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Wasserwirtschaftsamt beseitigt Schwachstelle im Deich

Weniger Hochwasserrisiko am Jenbach in Bad Feilnbach

Der Jenbach im Ausbaubereich während des Hochwassers im August 2020.
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Der Jenbach im Ausbaubereich während des Hochwassers im August 2020.
  • Kathrin Gerlach
    vonKathrin Gerlach
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In den letzten Wochen hat des Wasserwirtschaftsamt Rosenheim mit seiner Flussmeisterstelle Miesbach eine Lücke im Hochwasserschutzsystem des Jenbachs geschlossen. Damit wurde das Überflutungsrisiko im Bereich der Wendelsteinstraße in Bad Feilnbach eingedämmt. Einen hundertprozentigen Schutz vor Überschwemmungen gibt es dennoch nicht.

Bad Feilnbach – Nach der Erneuerung und Erhöhung des Steinsatzes am linken Ufer des Jenbachs im Bereich der Wendelsteinstraße ist das Überflutungsrisiko für den Ortsbereich westlich des Jenbachs bis zur Osterbachmündung verringert. In den nächsten Wochen wird im gleichen Abschnitt eine schadhafte Wildbachsperre mit vorgesetzten Wasserbausteinen verstärkt.

Überflutungsfläche wurde verkleinert

„Die hydraulischen Berechnungen für das Überschwemmungsgebiet am Jenbach haben vor einigen Jahren an einer ehemaligen Furt Ausuferungen bei großen Hochwasserabflüssen aufgedeckt“, erklärt Andreas Holderer, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamtes in Rosenheim.

Auf einer Länge von 50 Metern wurden die Uferhöhen des Jenbachs angepasst.

Durch eine Anpassung der Uferhöhen auf einer Strecke von rund 50 Metern entsprechend der technischen Vorgaben für Hochwasserschutzanlagen werde die Überflutungsfläche im Siedlungsgebiet von Bad Feilnbach nun stark verkleinert, ohne dass es dabei zu einer gravierenden Verschlechterung andernorts komme.

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Der Jenbach entspringt mit mehreren Quellbächen aus dem Talkessel nordöstlich des Wendelsteins. Unterhalb einer engen Schluchtstrecke fließt der Wildbach an der Großhangrutschung Brechries vorbei. Schon früh war der Jenbach für seine großen Überflutungen und Geschiebemengen bekannt.

Schon vor rund 140 Jahren wurde deshalb hier eines der ersten Projekte in Bayern umgesetzt und mit der Wildbachverbauung begonnen. Die Ausmaße der Rutschmassen am Westhang der Farrenpoint erkannten die Experten des damaligen Geologischen Landesamtes und der Wasserwirtschaft allerdings erst 1980, als sich die Hangbewegung aktivierte und früher errichtete Schutzbauwerke zerstörte.

Brechries wird laufend beobachtet

Seit dieser Zeit wird der Hang untersucht und mit einem automatischen Messsystem laufend beobachtet. Um das immer wieder abrutschende Gesteinsmaterial und Wildholz vor dem Ortsbereich zurückzuhalten, wurde im Jahr 2010 eine neue Geschiebedosiersperre mit einem Speichervolumen von etwa 50 000 Kubikmetern errichtet. Die alten vorhandenen Wildbachsperren im Jenbachverlauf wurden in den letzten Jahren nahezu vollständig durch das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim saniert.

Anwohner der Wendelsteinstraße sehen die Ausbauarbeiten am Jenbach kritisch. Die Ufersanierung sei unnötig, die Uferverbauung mit riesigen Steinquadern übergroß, sagen sie. Antworten auf ihre Fragen gibt Andreas Holderer vom Wasserwirtschaftsamt Rosenheim im Interview.

Herr Holderer, stimmt es, dass die Hochwasserschutzmaßnahmen am Jenbach für einen Bauträger in der Wendelsteinstraße durchgeführt wurden, damit vor allem seine Häuser hochwasserfrei bleiben?

Andreas Holderer: Die Maßnahme dient dem Hochwasserschutz des gesamten westlich des Jenbachs gelegenen Dorfgebietes. Das Bauvorhaben war nicht Grund für die Planung.

Anwohner kritisieren, dass die Uferverbauung mit riesigen Steinquadern überdimensioniert ist.

Holderer: Die Ufermauer muss den technischen Vorgaben und Anforderungen für Hochwasserschutzanlagen entsprechen und den großen Fließgeschwindigkeiten des Jenbachs widerstehen können.

Bürger kritisieren auch, das der alten Sperre, die um 1880 von italienischen Spezialisten mörtellos gebaut wurde, eine neue Sperre vorgesetzt wurde. Diese soll vor 50 Jahren zur Grundwasseranreicherung erhöht worden sein.

Holderer: Zu den Ausbaumaßnahmen von vor 50 Jahren liegen uns leider keine Informationen vor. Grundsätzlich bezweifle ich aber, dass die Sperre erhöht wurde beziehungsweise dies zum Zweck der „Grundwasseranreicherung“ geschehen sein soll. Im Bereich von Schwemmablagerungen an Wildbächen ist immer mit hohen Grundwasserständen zu rechnen. Bauvorhaben sollten entsprechend angepasst errichtet werden. Uns liegen aus diesem Bereich auch keine Hinweise auf jüngere Schäden durch hohes Grundwasser vor.

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War die Ufersanierung wirklich nötig? Es heißt, dass in diesem Ortsteil weder der Jenbach noch der Mühlbach gefährlich seien.

Holderer: Der Jenbach ist nicht „ungefährlich“. Im Bereich unserer aktuellen Baumaßnahme uferte der Jenbach aus. Auch im Unterlauf gibt es ein Überschwemmungsgebiet. Einsehen kann man seine Ausbreitung online auch im BayernAtlas.

Nach Meinung von Anwohnern der Wendelsteinstraße sind die Schutzmauern überdimensioniert.

Wäre eine Bachverbauung am Brechries mit mehreren kleinen Sperren nicht wichtiger?

Holderer: Der Oberlauf des Jenbachs wurde seit Jahren mit Sperren zum Rückhalt von Geschiebe beziehungsweise zur Stabilisierung der Gewässersohle verbaut. Die Bauwerke werden regelmäßig kontrolliert und bei Schäden saniert. Eine Verbauung im Bereich des Brechries‘ wurde geprüft, ist aber aufgrund der Hangbewegungen nicht umsetzbar und sinnvoll.

Sind am Zusammenfluss von Jenbach und Kalten im Bereich des Bad Feilnbacher Campingplatzes Hochwasserschutzmaßnahmen geplant? Dort soll der Bach sehr häufig über seine Ufer treten.

Holderer: Auch nach Abschluss der Maßnahmen im Bereich Wendelsteinstraße verbleibt ab der Kreisstraßenbrücke ein Überschwemmungsgebiet. Hier ufert der Jenbach weiterhin aus. Die Reithofparkklink hat zum Beispiel deshalb einen eigenen Hochwasserschutz vorgesehen. Schutzmaßnahmen für die Wohngebiete dort und den Campingplatz werden in unserer Prioritätenliste aufgenommen, sind aber derzeit noch nicht in Planung. Nach dem Hochwasser im letzten August haben wir hier den Bachquerschnitt von Kiesablagerungen befreit.

Kann eigentlich ein kompletter Schutz vor Überschwemmungen erreicht werden?

Holderer: Technische Hochwasserschutzmaßnamen können immer nur einen Grundschutz leisten. Um Schäden durch das verbleibende Risiko bei höheren Abflüssen oder bei lokalen Starkniederschlägen zu minimieren, ist die Eigenverantwortung jedes Einzelnen gefragt. Hochwasserangepasstes Bauen, Nachrüsten von Bestandsgebäuden, verantwortungsvolle Bauleitplanung oder auch der Abschluss einer Elementarschadensversicherung sind wichtige Bausteine zur Risikoreduktion.

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