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Vom Aussterben bedrohte Vögel schützen

Mission geglückt: Warum nun wieder Kiebitze auf den Wiesen von Weihenlinden brüten

Katharina Schlegl-Kofler und Dr. Jochen Seydel kümmern sich um die brütenden Kiebitze. Ein Elektrozaun wurde um das etwa 30 mal 30 Meter große „Brutareal“ errichtet, der aus Akkus gespeist wird.
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Katharina Schlegl-Kofler und Dr. Jochen Seydel kümmern sich um die brütenden Kiebitze. Ein Elektrozaun wurde um das etwa 30 mal 30 Meter große „Brutareal“ errichtet, der aus Akkus gespeist wird.
  • VonJohann Baumann
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In der Marktgemeinde Bruckmühl wurden elf erwachsene Kiebitze gezählt. Jeder von ihnen ist ein Erfolg für die Naturschützer, denn der Vogel ist vom Aussterben bedroht. Was Landwirte und ehrenamtliche Kiebitz-Betreuer dafür tun, dass die Population wieder wächst.

Bruckmühl – Der Kiebitz, eine Vogelart aus der Familie der Regenpfeifer, war früher häufig zu sehen. Inzwischen ist er aus vielen Landschaften verschwunden. Vor allem die Entwässerung und der Verlust von Feuchtwiesen machen der Art schwer zu schaffen. „Der Kiebitz hat in Bayern in der Roten Liste den Status ,stark gefährdet‘. Die Zahl der brütenden Kiebitze ist in Deutschland seit Anfang der 1990er-Jahren um 75 Prozent gesunken“, berichtet Katharina Schlegl-Kofler.

Sie ist für das BayernNetzNatur-Projekt „Netzwerke für den Kiebitz“ ehrenamtlich tätig. Zusammen mit Dr. Jochen Seydel betreut sie die im Raum Bruckmühl brütenden Kiebitz-Paare.

Jetzt ist Brutzeit der Wiesenbrüter

Die etwa taubengroßen Kiebitze kommen jedes Jahr zurück aus dem Mittelmeerraum. Die Hauptbrutzeit der scheuen Vögel ist jetzt – im April und Mai. Der Mangfall-Bote hat die beiden Vogel-Experten auf einem Kontrollgang auf den Wiesen nördlich von Weihenlinden begleitet.

Als Erstes fällt ein farbiges Hinweisschild mit der Überschrift „Achtung Bodenbrüter“ ins Auge. Darauf werden Hundebesitzer auf die scheuen Gäste aufmerksam gemacht. Die damit verbundenen Bitten: In diesem Bereich die Hunde an der kurzen Leine führen, sich ruhig verhalten, nicht lärmen und auf den befestigten Wegen bleiben.

„Mensch und Hund sind eine Beunruhigung, die die Vögel stresst“, erläutert Schlegl-Kofler: „Sie können mit den Küken ja nicht einfach wegfliegen.“ Neben den Hunden sind auch Fuchs und Dachs natürliche Feinde der Wiesenbrüter.

Bruterfolg und Population erhöhen

„Wenn wir ein brütendes Paar entdecken, wird das Areal um ihr Nest herum deshalb mit je zwei gekreuzten Stöcken markiert und auf einer Größe von etwa 30 mal 30 Metern mit einem Elektrozaun gegen Fressfeinde gesichert“, schildert Dr. Jochen Seydel. Damit werde versucht, den Bruterfolg und so die Population wieder zu erhöhen.

Vier beigefarben bis braun gefleckte Eier werden vom weiblichen Kiebitz in etwa fünf Tagen gelegt und mit der spitzen Seite nach innen „drapiert“, damit sie nicht wegrollen. Beide Altvögel bebrüten die Eier 26 bis 29 Tage lang, bis die Küken schlüpfen. Während dieser Zeit wird das Nest von den Eltern vehement gegen Räuber verteidigt. Dies erfolgt beispielsweise durch Verteidigungsrufe und steile Abwehr-Flugkurven.

Die Küken sind Nestflüchter und verlassen das Nest bereits wenige Stunden nach dem Schlupf. Nach weiteren 35 bis 40 Tagen werden sie flügge. In dieser Zeit machen sie sich zusammen mit ihren Eltern „zu Fuß“ auf Nahrungssuche. Dabei helfen auch die Landwirte mit: So hat Georg Auer beispielsweise in unmittelbarer Nestnähe schon einen Streifen des Grases abgemäht, damit die Kiebitzfamilie nach dem Schlüpfen gut auf den nächsten Acker laufen kann.

„In den ersten zehn Tagen nach dem Schlüpfen darf der Boden nicht zu trocken sein, da die Küken mit ihren noch zarten Schnäbeln nicht in den harten Boden eindringen können“, erklärt Schlegl-Kofler. Letztes Jahr hat Georg Auer deshalb während einer Trockenperiode einen Randstreifen im Acker gewässert. Die Zusammenarbeit mit den Landwirten sei „vorbildlich“, so die beiden Vogelschützer.

So sieht ein fast flügge gewordener Jungvogel aus.

Landwirte und Betreuer hüten Vögel

Beim Besuch der „Brutwiese“ fliegt das gerade brütende Kiebitz-Elternteil auf. Schlegl-Kofler bedeckt das Gelege mit einem Tuch, damit es nicht auskühlt. Währenddessen kontrolliert Seydel den Akku der Einzäunung und kürzt das Gras zur Schonung des Akkus.

Katharina Schlegl-Kofler rupft indessen das Gras um den Nestbereich aus, damit das Nest nicht zu hoch umwachsen ist, denn: „Der Kiebitz braucht den Überblick rund um seinen Nistplatz“, erklärt sie. Während der menschlichen „Servicearbeiten“ kreist der Kiebitz immer wieder in angemessener Entfernung über den Köpfen der Betreuer und will damit wohl signalisieren: „Es wird jetzt Zeit, dass ihr wieder von meinem Gelege verschwindet.“

Kurz nach der Brutkontrolle taucht in der Nähe des Nestbereichs ein Hundehalter mit freilaufenden Hunden auf. Trotz der Beschilderung. Doch vielleicht braucht es eben noch ein wenig mehr Aufklärung, um alle dafür zu sensibilisieren, dass in der Region vom Aussterben bedrohte Tiere ihre Schutzbereiche haben.

Das Kiebitz-Gelege besteht üblicherweise aus vier Eiern.

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