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„Wenn ich an die Zukunft denke, wird mir schlecht“

Aufgeheizte Stimmung beim Klima-Rat Auftakt: Wie Aiblinger Bürger das Klima retten wollen

Wollen etwas bewegen (von links): Martina Thalmayr, Irmgard Ranner Sobihard, Rolf Schneider.
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Wollen etwas bewegen (von links): Martina Thalmayr, Irmgard Ranner Sobihard, Rolf Schneider.
  • Nicolas Bettinger
    VonNicolas Bettinger
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Ursprünglich hatte die Stadtverwaltung Bad Aiblings die Bürger aufgefordert, ihre eigenen klimaschutzwirksamen Ideen einzubringen. Doch aus der Bürgerbeteiligung entstand eine Bewegung, die nun einen eigenen „Klima-Rat“ gründet hat. Was sie fordern und warum sie auch Kritik einstecken müssen.

Bad Aibling – Ganz so giftig haben sich die Organisatoren die Stimmung an diesem Abend sicher nicht vorgestellt. Im Bad Aiblinger Kurhaus hatte der erst kürzlich ins Leben gerufene Klima-Rat zu einer Auftaktveranstaltung eingeladen. Motto: „Auch in Bad Aibling wird´s heiß.“

Um sich im Bereich Klimaschutz und Energiewende wirksam engagieren zu können, hatten sich Bürger aus Bad Aibling und der Region zusammengeschlossen. Das Ziel: Viele Interessierte zu finden, die der Bewegung folgen. Und: Möglichst zeitnah soll aus der jungen Initiative ein eingetragener Verein werden.

„Wir brauchen zunächst mehr Leute“

Giftig war die Stimmung deshalb, da einige der rund 40 Besucher nicht ganz mit der Herangehensweise der Initiatoren einverstanden waren. Denn neben vielen Befürwortern waren auch Bemerkungen wie „Schwätzerei“ oder „das sind keine neuen Ideen“ aus dem Publikum zu vernehmen. Doch dem Team um Irmgard Ranner-Sobihard, Rolf Schneider, Martina Thalmayr, Thomas Beck sowie Alexandra und Jan Woköck (beide an diesem Abend verhindert) ging es zunächst um etwas anderes.

„Wir brauchen zunächst mal mehr Leute, die sich mit ihren Ideen und Kompetenzen einbringen wollen“, erklärte Irmgard Ranner-Sobihard. Sie hatte die Idee eines Rates nach einem Klimaworkshop der Stadtverwaltung im Juli angestoßen. Mitgründer Rolf Schneider beschrieb in seinem Einleitungsvortrag vorab das gesellschaftliche Dilemma.

„Es gibt viele Menschen, die sagen: habt ihr nicht andere Probleme als das Klima?‘“

„Es gibt viele Menschen, die sagen: habt ihr nicht andere Probleme als das Klima?‘“. Er verwies auf den Krieg in der Ukraine, Corona oder die Energiekrise. Laut Schneider sei dies ein normaler menschlicher Mechanismus, da die Bedrohung durch den Klimawandel für viele nicht unmittelbar erscheine und man sich nicht von negativen Nachrichten überfrachten lassen wolle.

Der Diplom Biologe machte anhand diverser Beispiele aber deutlich, dass der Klimawandel längst nicht mehr aufzuhalten sei und man nun Wege finden müsse, mit ihm zu leben.

Im Kurhaus stellte sich der Klima-Rat vor.

„Tatsache ist, dass in zehn Jahren niemand mehr in den oberbayerischen Alpen Skifahren kann“, so Schneider. Das größte Problem sei, dass der Großteil der deutschen Bevölkerung viel zu wenig über die Klimakrise und deren Auswirkungen wisse. Deshalb müsse man auch bei der Bildung ansetzen, weswegen der Klima-Rat beispielsweise mit der Vhs zusammenarbeite.

Für Bad Aibling und die umliegende Region müsse es nun über staatliche Maßnahmen hinaus Veränderungen geben. Schneider nannte etwa die Stadt Tübingen als Vorbild, die als Vorzeigestadt in puncto Klimaneutralität gelte. „Der Klima-Rat soll keine politische Geschichte sein“, erklärte Martina Thalmayr, die trotz ihres Stadtratmandats „nicht die Finger raus lassen konnte, wenn es ums Klima geht“. Und weiter: „Wir wollen Klimaschutz auf die Straße bringen.“

Besucher beim Klima-Rat: „Es kotzt mich an“

Als eine „Gruppierung, die versucht, etwas von unten anzupacken“ beschrieb Mitorganisator Thomas Beck den Klima-Rat. Die künftigen Generationen hätten es verdient, dass man nun alles in Bewegung setzte, was noch möglich sei. „Denn wenn ich an die Zukunft meiner Kinder und Enkelkinder denke, dann wird mir schlecht“, so Schneider.

Einigen Besuchern war der Ansatz jedoch zu negativ. Ihnen fehlten konkrete Konzepte. Ein Zuschauer forderte zudem, positive Ansätze in den Mittelpunkt zu stellen und nicht nur Schuldige für den Klimawandel zu suchen und die Zukunft schwarz zu malen.

„Es kotzt mich an“, sagte ein weiterer Besucher und prangerte das „Verprassen“ in der Gesellschaft an. Ohnehin sei der Konsum der größte „Klimakiller“, erklärte dazu Schneider.

Konkret soll es im Rahmen des Klima-Rates zu Themen wie Konsum, Mobilität, Umweltschutz sowie Landwirtschaft und Ernährung jeweils runde Tische geben. Dabei sollen jeweils Ideen und Konzepte erarbeitet werden, die für die Region umgesetzt werden können. Ob es dabei etwa um mehr PV-Anlagen, Lebensmitteltausch oder ein Rufbussystem geht, sei dabei noch offen. „Wir wollen die Politik unterstützen und gleichzeitig Druck auf sie ausüben“, sagte Thalmayr.

Verein soll sich noch dieses Jahr gründen

Am Ende des Abends hatten sich 18 Besucher in der Teilnehmerliste eingetragen und damit signalisiert, sich an der Vereinsarbeit beteiligen zu wollen. Noch in diesem Jahr soll eine Gründungsveranstaltung folgen, ein entsprechender Satzungsentwurf werde erarbeitet. Mit den runden Tischen wird es Anfang kommenden Jahres losgehen.

Der Klima-Rat will sich in der Kurstadt einbringen.

Und auch wenn die Stimmung, etwa aufgrund eines noch nicht ausgereiften Konzeptes, zum Teil angespannt war („wir können die Zeit nicht vertrödeln“), waren sich an diesem Abend alle einig: Es geht nun in erster Linie darum, die breite Öffentlichkeit zu mobilisieren. Entsprechende Infoveranstaltungen könnten dabei helfen. Interessierte können sich unter www.klimaratvonunten.de informieren und an die Mailadresse info@klimarat-badaibling.de wenden.

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