Seniorengerechte Wohnungen fehlen

Wie die Nachbarschaftshilfe Tuntenhausen auch in Corona-Zeiten zu den Menschen kommt

Sie stehen an der Spitze der Nachbarschaftshilfe Tuntenhausen: Stellvertretende Vorsitzende Anneliese Sonnenholzner-Roche, Einsatzleiterin Joana Voraczek, der neue Vorsitzende Marcus Straßer, der bisherige Vorsitzende Heinz Markl sowie Kassenwartin und Asylbeauftragte Maria Breuer (von links).
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Sie stehen an der Spitze der Nachbarschaftshilfe Tuntenhausen: Stellvertretende Vorsitzende Anneliese Sonnenholzner-Roche, Einsatzleiterin Joana Voraczek, der neue Vorsitzende Marcus Straßer, der bisherige Vorsitzende Heinz Markl sowie Kassenwartin und Asylbeauftragte Maria Breuer (von links).
  • Kathrin Gerlach
    vonKathrin Gerlach
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45 Familien der Gemeinde Tuntenhausen und 22 Asylbewerber werden von der Nachbarschaftshilfe betreut. Wie schwierig das in Corona-Zeiten ist, erklärt Einsatzleiterin Joana Voraczek. Ein Senioren-Taxi könnte die betagten Bürger mobiler machen. Auch seniorengerechte Wohnungen fehlen.

Tuntenhausen – 34 Helferinnen der Nachbarschaftshilfe Tuntenhausen sind ein- bis zweimal pro Woche in etwa 45 Haushalten der Gemeinde im Einsatz. Sie betreuen und begleiten betagte, teilweise auch kranke Menschen, helfen ihnen in Haushalt und Garten, stehen ihnen bei.

„Mit Beginn der Corona-Krise waren wir an sieben Tagen in der Woche – teilweise im Vollschutzanzug auf Achse“, blickt Einsatzleiterin Joana Voraczek auf anstrengende Monate zurück. Viele Menschen, die Hilfe brauchten, hätten angerufen, aber mindestens genauso viele hätten ihre Hilfe auch angeboten. „Es waren und sind noch immer schwere Wochen, aber es ist eine schöne Arbeit“, so die Einsatzleiterin. Die guten Seelen der Gemeinde Tuntenhausen springen auch ein, wenn Eltern kurzfristig eine Betreuung für ihre Kinder brauchen.

Gemeinde braucht ein Senioren-Taxi

„Selbst Versicherungen rufen inzwischen schon bei uns an, wenn Menschen nach einem Unfall Hilfe benötigen“, so Voraczek. Im Alltag der Senioren beobachte das Helfer-Teams zunehmend, dass es in der Gemeinde an Beförderungsmöglichkeiten – beispielsweise einem Senioren-Taxi – fehle.

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Seniorengerechter Wohnraum fehlt

Zudem gebe es viele ältere Menschen, die aus ihren großen gern in kleine, altersgerechte Wohnungen umziehen würden, aber im gewohnten Umfeld bleiben möchten. Beide Themen beschäftigen nicht nur die Nachbarschaftshilfe, sondern auch Bürgermeister Georg Weigl und Juliane Korn, Seniorenbeauftragte der Gemeinde. Beide wohnten der Jahreshauptversammlung der Nachbarschaftshilfe bei und kündigten an, vor allem das Senioren-Taxi oder ein alternatives Angebot erneut auf die dringliche Agenda zu setzen. „Wir müssen etwas tun, aber wir brauchen ein vernünftiges Konzept“, betonte Weigl.

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Zudem verwies er auf die Planungen für das neue Ostermünchener Ortszentrum: „Wir wünschen uns Modelle für seniorengerechten Wohnraum, Senioren-Wohngemeinschaften, betreutes Wohnen und eine Tagespflege – möglichst mit einem Pflegedienst aus der eigenen Gemeinde.“ Der Arbeit der Nachbarschaftshilfe zollte er höchsten Respekt: „Sie ist seit 24 Jahren eine besonders wichtige Organisation und ein unverzichtbarer Bestandteil für den Zusammenhalt in unserer Gemeinde.“

Marcus Strasser ist der neue Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe Tuntenhausen.

Getragen vom Ehrenamt

Getragen wird die Arbeit der Nachbarschaftshilfe von 95 Mitgliedern, unzähligen ehrenamtlichen Helfern sowie kleinen Spendern und großen Sponsoren, die im vergangenen Jahr mit mehr als 23 000 Euro so viel wie noch nie zum ehrenamtlichen Sozialdienst in der Gemeinde beisteuerten.

Heinz Markl war sechs Jahre lang Vorsitzender

Seit sechs Jahren steht Heinz Markl dem Verein vor. Er stellte jetzt das Amt des Vorsitzenden zur Verfügung, da er sich nebenbei noch vielen anderen ehrenamtlichen Aufgaben widmet. Der Nachbarschaftshilfe und seinem Nachfolger wird er auch weiterhin zur Seite stehen.

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Zum neuen Vorsitzenden wurde Marcus Straßer gewählt. Im Amt bestätigt wurden Anneliese Sonnenholzner-Roche als stellvertretende Vorsitzende und Maria Breuer als Kassenverwalterin. Als Einsatzleiterin fungiert weiterhin Joana Voraczek.

Pfarrer steht Helfern als Seelsorger bei

Diakon Josef Hilger legte den geistlichen Beistand der Nachbarschaftshilfe in die Hände von Pfarrer Richard Basta. Er versprach uneingeschränkte Hilfe, seelischen Beistand und sagte humorvoll: „Wenn Sie erschöpft sind, kommen Sie zu mir und rufen einfach Basta.“

Der neue Vorsitzende

Marcus Straßer ist der neue Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe Tuntenhausen. Er ist 33 Jahre alt und lebt mit seiner Frau und den drei Kindern in Ostermünchen. Er ist Verwaltungsbeamter im Polizeipräsidium Oberbayern Süd und seit Mai für die Liste 83104 im Tuntenhausener Gemeinderat.

„Soziale Arbeit ist mir sehr wichtig“, betonte Straßer. Er wolle dazu beitragen, die Tradition der Nachbarschaftshilfe zu erhalten. Straßer hatte sich im Wahlkampf um das Bürgermeisteramt für die Förderung generationengerechter Wohnformen, moderne Wohnkonzepte für Senioren für ein langes selbstständiges Leben, für bezahlbaren Wohnraum sowie die Schaffung von Tages- und Kurzzeitpflege-Angeboten im Gemeindegebiet eingesetzt.

Die Tuntenhausener Asylhelfer

Ein Baustein der Nachbarschaftshilfe Tuntenhausen ist auch die Asylhilfe. Maria Breuer steht ein Team von zehn bis 15 ehrenamtlichen Helfern zur Seite. „Wir betreuen derzeit 22 Asylbewerber, deren Verfahren zum Teil noch laufen. Vier der Asylbewerber, die in der Gemeinde leben, haben inzwischen deutsche Pässe erhalten“, informierte sie. Etwa 15 Asylbewerber habe die Nachbarschaftshilfe in Arbeit gebracht.

Platz für „Asylcafé“ fehlt

„Wir brauchen dringend ein Domizil für unser ,Asylcafé‘“, sagte Breuer mit Blick auf den Bürgermeister und der Hoffnung, dass sich ein geeigneter Raum finden lässt. „Die Leute verlassen kaum mehr ihre Unterkünfte – erst durch Corona und jetzt durch den Winter. Ein Asylcafé könnte helfen, dass sie wieder Kontakte haben“, so Breuer.

Bürgermeister Georg Weigl würdigte das Engagement der Asylhelfer: „Wir hatten in den vergangenen Jahren insgesamt etwa 80 Asylbewerber in der Gemeinde, zu Spitzenzeiten bis zu 35 auf einmal. Dass das kaum jemandem aufgefallen ist, war vor allem Eurem Engagement zu verdanken. Die Nachbarschaftshilfe hat das aufgefangen und die Gemeinde aktiv unterstützt.“

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