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Eine besondere Klasse in Bad Aibling

Wie ein ukrainischer Lehrer mit einer Flüchtlingsklasse den Schulalltag startet

Schulleiterin Hiltrud Volpert (Mitte) begrüßte neben Lehrer Roman Plakunov eine komplett neue Schulklasse bestehend aus ukrainischen Flüchtlingskindern.
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Schulleiterin Hiltrud Volpert (Mitte) begrüßte neben Lehrer Roman Plakunov eine komplett neue Schulklasse bestehend aus ukrainischen Flüchtlingskindern.
  • VonNicolas Bettinger
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Nach den Osterferien hat die Bad Aiblinger Luitpold-Grundschule eine komplett neue Klasse hinzubekommen. Ab sofort gehören ukrainische Flüchtlingskinder zur Schulfamilie. Doch funktioniert der Unterricht trotz der Sprachbarriere?

Bad Aibling – Dass es an diesem Tag um 7.30 Uhr in Strömen regnete, interessierte wohl kaum jemanden. Viel wichtiger war für die Kleinsten der erste Schultag nach den Ferien, der – anders als sonst – mit einer zusätzlichen, einer ganz besonderen Schulklasse begann. „Wir haben schnell mitbekommen, dass recht viele in Bad Aibling untergekommen sind“, sagt Hiltrud Volpert. Die Schulleiterin der Luitpold-Grundschule erinnert sich an den Beginn der ukrainischen Flüchtlingsbewegung und an den Entschluss, etwas für die vielen Kinder unternehmen zu wollen.

Schulpflicht erst nach drei Monaten

„Auch wenn die Schulpflicht für die ukrainischen Kinder erst nach drei Monaten greift, war klar, dass ihnen die Struktur eines geregelten Schulalltags helfen könnte.“ In Zusammenarbeit mit dem Kreis Migration habe man deshalb kurzerhand eine Liste an potenziellen Schülern erstellt, um einen Überblick zu bekommen. „Dabei geht es in erster Linie um die Familien, die in Privatunterkünften leben“, so Volpert. Bei Flüchtlingen aus Sammelunterkünften sei dagegen unklar, ob sie länger hier bleiben oder schon bald woanders unterkommen.

„Wir hatten relativ schnell 18 Kinder zusammen“, sagt die Schulleiterin. Allerdings wollte man diese nicht einfach auf die 17 bestehenden Klassen an der Luitpold-Grundschule verteilen, da sie womöglich einen anderen, einen geordneteren Rahmen benötigten.

Zumal viele ukrainische Kinder noch immer am Onlineunterricht aus der Schule ihres Heimatlandes teilnehmen. „Das wollen wir natürlich nicht einfach cutten“, so Volpert.

Also entschied man sich, eine extra Klasse einzurichten, in der die ukrainischen Kinder gemeinsam unterrichtet werden können. Allerdings blieb das Sprachproblem zunächst ungelöst.

„Das war unser riesen Glück“

„Unser riesen Glück war dann im Vorfeld, dass der Vater eines geflüchteten Schülers ausgebildeter Grundschullehrer ist“, erzählt sie. Da die Lehrerschaft an der Luitpold-Grundschule ohnehin am Limit arbeitet, wird der ukrainische Lehrer, Roman Plakunov, von einigen „Drittkräften“, sogenannte Aushilfslehrkräften, unterstützt. In Zeiten der Not sei die Organisation und Absprache mit der Regierung hierzu „wahnsinnig schnell“ erfolgt.

Herzlicher Empfang: Im Eingangsbereich werden die Ukrainer in ihrer Spracher willkommen geheißen.

Nun war es soweit und die ukrainischen Schüler kamen zu ihrem ersten Schultag in die Aiblinger Bildungseinrichtung. Schon im Eingangsbereich wurden sie mit einem Willkommensschild in eigener Sprache empfangen. Begrüßt von der Klasse 4A bekamen die Neulinge Namensschilder und Schultüten überreicht. Einige Mütter und Väter, die ihre Kinder zum ersten Schultag begleitet hatten, beobachteten den Empfang gerührt. Ein Vater, dessen Familie seit gut einem Monat in Bad Aibling untergekommen ist, betonte am Rande der Willkommensveranstaltung, wie wichtig das Angebot für seinen Sohn sei. Die feste Struktur und das Lernen seien gerade in dieser Situation besonders hilfreich. „Welcome Thimothy“, „welcome Annalena“, „welcome Melania“, hallte es dann durch die Aula der Schule. Letztlich kamen an diesem Tag elf ukrainische Schüler in die Luitpold-Grundschule, alle im Alter von sechs bis zehn Jahren. Und laut Volpert müsse man in den kommenden Wochen damit rechnen, dass weitaus mehr noch hinzukommen werden.

Mehrteiliges Unterrichtsprogramm

Die ukrainische Klasse soll von nun an in einer Kombination aus Deutschunterricht durch die „Drittkräfte“, „normalem“ Unterricht durch Roman Plakunov und Online-Unterricht aus der Heimat beschäftigt werden. Dafür stellt die Schule etwa den Computer- und Musikraum zur Verfügung.

Eine der Aushilfskräfte ist Martina Mayer. Sie war früher selbst als Lehrerin tätig und möchte nun Unterstützung leisten. „Wir werden sehen, was die Kinder schon können und wie wir zurecht kommen“, sagt Mayer. Sie ist zuversichtlich und freut sich darauf, den Kindern Deutschunterricht zu geben.

Neben diesem Lehrangebot sollen die Kinder dann auch nach und nach in die Schulgemeinschaft integriert werden. „Sie können dann beispielsweise an unserem Sportunterricht, Musik und Werken teilnehmen und die anderen Kinder dadurch besser kennenlernen“, so Schulleiterin Volpert. So oder so bleibe es „spannend“, da man – wie auch an diesem ersten Schultag – nie genau wisse, wer und wie viele Kinder wirklich kommen.

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