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Berufliche Klischees aufbrechen

Wenn Mädchen Maurer werden wollen - Welche Rolle der Girls´ Day in Bad Aibling spielt

Die Siebtklässlerinnen Rebecca Worf (links) und Marie Waller vom Dietrich-Bonhoeffer-Bildungscampus schnuppern in den Beruf des Maurers.
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Die Siebtklässlerinnen Rebecca Worf (links) und Marie Waller vom Dietrich-Bonhoeffer-Bildungscampus schnuppern in den Beruf des Maurers.

Am 28. April ist Girls‘Day und damit eine Gelegenheit für Mädchen, in Berufe reinzuschnuppern, die häufig von Männern dominiert werden. In Bad Aibling beteiligen sich Schulen an der Aktion. Doch was ist eigentlich mit den Jungs?

Bad Aibling – Warum sollten eigentlich nur Frauen pflegen und nur Männer Maurer sein? Um genau dieses alte geschlechtertypische Schema aufzubrechen und um faire Chancen im Erwerbsleben zu eröffnen soll der Girls’Day (auch Mädchen-Zukunftstag) durch praktische Einblicke vor allem in technische und naturwissenschaftliche Berufsbereiche den dortigen Anteil der Mädchen und Frauen stärken und fördern. Gleichzeitig findet auch der Boys‘Day statt, der Jungen ebenfalls bei der Berufsorientierung helfen soll. Im Mittelpunkt sollen individuellen Interessen und Potenziale stehen. Auch in Bad Aibling informieren sich an diesem Donnerstag zahlreiche Schülerinnen und Schüler etwa über Jobs, die größtenteils vom jeweils anderen Geschlecht dominiert werden.

Stärken, Schwächen, Berufsperspektiven

Dabei beschränken sich nicht alle Bildungseinrichtungen auf den bundesweiten Aktionstag. Als Einstieg in die Berufsorientierung nimmt derzeit etwa der Dietrich-Bonhoeffer-Bildungscampus (DBBC) am Projekt der Handwerkskammer in Rosenheim teil. Dabei machen Schülerinnen und Schüler eine „Potenzialanalyse und erhalten auf Grundlage dieser ein Feedback zu Stärken, Schwächen und möglichen Berufsperspektiven“, teilt Manuela Brinkmann, Mitglied des Leitungsteams am DBBC, auf Nachfrage des Mangfall-Boten mit.

In zwei Werkstattwochen können die Schüler dann verschiedene Berufe ausprobieren, um zu sehen, was ihnen wirklich liegt, fernab von klischeebehafteten Erwartungshaltungen. „Das Schöne: Auch Schülerinnen haben die Möglichkeit im Rahmen des ‚Girls’Day‘ in typische ‚Jungsberufe‘ reinzuschnuppern und sich dort auszutesten“, so Brinkmann. Die Schüler könnten sich verschiedene Berufe anschauen, etwa Friseur, Bürokauffrau oder Bürokaufmann, Pflege oder Maurer. „Während sich die Jungs etwa beim Frisieren ausprobieren, können die Mädchen mit Ziegelsteinen einen Stuhl mauern“, erklärt Brinkmann. Man wolle damit Klischees aufbrechen.

Aufbrechen des alten Schemas ist ein „langwieriger Prozess“

Ein ähnliches Ziel verfolgt die Wilhelm-Leibl-Realschule in Bad Aibling. „Das Thema spielt bei uns natürlich auch eine Rolle“, sagt Stephan Kausler, stellvertretender Schulleiter. Man informiere die Schüler über unterschiedliche Berufsmöglichkeiten und biete ihnen an diesem Donnerstag auch die Chance, in verschiedenen Betrieben hinter die Kulissen zu blicken. „Das wird auch angenommen, uns liegen einige Befreiungsanträge vor“, so Kausler. Ob sich die Berufsorientierung mittlerweile verändert habe, könne man schwer beurteilen. „Grundsätzlich ist das Aufbrechen dieses geschlechterspezifischen Berufsschemas schon ein sehr langwieriger Prozess“, sagt Kausler. Demnach wählten Schüler auch heute noch sehr ähnliche Berufsfelder, die festen Geschlechtergruppen zugeordnet werden.

Auch das Gymnasium Bad Aibling greift das Thema auf und will gerade Schülerinnen die Möglichkeit der freien Berufswahl mit auf den Weg geben. Schulleiter Michael Beer kann zwar keine grundsätzliche Tendenz festmachen. Einige Beispiele zeigten allerdings, dass auch Frauen Interesse an männertypischen Berufen hätten. „Ich habe beispielsweise mitbekommen, dass eine Schülerin gerne zu den Kampfschwimmern der Bundeswehr gehen will“, so Beer. Auch hätten sich etwa Mädchen für Praktika bei Audi oder BMW beworben, was sonst eher von Jungs bevorzugt wurde. Eine spezielle Schul-Aktion wird es an diesem Donnerstag im Gymnasium selbst nicht geben. Allerdings pflege man eine „IHK-Bildungspartnerschaft“ mit der Firma Eder aus Tuntenhausen. „Da werden einige Schülerinnen von uns dort sein und mal in den Beruf reinschnuppern“, so Beer.

Metallbauer oder Maschinenverkäufer?

Das Unternehmen für Landtechnik begrüßt an diesem Donnerstag und am Freitag jeweils zwölf Mädchen, hauptsächlich vom Gymnasium, aber auch von der Mittelschule in Ostermünchen. „Wir treffen uns und werden dann für jedes Mädchen eine Abteilung auslosen, vom Land- und Baumaschinenmechatroniker, über den Metallbauer für Fahrzeugtechnik, bis hin zum Maschinenverkäufer“, sagt Angela Eder, Geschäftsleiterin der Eder GmbH.

Durch die Technik und die vielen Maschinen sei man ein sehr „männerlastiger“ Betrieb. Jedoch interessierten sich immer mehr Mädchen für diese Sparten, so Eder. „Wir haben in der Zwischenzeit Herdenmangagerinnen, Metallbauerinnen, Elektrikerinnen – und da läuft es richtig gut“, sagt die Geschäftsleiterin. Auch das Ersatzteil-Lager, in dem früher nur Männer arbeiteten, sei nun zur Hälfte von Frauen besetzte und dort hersche ein „richtig gutes Klima“, sagt Eder. Bei ihrem Besuch können die Schülerinnen etwa erleben, wie man einen 140-PS-Schlepper oder einen „hochexakten Laserschneider“ bedient.

Bundesministerium: „Vielen Betrieben fehlt qualifizierter Nachwuchs“

Laut dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend entscheiden sich Mädchen, trotz guter oder sehr guter Schulabschlüsse, noch immer sehr häufig für Berufe oder Studienfächer, in denen Frauen bereits überrepräsentiert sind. „Vielen Betrieben und Hochschulen aber fehlt gerade in den technischen und techniknahen Bereichen qualifizierter Nachwuchs“, so das Ministerium. Mädchen schöpften ihre Berufsmöglichkeiten demnach nicht voll aus.

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