigl sagt Ja, denn: „Wir müssen uns darüber Gedanken machen, wie wir einen länger anhaltenden, flächendeckenden Stromausfall, mit dem wir bisher nicht gerechnet haben, ausgleichen könnten.“ Deshalb wird in der Gemeinde Tuntenhausen jetzt geprüft, ob ausreichend Notstromaggregate zur Verfügung stehen, um im Notfall die lebenswichtige öffentliche Infrastruktur am Laufen zu halten.

Priorität: Trink- und Abwasserversorgung

Dazu gehören Trinkwasserversorgung und Kläranlagen genauso wie Schulen, Kindereinrichtungen, Rathaus, Bauhof oder Feuerwehren. „Wir prüfen, welche Leistung Notstromaggregate brauchen, damit wir beispielsweise die Trinkwasserversorgung unserer Gemeinde aufrechterhalten könnten“, erklärt Weigl.

Ist das Panikmache oder wirklich ein Gebot der Stunde? Fakt ist: Die Unsicherheit der Energieversorgung in Deutschland ist durch Putins Krieg gegen die Ukraine sprunghaft gestiegen. Fakt ist auch, dass 36 Prozent des bayerischen Strombedarfs derzeit aus Erdgas, Kohle und Kernenergie kommen, und dass der Freistaat nach der Abschaltung der Kernkraftwerke Strom importieren muss. Doch ist die Lage wirklich schon so ernst?

„Es ist keine Panikmache“, betont Kreisbrandrat Richard Schrank vom Katastrophenschutzstab des Landkreises Rosenheim. „Wir beschäftigen uns seit vielen Jahren mit dem Thema und versuchen, die Kommunen dafür zu sensibilisieren.“ Erst Mitte Februar hat sich der Katschutz in einer dreitägigen Klausurtagung damit befasst, wie flächendeckende, lang anhaltende Stromausfälle abgefedert werden können. „Ohne Strom funktioniert gar nichts: kein Internet, kein Telefon, kein Digitalfunk, keine Heizung, keine Tankstelle, keine Wasser-, keine Abwasserentsorgung und vieles mehr. Wir brauchen ganzheitliche Konzepte, wie wir das Leben, die Rettungsketten und die medizinische Versorgung auch ohne Strom aufrechterhalten können“, macht Schrank klar.

Der Katschutz des Landkreises sei gegenwärtig dabei, Lösungen zu erarbeiten. Dazu gehören auch Check-Listen für die Kommunen, was sie in der Vorsorge für den Ernstfall jetzt prüfen sollten: „Wir müssen unsere Notfallstruktur stärken. Das hat uns der Krieg gegen die Ukraine leider auf tragische Weise wieder vor Augen geführt“, so Schrank.

„Wir beschäftigen uns schon seit Jahren mit diesem Thema, doch es war noch nie so ernst, wie es durch den Krieg geworden ist“, betont Bernhard Krichbaumer, der Leiter des Tuntenhausener Bauamtes. Deshalb wird jetzt alles noch einmal genau hinterfragt. Zum Beispiel auch, wie lange Notstromaggregate (NSA) einen Stromausfall überbrücken können. Vier gibt es davon in der Gemeinde Tuntenhausen. Ein stationäres NSA steht am Trinkwasserhochbehälter in Schönau und sorgt im Notfall dafür, dass die Menschen in Hohenthann mit Trinkwasser versorgt werden.

Eine mobiles NSA ist für die fünf Trinkwasserbrunnen im Gemeindegebiet gedacht. „Damit können wir den normalen Bedarf an Trinkwasser oder zumindest eine Notreserve abdecken“, erklärt Krichbaumer. Zwei mobile NSA sollen den Betrieb der Kläranlagen in Tuntenhausen und Hohenthann absichern. Denn wenn sie ohne Strom wären, würde sich das Abwasser zurückstauen und an den tiefsten Punkten des Abwassersystems – das sind die 25 Pumpstationen im Gemeindegebiet – austreten.

Auch dieser Markt ist leergefegt

Mit vollem Tank können Notstromaggregate für mindestens 24 Stunden die Stromversorgung übernehmen. Doch was ist danach? „Wir brauchen auch eine eigene Tankstelle oder ein Kraftstofflager oder ein vertraglich vereinbartes Notkontingent für Diesel“, informiert Krichbaumer über die aktuellen Überlegungen der Gemeinde Tuntenhausen.

Angedacht ist die Anschaffung weiterer Notstromaggregate für Rathaus oder Schulen. „Doch der Markt ist leergefegt, es gibt momentan keine“, weiß der Bauamtsleiter. Auf die Frage, wie die Kommunikation in der Gemeinde ohne Strom funktioneren kann, gibt es momentan nur eine Antwort: „Mündlich.“

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