Breites Themenspektrum in Bürgersprechstunde von Großkaro - Grundbesitzer stellen sich quer

Weiterer Radweg in weite Ferne gerückt

Großkarolinenfeld - Ein breites Themenspektrum kam in der Großkarolinenfelder Bürgersprechstunde vor der eigentlichen Gemeinderatssitzung auf den Tisch. Von geplanten Straßenbauprojekten über die Verkehrsbelastung im Ort bis hin zum Bauland für Einheimische reichte die Fragenpalette der Zuhörer, wobei Bürgermeister Bernd Fessler bereitwillig Rede und Antwort stand.

"Die Stadt Bad Aibling denkt über eine Nordumgehung nach und in welche Richtung denkt man in Karo?", wollte eine Anliegerin der Rosenheimer Straße von Bürgermeister Fessler wissen. Fessler gab zu bedenken, dass eine Nordtangente in Kombination mit der Westtangente in der Rosenheimer und der Aiblinger Straße tendenziell zu einem höheren Verkehrsaufkommen führen werde. Eine Südumgehung sei in Großkarolinenfeld angedacht. Aber diese würde Vor- und Nachteile mit sich bringen. Nach Fesslers Ansicht wären die Südanlieger sicherlich "nicht begeistert von der verstärkten Beschallung".

Ruf nach elektronischem Zeigefinger

"Grundsätzlich bin ich kein Verfechter von zusätzlichen Straßenbaumaßnahmen, die von den nachfolgenden Generationen erhalten werden müssen", betonte der Rathauschef. Eher sollte man den Anliegern der bestehenden Trasse, wie etwa in der Rosenheimer Straße, Lärmschutzmaßnahmen ermöglichen.

Aber derzeit gebe es noch keine Beschlüsse in diese Richtung. Die Bitte der Anliegerin, den elektronischen Zeigefinger häufiger in der Rosenheimer Straße aufzustellen, nahm Fessler gerne ins Protokoll auf. Da die Gemeinde ohnehin vorhabe, einen zweiten Zeigefinger anzuschaffen, könne die Aufstellung künftig flexibler gehandhabt werden. Die zunehmenden Überschwemmungen bei starken Regenfällen vor den Garagen beklagte eine Anwohnerin des Birkenweges in Großkaro. Der Gemeinderat sei sich bewusst darüber, dass die technischen Anforderungen des Kanalsystems in diesem Bereich über kurz oder lang auf den neuesten Stand gebracht werden müssten. "Aber rund 90 Prozent der Kosten hierfür müssen dann die Anwohner tragen, weshalb von den Betroffenen hierfür wenig Anregungen kommen", sagte Fessler.

ÖPNV-Beauftragte Ingrid Wittner gab dem Gremium in der Bürgersprechstunde verschiedenste Anregungen für künftige Sitzungen mit auf den Weg. So schlug sie vor, in der Gemeinde eine Hunde-Anleinpflicht für Vierbeiner ab einer bestimmten Größe zu erheben. Außerdem würden Autofahrer die Tempo-30-Zonen nicht beachten und die Geschwindigkeitsbeschränkungen nicht einhalten. "Das subjektive Tempo-Empfinden ist häufig anders wie die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit", meinte der Bürgermeister. Er verwies darauf, dass der Gemeinderat vor Kurzem im Verwaltungsausschuss einstimmig den Beitritt zur kommunalen Verkehrsüberwachung abgelehnt habe.

Kaufkraft im Ort soll unbedingt gestärkt werden

Vehement plädierte Wittner dafür, dass sich Großkaro im Rahmen der Regionalplanung mehr Gewicht verschaffen müsse: "Wir haben derzeit keinen Drogeriemarkt mehr im Ort. Und wenn das Nahversorgungszentrum in Westerndorf St. Peter wirklich gebaut wird, dann wird weitere Kaufkraft aus der Gemeinde abfließen." Diese Thematik ist dem Großkarolinenfelder Gemeinderat durchaus bewusst. Fessler erzählte von Gesprächen mit den SUR-Gemeinden (Stadt- und Umlandgemeinden Rosenheim): "Hier habe ich unsere Bedenken in Bezug auf das geplante Nahversorgungszentrum angemeldet, aber bin nicht auf fruchtbaren Boden gestoßen." Um die Kaufkraft im Ort zu stärken, habe der Rat vor Kurzem die Erweiterung der beiden Märkte Edeka und Netto positiv beschieden (wir berichteten).

Den weiteren Ausbau des Radlweges von Krabichl in Richtung Großkarolinenfeld entlang der Kreisstraße wünschte sich ein anderer Bürger. Doch aufgrund von "äußerst ernüchternden und frustrierenden Gesprächen im Hinblick auf den Grunderwerb mit den Anwohnern vor Ort" sei dieser Radweg in weite Ferne gerückt. Dabei sei der Grundstückspreis noch nicht einmal Thema gewesen, wie Fessler berichtete: "Es war eine destruktive Diskussion und deshalb werde ich von meiner Seite aus das Thema sicher nicht mehr weiter verfolgen."

Wie die beiden Tattenhausener Gemeinderäte Sepp Lausch (fraktionslos) und Leonhard Krichbaumer (CSU) zum Thema "Einheimischengrund" stehen, fragte ein Tattenhausener. Krichbaumer führte an, dass die Gemeinde derzeit wenig Grundstücke zur Hand habe, um Bauland für Einheimische zu vergeben. Außerdem würden dringendere Aufgaben für das Gemeinwohl anstehen.

Dazu Krichbaumer: "Ich sehe unsere finanziellen Schwierigkeiten und Schulden. Beim Einheimischenmodell würden nur wenige Bürger etwas bekommen und der Rest der Einwohner nichts." Ebenso sah Sepp Lausch die Situation: "Bevor wir Einheimischenbauland ausweisen, müssen wir erst unser Kanal- und Regenwassersystem regeln, um Schritt für Schritt unsere Aufgaben abzuarbeiten." dli

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