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Neuer „Mantel“ für St. Peter und Paul

Große Spendenbereitschaft: Westerhamer Kirchenverwaltung saniert Turm-Außenputz

Der Sockel des Westerhamer Kirchturms besteht aus circa 1000 Jahre alten Tuffquadern der einstigen Burg „Westerheim“. Martin Atzinger und Thomas Stacheter (von links) zeigen, wie der erste Abschnitt bereits saniert wurde.
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Der Sockel des Westerhamer Kirchturms besteht aus circa 1000 Jahre alten Tuffquadern der einstigen Burg „Westerheim“. Martin Atzinger und Thomas Stacheter (von links) zeigen, wie der erste Abschnitt bereits saniert wurde.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Die Westerhamer hegen ihr Kirchlein seit mehr als 570 Jahren. Und wie schon ihre Vorfahren sanieren sie den gotischen Bau auch heute noch Stück für Stück. Jetzt ist die Außensanierung des Kirchturmes an der Reihe. Im Frühjahr sollen die Arbeiten beginnen.

Feldkirchen-Westerham – „Wenn wir ausreichend Spenden zusammenbekommen und so die finanziellen Voraussetzungen geschaffen haben, packen wir den nächsten Abschnitt an“, erklärt Kirchenpfleger Martin Atzinger.

Erster Bauabschnitt 2020 abgeschlossen

Während St. Peter und Paul für die Westerhamer ein „kraftvoller, wunderschöner Ort“ mit Ausblick ins Leitzachtal ist, steht die Filialkirche in der bayernweiten Sanierungs-Prioritätenliste etwa an 300. Stelle. „Es könnte also sehr viele Jahre dauern, ehe wir an der Reihe wären“, erklärt Atzinger. „Deshalb wurde uns von der Erzdiözese München und Freising empfohlen, die Sanierung in Einzelabschnitten selbst in die Hand zu nehmen.“

Seit 2012 laufen die Planungen für die Restaurierung. Im vergangenen Jahr erfolgten die ersten Arbeiten: „Der Turm wurde von innen saniert, zudem wurden Turm und das Dach des Kirchenschiffes statisch ertüchtigt“, erläutert der Kirchenpfleger. 77 000 Euro hat die Maßnahme gekostet. „Zwei Drittel hat die Pfarrei übernommen, 20 Prozent die Gemeinde Feldkirchen-Westerham, den Rest konnten wir aus Spenden finanzieren“, so Thomas Stacheter, stellvertretender Kirchenpfleger der Kirchenverwaltung.

Atmungsaktive, bewährte Materialien

Der nächste Schritt folgt 2022: die Außensanierung der Kirche. Um Sanierungsbedarf und Kosten einschätzen zu können, wurde ein Teil des Sockels vom Heufelder Restaurator Josef Eichler bereits untersucht und saniert. „St. Peter und Paul steht auf circa 1000 Jahre alten Tuffquadern der einstigen Burg Westerheim“, erklärt Stacheter. Das atmungsaktive Gestein muss jetzt von Zementfugen, Moos und Feuchtigkeit befreit und mit Kalkputz wieder verfugt werden. Zum Glück haben Westerhamer Bürger noch Tuffsteine übrig, sodass fehlende Steine ersetzt werden können.

Bis zu einer Höhe von 1,80 Metern ist auch der Innenputz feucht.

Danach geht es hinauf bis zur Turmzwiebel. Vor allem an der westlichen, schattigen Seite des Turms ist Feuchtigkeit in den Außenputz eingedrungen. Defekte Stellen werden mit elastischem, atmungsaktivem Putz ausgebessert. Auch die goldene Kugel auf der Turmspitze muss saniert werden, denn Aufnahmen mit einer Drohne haben gezeigt, dass sie durchlöchert ist.

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Im Frühjahr sollen die Arbeiten beginnen. „Es wäre schön, wenn wir bis zum Patrozinium am 29. Juni fertig sein könnten“, würde sich Stacheter wünschen, aber: „Ich glaube nicht, dass wir das schaffen.“ Noch sind nicht alle Angebote für den zweiten Bauabschnitt eingeholt, „doch wir rechnen mit Kosten von etwa 120 000 Euro, die wieder von Pfarrei, Gemeinde und der Kirchenverwaltung getragen werden“, erklärt Atzinger.

Die Spendenbereitschaft in Westerham ist groß. „Wir haben guten Rückhalt in den Vereinen, der Reinerlös von Veranstaltungen oder der Dorfkirta kommt der Kirchensanierung zugute. Im nächsten Jahr stehen auch wieder Benefizkonzerte an“, ist Kirchenpfleger Atzinger dankbar. Doch die Spender wissen auch eines: „Wir arbeiten ehrenamtlich eng mit Planern und Baumeistern zusammen. Und so fließt wirklich jeder gespendete Cent in die Kirchensanierung“, betont Stacheter.

In der Sakristei „blüht“ der Salpeter – eine Sanierung ist geplant.

Im dritten Bauabschnitt steht schließlich ein Mammutprojekt an: die Innensanierung. Bis zu einer Höhe von 1,80 Metern steckt die Feuchtigkeit in den Gemäuern. Der Putz muss entfernt und erneuert werden. „Dafür muss sämtliches Mobiliar ausgebaut werden: Kirchenbänke, Holzböden, Kanzel, Holzvertäfelungen und die Treppe in der Sakristei“, umreißt Atzinger den riesigen Aufwand. Zwar können ehrenamtliche Helfer Hand- und Spanndienste übernehmen, trotzdem werden die Sanierungskosten hoch sein. „Doch so weit haben wir noch gar nicht vorausgedacht“, sagt er, denn 2022 wird erst einmal der Außenputz gemacht.

Danach sammeln die Westerhamer wieder Spenden. 2024 richten die Mangfalltalter Trachtler möglicherweise das Gaufest aus. „Eine Wunschvorstellung wäre, dass bis dahin unsere Kirche außen wie innen in neuem Glanz erstrahlen kann“, so die Kirchenpfleger. Für die Jahre danach gibt es weitere Pläne, denn auch die etwa 220 Jahre alte Orgel hätte eine Restaurierung dringend nötig.

Blick in die Geschichte des Gotteshauses

Die Westerhamer Filialkirche St. Peter und Paul wurde vor 1450 gebaut, vermutlich in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Das geht aus den Recherchen der Westerhamer Historikerin Jolanda Englbrecht hervor, die im Kirchenvorraum zu finden sind. Demnach wurde im Herdstättenverzeichnis des Landgerichts Bad Aibling 1450 erstmals ein Mesner zu Westerham aufgeführt. Und, so die Schlussfolgerung: Wo ein Mesner war, bestand auch eine voll funktionstüchtige Kirche.

Feuchtigkeit ist in den Außenputz des Turmes sichtbar eingedrungen.

Das Gotteshaus selbst wurde 1524 erstmals erwähnt. Für den gotischen Bau wurden Tuffquader von der Burgruine „Westerheim“ verwendet. Aus der Zeit zwischen 1450 und 1524 stammen auch Bestandteile des heutigen Altars – die drei Figuren der Heiligen Rupert, Petrus und Paulus (1503). Auch die zwei Engel-Halbfiguren auf den Säulen und das Magdalenen-Relief an der Norwand entstanden um diese Zeit. Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Kirche eingewölbt, das Langhaus durch einen kleinen Triumphbogen vom Chor abgeteilt und der Turm erhöht. Die Fenster erhielten ihre jetzige Form. Die Kirche bekam eine Kanzel und einen Barockaltar.

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Die Orgel ist vermutlich um 1800 entstanden. Kirchenrenovierungen erfolgten 1827 und 1848. Das alte Schindeldach wurde 1895 durch ein Schieferdach ersetzt. 1902 malte der Feldkirchener Leonhard Griebl senior die Kirche aus. Er schuf auch das Deckenbild der Heiligen Familie. Aus dieser Zeit stammt auch die Täfelung im Chor. 1905 folgte die Außenrenovierung der Kirche.

1923 wurde an die Westwand eine Kriegergedächtniskapelle als Vorhalle angebaut und der Eingang dorthin verlegt. Eine Erweiterung der Kirche wurde 1927 vom Ordinariat abgelehnt. In den Jahren 1982/1983 wurde die Kirche innen und außen grundlegend saniert.

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