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Weihnachtsgrüße aus Bruckmühl: Grafiker Amadeus Bachmayr gestaltet Karten für Unicef

Der Grafiker Amadeus Bachmayr kreiert seine Motive mit dem Bleistift und coloriert sie am Computer.
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Der Grafiker Amadeus Bachmayr kreiert seine Motive mit dem Bleistift und coloriert sie am Computer.
  • Kathrin Gerlach
    vonKathrin Gerlach
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Weihnachtskarten von Unicef sind etwas ganz Besonderes. Sie bringen in diesen Tagen nicht nur persönliche Wünsche zu lieben Menschen, sondern helfen zugleich bedürftigen Kindern auf der ganzen Welt. Der Bruckmühler Amadeus Bachmayr gehört zu den Grafikern, die diese Grußkarten gestalten.

Bruckmühl – Und auch in diesem Jahr stammen aus der Feder des Bruckmühlers wieder zwei Grußkarten-Sets des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen. Eigentlich sollte der Grafiker „mit 70 Jahren schon gar nicht mehr arbeiten“, wie er selbst sagt. Doch Kreativität kennt keinen Ruhestand, sie sucht sich in jedem Alter ihre Ausdrucksformen.

Amadeus Bachmayr wurde die Gabe, sich künstlerisch auszudrücken, schon in die Wiege gelegt. 1949 als zweiter Sohn des Salzburger Restaurators und Künstlers Anton Bachmayr (1904 bis 1993) geboren, umgibt ihn Kunst, seitdem er denken kann. Im Atelierhaus in St. Jakob am Thurn wächst er auf – inmitten der Leidenschaften seiner Eltern: den Rohrfederzeichnungen, Aquarellen, Temperamalereien und Freskenbildern des Vaters sowie den herrlich alten Büchern in der Familien-Bibliothek der Mutter. Und so ist es nicht verwunderlich, dass beide Söhne eine künstlerische Laufbahn einschlagen, der knapp fünf Jahre ältere Bruder Andreas Bühnenbild und Amadeus selbst Textiltechnik und Textildesign studieren.

Er kann auch Pop Art: Großflächige Arbeiten entstehen in der künstlerischen Bearbeitung von Fotos.

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„Damals war es noch ein duales Studium, bei dem ich nicht nur das Handwerk der Hand- und Maschinenweberei oder des Druckens, sondern auch das Zeichnen lernte“, erinnert sich Bachmayr. Beste Voraussetzungen also, um in der Textilbranche Fuß zu fassen. So kommt Bachmayr mit 21 Jahren nach Bruckmühl, gestaltet in der „Wolldecke“ Farbkollektionen und Muster für Decken, Oberbekleidung und Nadelfilzböden.

Berufsleben startet in der „Wolldecke“

„Das ist eine unheimlich spannende Arbeit“, schwärmt er noch heute und holt eine alte, abgegriffene Mustermappe aus seiner Bibliothek, blättert darin und erklärt: „Aus nur vier Farben haben wir unzählige Muster und Farbtöne meliert.“

1980 – drei Jahre bevor die Wolldeckenfabrik für immer ihre Pforten schließt – wagt er den Schritt in die Selbstständigkeit. „Ich habe meinen Mercedes Pagode verkauft und mir so den Start finanziert“, erzählt er lachend. Er entwirft Decken, fährt mit seiner Ente - einem betagten Citroën 2CV – zu den Herstellern, um ihnen an die 200 verschiedene Farben und Muster zu präsentieren. Und er ist erfolgreich.

Später kreiert er auch Grußkarten. „Der Bedarf war sehr groß, ich habe bis zu 600 Motive pro Jahr entworfen, insgesamt bis heute vielleicht an die 13 000.“ Dabei ist jeder Entwurf ein Unikat, denn „ähneln sollten sich die Motive auf keinen Fall, das wäre schlecht“.

Die Kreativität nimmt ihren Lauf

Auch Illustrationen von Kinder- und Lehrbüchern kommen hinzu. Und so merkt Amadeus Bachmayr gar nicht, wie er 70 Jahre alt wird und eigentlich längst seinen Ruhestand genießen könnte. Er lacht, denkt gar nicht ans Aufhören, denn die Kreativität nimmt ihren Lauf. „Es ist wie bei einem Domino: Ich gehe in der Früh in mein Atelier und überlege mir, was ich heute mache“, beschreibt er. Und schon springt der Bleistift übers Papier. Danach zeichnet er den Reinentwurf mit Filzstift auf Transparentpapier. Am Computer coloriert er seine Motive schließlich. Nicht etwa mit der Maus. „Nein, das wäre tödlich“, sagt er. Die Endfassung seiner Motive entsteht mit einem Zeichentablet. „Früher habe ich viel gemalt und geklebt. Seit den 90er Jahren arbeite ich mit Photoshop, das ist noch viel spannender“, ist er begeistert.

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Bachmayr ist vielseitig, liebt filigrane Ornamentik genauso wie humorvolle Motive. Mit Feder und Aquarell nähert er sich der künstlerischen Sprache seines Vaters an. Seine Radierungen druckt er auf der eigenen mechanischen Druckmaschine. Er liebt die Fotografie, betrachtet und verändert seine Fotos künstlerisch. So entstehen auch großflächige Werke, Bilder in Pop Art.

Geboren in Lienz in Osttirol und aufgewachsen in St. Jakob im Salzburger Land hat Bachmayr in Bruckmühl seine Wahlheimat gefunden. „Ich liebe die Berge, die hier im Voralpenland mehr Raum zum Atmen lassen und nicht so einengen wie im Salzburger Land“, beschreibt er sein Lebensgefühl.

Geburt der Tochter lässt ihn umdenken

Seine Frau Semra und ihre gemeinsame Tochter lassen Bachmayr mit knapp 50 Jahren noch einmal umdenken. „Früher habe ich mich nie um die Umwelt geschert“, gibt er zu. Doch dann wird Ela-Selin geboren und ihm wird klar, „welche Riesenkatastrophe wir unseren Kindern, Enkeln und Urenkeln hinterlassen“. Seitdem engagiert er sich als Grüner in der Kommunalpolitik.

Bachmayr ist ein visueller Mensch. „Mir stechen Farben und Formen ins Auge, ich sehe die Kunst im Alltag und leite daraus Motive ab“, beschreibt er seine Sicht auf die Dinge. Das Gen des Künstlers, das ab 1904 mit seinem Vater Anton erstmals Ausdruck fand, hat Amadeus Bachmayr vor 20 Jahren an seine Tochter weitergegeben. Sie studiert Mode und Designmanagement in München. Und so gibt es auch 116 Jahre später eine dritte Generation Künstler in der Linie der Bachmayrs.

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