Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Bewältigung der Flutkatastrophe

Flutkatastrophe in Bruckmühl: So bewertet Bürgermeister Richard Richter das Krisenmanagement

250 Einsatzkräfte waren in der Katastrophennacht vom 26. Juli in Götting im Einsatz.
+
250 Einsatzkräfte waren in der Katastrophennacht vom 26. Juli in Götting im Einsatz.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
    schließen

Bruckmühl - Nach der Überflutung der Ortschaften am Fuße des Irschenbergs stand auch die Marktgemeinde Bruckmühl in der Kritik. Eine Woche nach der Flut sind Hilfsmaßnahmen angelaufen. Warum das so lange gedauert hat, und wie er den Rettungseinsatz in der Nacht vom 26. zum 27. Juli bewertet, erklärt Bürgermeister Richard Richter im Interview.

Herr Richter, der Marktgemeinde wird vorgeworfen, die Menschen in den Krisengebieten alleingelassen zu haben. Wie sehen Sie das?

Richard Richter: Ich kann nachvollziehen, dass die Betroffenen diesen Eindruck gewonnen haben. Sie standen und stehen unter extremer seelischer Anspannung und vor Riesenproblemen. Ich kann nur versichern: Wir waren draußen, haben mit vielen Menschen persönlich oder telefonisch gesprochen.

Lesen Sie auch: War das schon der Supergau oder kann am Irschenberg eine noch größere Sturzflut kommen?

Selbst bin ich zutiefst erschrocken und erschüttert, dass so eine Naturgewalt über meine Mitbürger hereingebrochen ist, und wir im ersten Moment wenig dagegensetzen konnten. Unsere Mitarbeiter haben sofort begonnen, Bachläufe und Straßen zu räumen, Ufer und Infrastruktur gesichert.

Die Menschen hätten sich aber in jeder Ortschaft auch Krisenmanager gewünscht, die vor Ort analysieren, welche Hilfe wo gebraucht wird.

Richter: Diese Kritik nehme ich an. Ich selbst bin nicht zufrieden damit, dass Entscheidungswege so lang waren, und es durch eine Vielzahl von Rückfragen zu Verzögerungen gekommen ist. Im Nachgang würden wir manches abkürzen und beschleunigen. Ich kann nur um Verständnis bitten, dass auch wir mit einem außergewöhnlichen Ereignis konfrontiert waren, und dies eine völlig neue Situation darstellte.

Richard Richter

Dass die Menge der Hangabwässer in den Bächen eine solche Dimension annehmen würde, damit hatten wir nicht gerechnet. Wir wurden alle überrollt. Wir werden aber aus dieser Unwetterkatastrophe lernen und unsere Lehren daraus ziehen. Wie diese am besten aussehen werden, muss in Abstimmung mit Feuerwehr, Polizei und Verwaltung festgelegt werden.

Warum hat es eine Woche gedauert, ehe Container aufgestellt wurden?

Richter: Eigentlich hatten wir geplant, schon am Tag nach der Flut Container aufzustellen und Sperrmüll auch am Wertstoffhof kostenlos anzunehmen. Das Landratsamt als Abfallbehörde hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass das nicht ohne Weiteres möglich ist. Hier waren uns zunächst die Hände gebunden, und es bedurfte einiger Absprachen. Auch hier werden wir mit dem Landratsamt – mit Blick auf künftige Katastrophen – den Ablauf optimieren.

Das klingt angesichts einer solchen Katastrophe danach, als verstecke sich die Verwaltung hinter der Bürokratie.

Richter: Das mag sich für Außenstehende so anhören, ist aber in keinster Weise der Fall. Wenn uns staatliche Prüfinstitutionen oder die Staatsanwaltschaft im Nachhinein vorwerfen, dass wir öffentliche Gelder veruntreut haben, weil die Kosten von Dritten – also den Versicherungen – übernommen wurden, ist dem schwer etwas entgegenzuhalten. Im ausgerufenen Katastrophenfall wären die Dinge rechtlich einfacher. Ich versichere aber eines: Bruckmühl lässt seine Bürger nicht im Stich.

Das könnte Sie auch interessieren: Acht Tage nach der Flut: „Ihr habt uns gerettet“ – Betroffene aus Mittenkirchen und Wiechs sagen Dank

Welche Hochwasserhilfen sind angelaufen?

Richter: Wir arbeiten mit hohem Personalaufwand daran, Hilfen anzubieten. Das sind einerseits Container und Schlammentsorgung. Andererseits wurden wir Dank der Hilfe von der Landtagspräsidentin Ilse Aigner ins Soforthilfe-Programm des Freistaates Bayern aufgenommen. Das heißt, dass in existenziellen Härtefällen bis zu 100 Prozent der entstandenen Schäden erstattet werden. Wir helfen bei Bedarf auch bei der Antragstellung.

Auf der Internetseite der Marktgemeinde Bruckmühl wurden alle Fluthilfen zusammengestellt.

Wir haben sofort auf unserer Homepage wichtige und elementare Informationen – zum Beispiel Containeraufstellorte, Schlammabfuhr oder Formulare – zeitnah zur Verfügung gestellt. Wenn uns Hilferufe erreichen – gern auch über mein Vorzimmer, gehen wir zu den Menschen und suchen gemeinsam mit ihnen nach Lösungen. Außerdem: Wir wollen mit der Bürgermeister-Heinritzi-Jugendstiftung auch den Kindern aus den Katastrophengebieten ein Angebot machen.

Es gab Kritik am Rettungseinsatz. Teilen Sie diese?

Richter: Es ist für mich unerträglich, wenn nach so einer Katastrophe und solch einem engagierten Einsatz über viele Stunden und ohne Schlaf Kritik an denen geübt wird, die im Schlamm standen und die Keller ausgepumpt haben.

Das ist für mich ein Angriff aufs Ehrenamt, den ich nicht akzeptiere. Ich möchte auf diesem Weg allen Einsatzkräften noch einmal meinen ausdrücklichen Dank aussprechen. Sie haben Übermenschliches geleistet – zum Wohle der Bürger.

Die Kritik bezieht sich auf die Koordination der Einsatzkräfte.

Richter: Ich maße mir nicht an, das als Laie wirklich bewerten zu können. Aber: Wir haben für die kommende Woche eine Nachbesprechung mit unseren Einsatzkräften der örtlichen Feuerwehren anberaumt. Gespräche mit dem Wasserwirtschaftsamt finden unabhängig davon statt. Dies dient dazu, die Ereignisse aufzuarbeiten.

Zudem werden wir darüber beraten, was wir im Katastrophenfall künftig anders machen können, wer im Markt Bruckmühl dann welche Aufgaben übernimmt. Man kann also sagen: In Aufarbeitung der Ereignisse erarbeiten wir ein besseres kommunales Krisenmanagement und optimieren Abläufe. Ich warne aber gleich: 100-prozentig kann man nie auf derlei Naturgewalten vorbereitet sein.

Wie werden die Kosten für den Feuerwehreinsatz umgelegt?

Richter:Wäre der Katastrophenfall ausgerufen worden, müssten wir uns vermutlich über diese Frage keine Gedanken machen. Diese Entscheidung kann aber auch rückwirkend nicht korrigiert werden. Trotzdem muss sich kein Betroffener im Bereich der Marktgemeinde Bruckmühl darüber Sorgen machen, dass wir jetzt Bescheide verschicken.

Wir werden im September im Marktgemeinderat darüber beraten, ob und unter welchen Bedingungen wir als Gemeinde die Kosten für die technische Hilfeleistung unserer Feuerwehren übernehmen. So haben wir es auch beim Schnee-Chaos-Einsatz in Aschau gehandhabt.

Ist es ein Problem des Hochwasserschutzes am Fuße des Irschenbergs, dass es dort keine Regenrückhaltebecken gibt?

Richter: Wir werden den Ursachen der Sturzflut auf den Grund gehen. In dieser Woche haben dazu bereits die Beratungen mit dem Wasserwirtschaftsamt begonnen und werden engmaschig und zügig fortgesetzt. Wir werden das Gefährdungspotenzial analysieren und ein Hochwasserschutzkonzept für das Gebiet entwickeln – so wie wir es auch für die Berghamer Bäche gemacht haben.

Hier hat der Markt Bruckmühl seine Hausaufgaben in den vergangenen Jahren gemacht. Ich möchte aber gleichzeitig auch an die Bürger appellieren, ihre Häuser entsprechend zu schützen und angesichts vermehrter Unwetterlagen Versicherungen abzuschließen.

Mehr zum Thema

Kommentare