Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Was Unternehmen zu Lösungsvorschlägen sagen

„Wer soll das alles fahren?“: Führt der Busfahrer-Mangel zu Linienausfällen im Mangfalltal?

Claudia Hollinger, Busunternehmerin aus Bad Aibling, sieht die angestrebte Verkehrswende unter den aktuellen Bedingungen „sehr sehr kritisch“.
+
Claudia Hollinger, Busunternehmerin aus Bad Aibling, sieht die angestrebte Verkehrswende unter den aktuellen Bedingungen „sehr sehr kritisch“.
  • Nicolas Bettinger
    VonNicolas Bettinger
    schließen

In Bayern fehlen aktuell 2000 Busfahrer. Auch im Mangfalltal bleibt der Platz hinter dem Lenkrad immer häufiger leer. Doch wie geht es Busunternehmen in der Region und müssen Fahrgäste im Mangfalltal jetzt mit Ausfällen rechnen?

Mangfalltal – Der Busbranche fehlen die Fahrer. Auf den gravierenden Mangel wies zuletzt der Landesverband Bayerischer Omnibusunternehmen hin. Laut einer Umfrage würden 2000 Fahrer alleine in Bayern fehlen, 94 Prozent der Unternehmen hätten mit Personalmangel zu kämpfen. Schon jetzt könnten Kundenanfragen zum Teil nicht bedient werden.

Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (bdo) rechnet mit Blick auf die angestrebte Verkehrswende – Verdoppelung der Fahrgastzahlen im ÖPNV – sogar mit einem weitaus höheren Bedarf an Fahrern bis zum Jahr 2030. Müssen Fahrgäste in der Region nun mit Ausfällen rechnen?

“Wir müssen schlagkräftig sein“

„Der Busfahrermangel macht sich natürlich auch bei uns bemerkbar“, sagt Claudia Hollinger, Geschäftsführerin des Omnibusunternehmens Hollinger in Bad Aibling. Gerade wenn sich Fahrer in den Ruhestand verabschieden, sei es extrem schwierig, neues Personal zu finden. Früher sei das deutlich einfacher gewesen, da man etwa Fahrer gewinnen konnte, die ihren Führerschein bereits bei der Bundeswehr gemacht hatten. Heute scheitere es oftmals alleine an den immensen Kosten, die man selbst für die Qualifikation aufwenden muss.

Auch deshalb sieht Hollinger die angestrebten Ziele der Verkehrswende „sehr sehr kritisch“, zumindest unter aktuellen Voraussetzungen. „Wir können nicht noch mehr Fahrzeuge auf die Straße bringen, ohne das entsprechende Fahrpersonal zu haben.“ Eine Prognose oder gar eine Entwarnung für die kommenden Jahre könne Hollinger deshalb nicht abgeben. Aber: „Kleine Unternehmen wie wir müssen schlagkräftig sein“, sagt sie. Dazu gehöre auch, dass man in größter Not auch die Verwaltung in den Fahrbetrieb mit einbezieht. „Es kommt bei gewissen Auslastungsspitzen vor, dass ich auch selber Bus fahre“, so Hollinger.

10.000 bis 13.000 Euro für einen Busfahrer-Führerschein

Es brauche nun dringend Maßnahmen, um weitreichende Ausfälle zu verhindern, welche man bereits in einigen größeren Städten beobachte. Um der bedrohlichen Entwicklung entgegenzuwirken, schlägt der Omnibusverband Lösungen vor. Diese betreffen vor allem die Optimierung der bislang teuren und langen Busfahrer-Ausbildung, etwa durch Reduzierung der Führerschein-Pflichtstunden, unbürokratische Anerkennung ausländischer Führerscheine sowie Senkung des Mindestalters für Busfahrer.

Alles Vorschläge, die Claudia Hollinger begrüßt. Dazu sagt sie etwa: „Man spricht immer von einem vereinten Europa. Aber die Rahmenbedingungen für eine Busfahrerausbildung sind überhaupt nicht einheitlich.“ Das bestätigt auch Johann Berr, Geschäftsführer bei Berr Reisen in Bruckmühl. „Das größte Problem sind die Ausbildungskosten.“ Der Führerschein koste in Deutschland zwischen 10.000 und 13.000 Euro, in Österreich dagegen nur rund 3000 Euro. „Wer ergreift noch einen Beruf, für den er erstmal so viel investieren muss?“ Und selbst wenn der Betrieb im Rahmen der Ausbildung für die Führerscheinkosten aufkommen würde, bestehe die Gefahr, dass der Fahrer nach kurzer Zeit kündigt und man auf den Kosten sitzen bleibe, so Berr.

„Bei uns werden mit Sicherheit keine Linien ausfallen“

Trotz Auswirkungen des Fahrermangels komme sein Unternehmen mit der Problematik noch einigermaßen zurecht. „Bei uns werden mit Sicherheit keine Linien ausfallen“, gibt er Entwarnung. Dennoch habe man es auch selbst erlebt, dass man gewisse Aufträge aufgrund des Fahrermangels gar nicht annehmen konnte. „Helfen würde deshalb eine Art Kostenübernahme seitens des Staates“, sagt Berr und begrüßt die vorgeschlagenen Maßnahmen. Auch die Möglichkeit, das Mindestalter von 23 auf 18 Jahre herunter zu setzen, hält Berr für angemessen. „Man müsste dann zwar die Strecken für die jungen Fahrer, also im Linienverkehr, etwa auf 50 Kilometer beschränken, aber das würde gehen.“ Zur angestrebten Verkehrswende sagt er: „Das klingt alles schön und gut, aber wer soll das alles fahren?“

Corona und Homeschooling führten bei den Busunternehmen zu deutlich weniger Aufträgen.

Busunternehmer Herbert Prechtl aus Tuntenhausen spürt den Fahrer-Mangel indes dann am meisten, wenn Mitarbeiter im Krankenstand sind. „Uns fehlen deshalb vor allem Aushilfsfahrer“, sagt Prechtl, der hauptsächlich Schulbusse bedient. Aushilfsfahrer, die man früher etwa unter Fahrlehrern fand, suche man heute vergebens. „Das erste Mal überhaupt in meiner Karriere mussten wir einen Auftrag zurückgeben“, benennt Prechtl den Ernst der Lage.

Höhere Löhne, höhere Fahrpreise?

Auch für ihn müsste der Zugang zum Führerschein deutlich erleichtert werden. Er selbst beschäftigt einen ausländischen Mitarbeiter, der gerne den Führerschein machen würde. „Allerdings klappt das nicht, weil er die sprachlichen Voraussetzungen noch nicht erfüllt.“ Auf der anderen Seite gebe es Busfahrer, die mit ihrem Schein schon zugelassen sind, die aber kaum oder gar kein Deutsch können.

Neben weiteren Hindernissen, etwa teure Fortbildungskosten, sieht Prechtl auch ein generelles Problem. „Die Löhne für Busfahrer müssten viel höher sein.“ Um die Fahrer aber besser bezahlen zu können, müssten die Unternehmen wiederum mit den Fahrpreisen deutlich nach oben gehen. „Wenn man das dann auf die Fahrgäste abwälzen würde, dann gewinnt man natürlich nicht mehr Menschen für den ÖPNV“, so Busunternehmer Prechtl. Um diesen aber attraktiver zu machen, müsste dieser mehr öffentlich finanziert werden.

Mehr zum Thema

Kommentare