Auch neuer Termin auf der Wunschliste

Was sich Aiblinger vom Wochenmarkt wünschen: Frische Ware, am liebsten regional und bio

So sieht die Rangliste der befragten Aiblinger Bürger hinsichtlich des neuen Wochenmarktes aus.  Klinger
+
So sieht die Rangliste der befragten Aiblinger Bürger hinsichtlich des neuen Wochenmarktes aus. Klinger

Die Wünsche der Bad Aiblinger sind den Machern des neuen Wochenmarktes Befehl. Vor allem regionale und Bio-Lebensmittel sollen – möglichst am Wochenende – angeboten werden. Doch auch viele weitere Details spielen eine Rolle, wie Marketing Experte Thomas Egger verrät.

Bad Aibling – Fair gehandelte Produkte, möglichst aus der Region und in Bioqualität – und das alles am liebsten am Freitagnachmittag oder (noch lieber) am Samstagvormittag statt wie bisher am Donnerstag – das haben die Teilnehmer an der Umfrage zum neuen Bad Aiblinger Wochenmarkt ganz oben auf ihre Prioritätenliste gesetzt. Die bei der Befragung erhobenen Daten und Erkenntnisse erläuterte Thomas Egger (Egger & Partner Standortentwicklung-Standortmanagement) in der jüngsten Stadtratssitzung.

Das Linzer Unternehmen, das sich das Stadtmarketing für sein Innenstadt-Projekt mit ins Boot geholt hat, hat bereits rund 500 Städte und Regionen in Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz betreut und insgesamt rund 200 Wochen- oder Themenmärkte aufgebaut und konzipiert. Die Erfahrung der Experten: „Wochenmärkte sind wichtig für die Frequenz, Kaufkraftbindung und Attraktivität in Innenstädten. Zudem haben sie sich auch als sehr ,coronaresistent‘ erwiesen.“

Insgesamt 307 „Interviews“

An der Befragung online und per Flyer haben in Bad Aibling 307 Personen teilgenommen, was in etwa vier Prozent der Haushalte entspricht. Mit der Rückmeldung zeigte sich Egger hochzufrieden, zumal 96 Prozent sich für das Vorhaben aussprachen. Nur drei Prozent gaben an, dass ihnen der bestehende Bauernmarkt und die Wochenmärkte in der Umgebung sowie Ab-Hof-Verkaufsstellen genügten.

„Auf keinen Fall den Bauernmarkt gefährden“

An diesem Punkt hakten allerdings gleich mehrere Stadträte ein, die betonten, das neue Angebot dürfe in keinem Fall mit dem Bauernmarkt an der Asam-Mühle, der freitags stattfindet, konkurrieren oder diesen gefährden. „Das wollen wir keinesfalls“, versicherte Egger. Denn der Wochenmarkt stehe nicht für sich allein, sondern soll die Innenstadt mit ihren bestehenden Angeboten bereichern. Er und Birklein sind sich sicher, dass sich alles miteinander vereinbaren lässt: „Wir wollen alle Interessenten und Anbieter von Anfang an mit einbinden.“

Lesen Sie auch:

Jetzt sind Bad Aiblings Bürger gefragt: Wie soll der neue Wochenmarkt aussehen?

Egger sieht die „Konkurrenz“ ohnehin nicht in der Stadt, sondern in den Märkten der umliegenden Kommunen. Von daher gehe es darum, gemeinsam und durch die Abstimmung der einzelnen Angebote so einzigartig produktspezifisch wie nur möglich zu werden, um auch Kunden von außerhalb nach Bad Aibling zu ziehen.

„Rund 40 Prozent der Haushalte der Stadt und des nahen Einzugsbereichs kaufen zumindest einmal pro Monat beim Wochenmarkt ein“, so seine Erfahrungen. Kunden würden im Schnitt 25 bis 30 Euro auf dem Markt ausgeben und etwa das Doppelte in den umliegenden Betrieben. „Keine Event-Agentur der Welt kann mit diesem geringen Organisations- und Kostenaufwand 50 frequenzstarke Veranstaltungen im Jahr durchführen“, betonte er.

Das könnte Sie auch interessieren:

Jetzt auch amtlich: Bad Aiblinger Christkindlmarkt ist abgesagt

Eine Projektgruppe mit Vertretern von Stadt, Stadtmarketing und Agentur wird nun Kontakt zu möglichen Standbetreibern aufnehmen, die das gewünschte Angebot liefern können. Wenn möglich, möchte man im Frühjahr 2021 an den Start gehen.

Damit der Markt attraktiv für sie ist, wollen die Befragten vor allem Gemüse und Obst (vorrangig in Bio-Qualität), Käsespezialitäten, Eier, Kräuter, Honig, Blumen, Pflanzen und Samen. Außerdem oben auf der Wunschliste: Gewürze, Biofleisch, Brot/Backwaren, Imbisse, Speisen und Getränke.

Wichtig bis sehr wichtig sind den Befragten dabei auch Fair-Trade-Produkte und das besondere Einkaufserlebnis. Interessant: Günstige Preise waren für viele weniger bis gar nicht wichtig, ebenso wie „Leute sehen und Bekannte treffen“ oder ein Süßspeisenangebot.

Einmal pro Woche auf den Markt

72 Prozent gaben an, den Markt wöchentlich besuchen zu wollen, 24 Prozent alle zwei bis drei Wochen, drei Prozent monatlich und ein Prozent alle zwei bis drei Monate. 47 Prozent würden auch gerne Speisen und Getränke vor Ort essen oder mit nach Hause nehmen. Saisonale Schwerpunkte, ein Tag der Käsespezialitäten oder Bioprodukte, ein Bayerischer Schmankerltag und ähnliches fänden ebenfalls Anklang.

„Hohes Niveau bei der Kaufkraft“

Der starke Wunsch der Bad Aiblinger nach Bio-Produkten ragt laut Egger aus den üblichen Erfahrungswerten heraus. „Das dürfte an dem Kaufkraftniveau in der Stadt liegen.“ Der Trend zu regionalen Produkten sei bei Wochenmärkten indes von Haus aus schon da, werde aber nun in Corona-Zeiten noch einmal gestärkt.

Fünf Fragen an Alexandra Birklein

Frau Birklein, welches sind die wichtigsten Erkenntnisse, die Sie aus der Bürgerbefragung mitnehmen?

Alexandra Birklein: Vor allem, dass wir wohl den Wochentag wechseln werden. Donnerstag scheint nicht der ideale Tag zu sein. Interessant könnte dann die Idee einer Kooperation mit dem Bauernmarkt sein.

Die Sorge im Stadtrat ist, dass der Wochenmarkt zu einer Konkurrenz für den Bauernmarkt werden könnte.

Alexandra Birklein: Erstens wollen wir das auf keinen Fall und zweitens denke ich, dass sich beide Märkte nichts nehmen, sondern sich eher gut ergänzen könnten. Ein großer Markttag, der sich vom Marienplatz bis zur Asam-Mühle erstreckt, könnte für Bad Aibling sehr attraktiv sein, wenn man für ein abwechslungsreiches Sortiment sorgt, das aufeinander abgestimmt ist. Von daher würde ich auf das Pferd „Marktstadt Bad Aibling“ setzen.

Haben schon Gespräche mit den Bauernmarkt-Anbietern stattgefunden?

Alexandra Birklein: Nein, wir bilden jetzt gerade die Projektgruppe, die den Wochenmarkt konzipiert und die Gespräche mit Fieranten und Ausstellern aufnimmt. Da werden wir auf den Bauernmarkt genauso zugehen wie auf Bewerber, die bereits in der Vergangenheit angefragt haben, und auf Neue.

Und Sie werden dabei auch die Wünsche der Befragten nach Regionalität und Bioqualität berücksichtigen?

Alexandra Birklein

Alexandra Birklein: In jedem Fall wird das Regionale den Vorzug bekommen. Bei Wochenmärkten melden sich wegen der regelmäßigen Anfahrt ohnehin kaum Leute von weiter her. Und was „Bio“ angeht, das hat heute ohnehin fast jeder mit im Angebot.

Immer wieder flackert in der öffentlichen Diskussion auch der Wunsch nach einer Belebung des Maximiliansplatzes auf. Er liegt zwar nicht unmittelbar in der Innenstadt, aber ist dort auch eine Art Marktgeschehen vorstellbar?

Alexandra Birklein: Der Platz liegt natürlich schon etwas entfernt vom Zentrum. Wir sind ja gerade dabei, anstelle des abgesagten Christkindlmarktes für die Innenstadt ein weihnachtliches Angebot auszuarbeiten. Da denken wir daran, etwa am Marienplatz, in der Kirchzeile, in der Rosenheimer Straße, am Pfleuderer Eck oder in der Bahnhofstraße jeweils zwei Stände aufzustellen. Wenn wir genügend Mitwirkende hätten, könnte man schon überlegen, den Maximiliansplatz miteinzubeziehen. Aber er hat nicht oberste Priorität.

Kommentare