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Energiewende

Wie Bürger in Feldkirchen-Westerham und Weyarn 2639 Tonnen Kohlendioxid eingespart haben

Die PV-Anlage auf dem Dach des Kultur- und Sportzentrums in Feldkirchen erntete im vergangenen Jahr 54236 Kilowattstunden Strom. Damit wurden 34 Tonnen Kohlendioxid eingespart.
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Die PV-Anlage auf dem Dach des Kultur- und Sportzentrums in Feldkirchen erntete im vergangenen Jahr 54236 Kilowattstunden Strom. Damit wurden 34 Tonnen Kohlendioxid eingespart.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Seit Jahren ist die Energiewende in aller Munde, doch wirklich vorangekommen ist sie noch nicht. Wie sie funktionieren kann, zeigen Bürger aus Feldkirchen-Westerham und Weyarn.

Feldkirchen-Westerham – Sie hat in den vergangenen 17 Jahren etwa 1,2 Millionen Euro in Photovoltaik auf öffentlichen Dächern investiert. Mit der Ernte von 4,2 Millionen Kilowattstunden (kWh) Sonnenstrom wurden schon 2639 Tonnen Kohlendioxid gespart.

Investitionen von 129 Gesellschaftern

Gegründet wurde die Bürgersolar im Jahr 2004 mit Unterstützung der Gemeinden Feldkirchen-Westerham und Weyarn. „Unser Ziel war es, die Energiewende in unseren Gemeinden voranzubringen“, erklärt Ernst Weidl. Er ist von Anfang an dabei, einer der 129 Gesellschafter und seit drei Jahren ehrenamtlich als Geschäftsführer tätig. Die Mitstreiter der Bürgersolar – Gesellschafter genannt – investierten dafür ihr privates Geld. „Jeder kann pro Projekt maximal fünf Anteile zeichnen. Ein Anteil entspricht einem Wert von 1000 Euro“, erklärt Weidl. Finanziert wird laut Satzung ausschließlich der Bau von Photovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden. Die erste ging 2005 auf der Maschinenhalle in Feldolling ans Netz. Seitdem wurden dort 463 000 Kilowattstunden Strom erzeugt und damit 324 Tonnen CO2 eingespart. Die Anlage liefert circa 30 000 kWh pro Jahr, was in etwa dem Verbrauch von zehn Familien entspricht.

Bis 2015 investierte die Bürgersolar in weitere Projekte: drei in der Gemeinde Weyarn, sieben in Feldkirchen-Westerham. Heute erntet die GbR Sonnenstrom beispielsweise auf Wertstoffhalle, Klärwerk und Dreschflegelhalle in Feldolling, auf Gemeindehäusern von Höhenrain und Vagen, der Mittelschule in Feldkirchen sowie dem Schützen- und Trachtenheim Westerham.

Im Jahr 2015 ging das vorerst letzte Projekt ans Netz: die PV-Anlage auf dem Kultur- und Sportzentrum (KuS) in Feldkirchen mit einer installierten Leistung von 49 kWp. Ihre Bilanz ist hervorragend: „Im vergangenen Jahr haben wir damit 54 236 kWh Strom erzeugt. 81,5 Prozent, also 44 189 kWh, wurden sofort im Gebäude verbraucht, der Rest wurde ins Stromnetz eingespeist“, erläutert Weidl. Den auf dem KuS geernteten Strom verkauft die Bürgersolar an die Gemeinde: „Natürlich zu einem weitaus günstigeren Preis als er auf dem Strommarkt zu erzielen wäre“, betont Weidl.

Ernst Weidl

In Zukunft rentierten sich Anlagen nur noch mit einem Eigenverbrauch von mindestens 50 Prozent, blickt er voraus. Staatliche Förderungen gibt es nur noch in geringem Umfang. Die Einspeisevergütung ist nicht mehr lukrativ. Erhält die Bürgersolar für ihre erste Anlage im Jahr 2005 noch eine vertragliche Einspeisevergütung von 54 Cent, sank dieser Wert inzwischen auf nicht einmal mehr sieben Cent. „Da auch der Stromverkäufer für die Einspeisung noch bis zum 1. Juli die EEG-Umlage zahlen muss, minimierte sich also auch der Ertrag von Jahr zu Jahr“, erklärt Weidl. Trotzdem amortisierten sich die Einlagen der Gesellschafter nach etwa zehn Jahren.

Noch speist die Bürgersolar den größten Teil des erzeugten Stroms ins öffentliche Netz ein. Wenn die vertragliche Einspeisung von 20 Jahren abgelaufen ist – also zwischen 2025 und 2035 –, wird der Eigenverbrauch interessanter. „Natürlich würden wir den Strom dann gern an die Gemeinden verkaufen“, erklärt Weidl.

Besonders interessant wäre das am Klärwerk in Feldolling. Es braucht pro Jahr etwa 415 000 kWh Strom. Die beiden Anlagen der Bürgersolar in Feldolling erzeugen pro Jahr etwa 96 000 kWh Strom. Dieser könnte ab 2025 beziehungsweise 2027 fürs Klärwerk verwendet werden. Die Gemeindeverwaltung regte an, weitere PV-Anlagen auf dem Flachdach des benachbarten Bauhofes (circa 160 kWp) und auf der restlichen Fläche des Hallendaches des Klärwerkes (circa 40 kWp) zu installieren.

Der Bauausschuss empfahl im Januar, dafür bei der Bürgersolar nachzufragen. Diese würde das Projekt auch gern übernehmen. Schließlich hat sie sich gegründet, um die Gemeinden bei der Energiewende zu unterstützen. „Zwar haben wir von der Gemeinde eine erste Anfrage, aber für die Abgabe eines konkreten Angebotes noch immer nicht alle erforderlichen Unterlagen erhalten“, bedauert Weidl.

Eigeninitiative der Kommunen wächst

Inzwischen sind die Kommunen selbst auf den Geschmack gekommen. Innerhalb von zehn Jahren hätte sich die PV-Anlage am Klärwerk amortisiert, rechnete die Verwaltung dem Bauausschuss vor. Danach müssten nur noch die Unterhaltskosten der Anlage getragen werden. Auf Anfrage des Mangfall-Boten informierte Bürgermeister Hans Schaberl darüber, dass die Gemeinde Feldkirchen-Westerham dazu noch keine Entscheidung getroffen habe.

Die Mitglieder der Bürgersolar sind indes nicht untätig, wenn es um die Energiewende geht. „Viele interessieren sich für Windkraft und würden sich privat engagieren, sobald es in der Region konkrete Projekte gibt“, informiert Weidl.

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