Wegen Corona-Pandemie auf der Wartebank: Kein Fußball, keine Bratwurst, kein Bier

Das blieb vom Fußball übrig:Den Sportteil der Heimatzeitung lesen. Stache

Jedes Wochenende ein Fußballspiel „zelebrieren“, alle 14 Tage zusammen mit Gleichgesinnten in die Allianzarena fahren und sein Team anfeuern – seit Jahrzehnten Usus beim FC Bayern Fanclub Mietraching. Aber seit Corona ist das passé.

Bad Aibling

Es waren gewohnte Rituale bei jedem Heimspiel. Vor dem Gasthaus Kriechbaumer in Mietraching (und seit Kurzem vor dem Bräustüberl in Maxlrain) traf man sich, plauderte und freute sich auf das Spiel. Zwei volle Omnibusse fuhren immer nach München. Im Bus wurde dann entweder fachgesimpelt oder sich mit Freunden darüber unterhalten, was in der vergangenen Woche so passiert ist. Und so wie man sich gemeinsam auf das Spiel freute, so verarbeitete man nach dem Spiel bei der Heimfahrt auch das Ergebnis.

Virus stellt alles auf den Kopf

Nicht in den kühnsten Träumen dachte jemand der Fans daran, dass dies einmal nicht mehr der Fall sein sollte. „Fußball ist unser Leben“ – dieser Song der deutschen Nationalmannschaft wurde von den Mietrachinger Fans (und nicht nur diesen) im wahrsten Sinne des Wortes „gelebt“. Das kleine Virus Corona stellte dann aber alles auf den Kopf und zwar binnen kürzester Zeit.

Noch zum Heimspiel gegen den FC Augsburg am 8. März, das der FC Bayern mit 2:0 gewann, fuhr man frohen Mutes nach München, sang und feierte. Corona schien weit weg. Dass schon zehn Tage später das Champions Leaguespiel gegen den FC Chelsea gestoppt wurde, war für viele kaum zu glauben.

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Vorsitzender Robert Neff freute sich noch riesig auf das Auswärtsspiel bei Union Berlin am 14. März. „Endlich komme ich in die ,Alte Försterei‘“, frohlockte er, der schon alle berühmten Stadien in Europa besucht hat. Die Berliner Kultstätte fehlte ihm noch. Alles war vorbereitet, geplant. Bis eben Corona kam.

Und nun heißt es warten, lange warten wohl. Wie es aussieht bis ins kommende Jahr hinein. „Unser Vereinsleben ist voll am Boden“, sagt der gesellige Voritzende. Die Jahreshauptversammlung musste verschoben werden, die Saisonabschlussfeier, die schon fest geplant war, ebenfalls. Auch „gemeinsames“ Public Viewing ist verboten.

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Ruhig ist es derzeit auch bei Udo Wittmann, dem zweiten Vorsitzenden und dem maßgeblichen Eintrittskartenorganisator. „Wir hängen in der Luft, da alle Spiele bislang nur verlegt sind“, meint er. Vereinzelt habe man aber trotzdem Probleme mit Fans, die Karten geordert haben und das Geld zurückwollen.

Keine Rückvergütung veranlasst

Wittmann: „Wir orientieren uns hier am FC Bayern München.“ Dieser betont, dass die Karten bei einer Spielverlegung Gültigkeit behalten und deshalb derzeit noch keine Rückvergütung veranlasst ist. Auch für Wittmann ist es eine trostlose Zeit. „Nicht mal lesen kann man was Gescheites über Fußball“, meinte der Aiblinger Fan, der auch mit seinen Karten für die Fußball-Europameisterschaft in der Luft hängt: „Hier wissen wir ja nicht einmal, ob die Spiele überhaupt noch in München stattfinden.“ Trotz aller Traurigkeit weiß man aber auch, dass die Gesundheit nun einmal vorgeht.

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Auch Sepp Rauscher, seit den 1980er-Jahren mit an Bord, war von der Berlinfahrt nach Köpenick betroffen, er hatte zwei Stehplatzkarten. „Heuer werden wir wohl nicht mehr in die Arena kommen“, meinte der Auer Gemeinderat realistisch. Für ihn ist der Samstagnachmittag ohne Bundesligakonferenz um 15.30 Uhr im Radio besonders tragisch. Statt zu jubeln oder zu bangen heißt es nun Stallarbeit auf seinem Bauernhof zu machen. Das kompensierte bisher seine Familie. „Da kann ich jetzt Pluspunkte für einige Auswärtsfahrten der Zukunft machen“, denkt Rauscher schon wieder positiv an bessere Fußballzeiten.

Fernsehen ist nicht alles

Die Höhepunkte der vergangenen Jahre, mit denen das Fernsehen jetzt aufwartet, will er aber nicht anschauen. Er denkt wie die meisten anderen Fans: Alte Kamellen!

„Ich möchte den Spielausgang nicht schon vorher wissen“, sagt auch Johann Huber, den alle nur Postler nennen. „Diese Saison ist kaputt“, meint er. Fürwahr: Keine Gemeinschaft, kein Fußballspiel, keine Bratwurst und kein Bier. Aber angesichts der Umstände, angesichts der vielen Kranken und Toten, wird die Situation von allen hingenommen. Zurzeit ist eben Fußball „nicht“ unser Leben. Aber jeder der Bayernfans aus Bad Aibling und Umgebung hofft inständig, dass das eines Tages wieder der Fall sein wird. Und wenn es erst 2021 wäre.

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