„D‘ Welt is owagfahrn auf glatte null Sacha“

Irene Ullrichhat gedichtet, um die Menschen in der Krise auch einmal wieder zum Lachen zu bringen. RE

Bruckmühl. – Lachen ist wichtig, auch und vor allem in Krisenzeiten.

Deshalb hat sich Irene Ullrich aus Götting von ihren Freundinnen ermutigen lassen und ihr Gedicht an den Mangfall-Boten gesandt: „Die Leute hätten sicher was zum Lachen, jedenfalls jene, die boarisch verstehen“, schreibt sie.

Die 71-Jährige hat für den Hausgebrauch schon immer mal gedichtet. Dieser Tage nun ging ihr die Geschichte der Heinzelmännchen durch den Kopf und schon hatte sie den Rhythmus für ihr Corona-Gedicht. Mit den Zeilen macht sich die gebürtige Bad Aiblingerin auch selbst Mut, denn eigentlich wollte sie im Mai und Juni nach Griechenland fliegen. Nun hofft sie, dass sie wenigstens im September wieder reisen darf.

Coro na rrische Zeiten

Ach, wie war es doch zudem ohne Corona so bequem!

Denn hatte man Lust, dann traf man sich – zum Wandern, Radln, Frühstücks-Stammtisch.

Man ging ins Kino, ins Konzert, zum Turnen, zur Therme – ganz unbeschwert.

Kaffeeklatsch am Nachmittag, Chorprob‘ jeden Donnerstag.

Saunabesuche, Shoppinggenuss, Tagesausflug mitm ASTL-Bus.

Frei und grenzenlos war unser Leben. Könnte es jemals Beschränkungen geben?

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Da macht über Nacht – von niemand bewacht

ein winziges Virus sich auf die Reise, bespuckt den Erdball auf übelste Weise.

Erst lachen wir drüber grad wia a Kasperl, doch jetzt haben wir den Dreck im Schachterl.

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Ois is verbotn, nix konnst mehr macha, d‘ Welt is owagfahrn auf glatte null Sacha.

Nausgeh dearfst bloß aus triftigem Grund, oiso: zur Arwat, zum Doktor, Gassi mitm Hund.

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Dass d‘Gsundheit duad ned ganz verkemma, dearfst aber a weng frische Luft aufnehma,

doch muaßt beim Spazierngeh alloanig du sei, boids d‘ doch eppan triffts: roas gschwind vorbei – in am mindestens zwoa Meter Bogen, sonst kimmt vielleicht Corona geflogen.

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I müaßat dringend zum Friseur, wo nehm i jetzt DEN Service her?

Mei Kurzhaarschnitt werd sich verwandln zu lange Zöpf mit bunte Bandln.

Da Supermarkt wenigstens ist in Funktion, die leeren Regale jedoch sind ein Hohn,

koa Mehl, koane Nudln, koane Bixn, Hauptsach da Mundschutz duad guad sitzn.

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Klopapier is bsonders begehrt, des hod zur Zeit an Goldeswert.

Hamsterkauf hoaßt der neueste Sport, drum werds diam a weng schwierig am stillen Ort,

wo man scho gern a Stückl Papier ums Oaschal umarananda führ‘.

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So iss i hoid nix ois wia an Schoklad, der legt den Darm auf Eis, na spar i ganz vui Klopapier, des eh kaum gibt, wie jeder weiß.

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Mein Urlaub hob i grad storniert, weil eh koa Fliaga nirgends hifliagt.

Nix is mit Griechenland – des duad ma weh, Du konnst des sicher guad versteh.

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Mitm Auto brauchst aa ned recht weit fahrn, da stoppt di nämli glei da Gendarm:

„Aus Oabling san Sie? schleich di! fahr hoam! Bei uns am Tegernsee hast du gar nix verlorn.

Viren hama selber grad gnua, glei kimmst in Quarantäne, for sure!“

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Jetzt hob i eine Schreibblockade, drum hör i auf mit da Dichterei, iss liaba a Pfund Nuss-Schoklade, dass i ja ned kriag d‘ Sch…… ei.

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Klopapier gibts nämli oiwei no ned. Corona-Zeit – was für a Gfrett!

Irene Ullrich

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