Aus fünf Abenden wurden fünf Jahre

Was mir am Herzen liegt – Bruckmühler treffen sich zur „Herzenssprechstunde“

Mit dem Herzenskoffer fing die Herzenssprechstunde von Rotraud Röhl vor fünf Jahren an.
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Mit dem Herzenskoffer fing die Herzenssprechstunde von Rotraud Röhl vor fünf Jahren an.
  • vonKathrin Gerlach
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An einem gebrochenen Herzen muss in Bruckmühl keiner leiden. Hier gibt es eine „Herzenssprechstunde“, in der sich Menschen über Themen austauschen, die ihnen am Herzen liegen. Ins Leben gerufen wurde sie von Rotraud Röhl und Diakon Friedrich Wiesinger als kulturelles Bildungsangebot.

Bruckmühl – Eigentlich sollte der Gesprächskreis an fünf Abenden stattfinden. Nun sind daraus fünf Jahre geworden. Doch das ist auch kein Wunder, denn der Gesprächsbedarf ist groß.

Gewonnene Freizeit mit Inhalten füllen

Es sind vor allem die „Bestagers“, die sich hier treffen. Menschen jenseits der 60, die einen Teil der neu gewonnenen freien Zeit mit Inhalten füllen wollen. Ihre Kinder haben längst eigene Familien gegründet, die verantwortungsvolle Elternzeit und das stressige Berufsleben liegen hinter ihnen. Zeit also, sich neuen Lebensthemen zu widmen. Raum zum Nachdenken. Doch auch ein Lebensabschnitt, in dem Menschen vereinsamen könnten.

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Damit das nicht passiert, wollte Rotraud Röhl mit der „Herzenssprechstunde“ soziale Kontakte knüpfen. Und so sind ganz neue Beziehungen entstanden: „Wir freuen uns, wenn wir uns sehen, auch wenn wir uns selten unter der Zeit begegnen“, sagt sie. Und doch sind die Treffen intensiv, gehen in die Tiefe, berühren die Herzen.

Ein Koffer voller Herzen

Mit einem Herzenskoffer hat die 69-Jährige den Gesprächskreis vor fünf Jahren eröffnet. „Er ist voller unterschiedlicher Herzen, symbolisiert die Vielfalt der Menschen und der Themen, die ihnen am Herzen liegen oder ihr Herz erfreuen“, erklärt die Beraterin für Altersfragen. Und so begibt sie sich einmal im Monat mit sechs bis zwölf Bruckmühlern auf Spurensuche – in die Welt der Sinne, der Musik, Märchen, Worte, Erinnerungen, Werte oder Wünsche. Thematisiert wird, was der Gruppe am Herzen liegt.

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„Und so führen wir sehr spannende Gespräche – beispielsweise über unsere Kindheitserinnerungen, Träume, Freunde, über Vorurteile, Einsamkeit oder Geduld“, nennt Röhl nur wenige der vielen Bereiche der vergangenen Jahre. Jedes Mal ist ein anderer an der Reihe, sein Lieblingsthema vorzustellen und mit einer kurzen Einführung die Gruppe zum Gespräch zu inspirieren.

Sorgen von der Seele reden

Inzwischen ist die Herzenssprechstunde weitaus mehr als eine Einladung zum Gespräch, denn abhängig vom Thema ist sie nicht nur bildend, sondern ein wenig auch Biografiearbeit, Psychotherapie, Philosophie, Geschichtsexkurs, „literarisches Quartett“ oder Alltagscheck. Und so reden sich die Bruckmühler alles von der Seele, was sie unausgesprochen möglicherweise unbewusst belasten oder ihnen gar das „Herzen brechen“ könnte. Sie werden gemeinsam älter, schauen sich die guten und weniger bequemen Seiten des „Älterwerdens“ an.

Dass die „Herzenssprechstunde“ in den fünf Jahren zu einem wichtigen Bestandteil ihres Lebens geworden ist, hat das Corona-Jahr fühlbar gemacht. Jetzt endlich darf es weitergehen.

Morgen trifft sich die Gruppe wieder

„Im Gemeindesaal der Johanneskirche ist ausreichend Platz, um Abstand zu halten und einander doch nahe zu sein“, lädt Rotraud Röhl ein, am morgigen Mittwoch die Herzenssprechstunde zu besuchen. Sie beginnt um 9.30 Uhr und dauert etwa zwei Stunden. Neben den alteingesessenen Mitgliedern sind jederzeit auch neue Gesprächspartner willkommen. „Wir freuen uns über Menschen jeden Alters, Geschlechts, jeder Weltanschauung oder Herkunft. Hauptsache sie sind interessiert und offen“, sagt die Initiatorin des Gesprächskreises.

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