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3,8 Millionen Euro für „Ostermünchener Mitte“

Warum verkauft Tuntenhausen ein riesiges Grundstück zum Schnäppchenpreis?

Ein neues Ortszentrum soll an dieser Stelle schon in vier Jahren den 1500-Seelen-Ort Ostermünchen beleben.
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Ein neues Ortszentrum soll an dieser Stelle schon in vier Jahren den 1500-Seelen-Ort Ostermünchen beleben.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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In Ostermünchen ist ein riesiges Grundstück für vergleichsweise wenig Geld zu haben. Nur 3,8 Millionen Euro verlangt die Gemeinde Tuntenhausen dafür. Doch was steckt dahinter?

Tuntenhausen – Die neue Ostermünchener Mitte ist auf den Weg gebracht: Der Gemeinderat hat das Konzept für das 10 000 Quadratmeter große Grundstück einstimmig verabschiedet. Jetzt können sich Investoren bewerben. Im August wird entschieden, wer den Zuschlag bekommt. Schon in vier Jahren sollen Dorfladen, Apotheke, Allgemein- und Zahnarzt, Tagespflege und betreutes Wohnen ans Netz gehen.

Das Projekt „Ostermüchener Mitte“ wird jetzt ausgeschrieben. Bis zum 14. April können sich Investoren bewerben, die die 10.000 Quadratmeter große Fläche für 3,8 Millionen Euro erwerben und nach den Wünschen der Gemeinde gestalten wollen.

Preisvorteil vor allem für künftige Mieter

Die Gemeinde verkauft das Grundstück für einen Festpreis von 3,8 Millionen Euro und damit 55 Prozent (4,6 Millionen Euro) unter dem tatsächlichen Verkehrswert. „Für diesen Preisvorteil muss der Investor liefern“, betonte Bürgermeister Georg Weigl in der Gemeinderatssitzung.

In den vergangenen drei Jahren wurde intensiv am Konzept für die neue Ostermünchener Mitte gearbeitet – erst in einem Arbeitskreis, dann im Gemeinderat mit fachlicher Begleitung durch den Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München. So wurden die Rahmenbedingungen erarbeitet, die der Investor erfüllen muss. Der Bürgermeister stellte sie in der Ratssitzung noch einmal vor, an der zahlreiche interessierte Bürger teilnahmen.

Bau erfolgt in zwei Teilbereichen

Die neue Ortsmitte zwischen Fritz-Schäffer-Straße, Niedergartenweg, Schulzentrum und Dahlienweg wird in zwei Teilbereichen gebaut. Der Teilbereich A mit einem Dorfplatz als Treffpunkt soll schon 2026 fertig sein. Hier entstehen in einem dreistöckigen Gebäude (A1 auf der Karte) Räume für Dorfladen, Apotheke, Allgemein- und Zahnarzt sowie eine Tagespflege. „Der Verkaufspreis für die gewerblichen Einheiten muss um 25 Prozent günstiger gestaltet werden. Hier gibt der Investor den Preisvorteil beim Erwerb des Grundstückes anteilig weiter“, erläuterte Weigl. Die Mieten in diesem Bereich werden für sechs Jahre auf acht Euro pro Quadratmeter festgeschrieben.

Gemeinschaftsraum für alle Bürger

Das zweite Gebäude (A2) ist für ambulant betreutes Wohnen gedacht. „Wir wollen hier auch einen Pflegestützpunkt ansiedeln, der nicht nur das betreute Wohnen begleitet, sondern von Ostermünchen auch die ambulante Pflege in unserer Gemeinde steuert“, so der Bürgermeister. Zudem sind ein Sozialbüro für Beratungen beispielsweise von Nachbarschaftshilfe oder VdK und eine Mobilitätszentrale vorgesehen. Entstehen soll auch ein etwa 50 Quadratmeter großer Gemeinschaftsraum für alle Bürger.

Der Teilbereich B ist fürs Wohnen vorgesehen. Das gesamte Areal soll zugleich eine grüne Oase werden. Beispielsweise entsteht ein neuer Fuß- und Radweg entlang der Fritz-Schäffer-Straße mit einer Baumallee. Öffentliche Grünflächen und private Gärten sollen sich ergänzen sich. Ein grüner Hof und ein Spielplatz sind als Treffpunkte für alle Ostermünchener vorgesehen.

Der Investor muss auch ein Nahwärmekonzept entwickeln, um das gesamte neue Quartier zu versorgen und eventuell auch andere Liegenschaften anzuschließen.

Zudem soll ein Mobilitätskonzept umgesetzt werden, zu dem 165 Stellplätze für Fahrräder, Ladestationen für E-Bikes und eine Car-Sharing-Station gehören. „So können die künftigen Mieter auf ein Auto pro Familie verzichten“, erklärte Weigl das Konzept. Die Ostermünchener Mitte ist gut an den öffentlichen Nahverkehr mit Bus und Bahn angebunden. Zu Fuß wären die künftigen Bewohner des neuen Quartiers in 15 Minuten am Bahnhof. Die Bahn fährt im Stundentakt nach Rosenheim oder München.

Der Konzeptkatalog sei von einem Juristen und von der Kommunalaufsicht des Landratsamtes geprüft und für gut befunden worden, informierte Georg Weigl. Mit einem einstimmigen Votum und ohne weitere Diskussion brachte der Gemeinderat die Konzeptausschreibung auf den Weg.

„Wir haben alle viel Zeit und Ideen in diese Planungen gesteckt. Ich freue mich, dass wir die Ostermünchener Mitte nun auf den Weg bringen können,“ sagte der Bürgermeister.

Entscheidung fällt am 11. August

Er steckte auch den zeitlichen Rahmen ab: „Am 25. Februar wird unser Konzeptkatalog auf der Homepage der Gemeinde veröffentlicht“, kündigte er an. Bis 14. April können Interessenten ihre Kurzbewerbungen einsenden, in denen sie auch nachweisen müssen, dass sie in der Lage dazu sind, ein solches Projekt zu stemmen. Bis 25. April erfolgt die Auswahl von sieben Favoriten. Ab dem 4. Mai erhalten die Bewerber die Ausschreibungsunterlagen. Bis zum 7. Juli können sie ihre Konzepte in der Gemeinde einreichen. „Dabei müssen sie sich an den von uns vorgegebenen Rahmen halten, können aber gestalterisch Einfluss nehmen“, so Weigl.

Am 27. Juli soll eine Jury die anonymisierten Konzepte bewerten und den besten Entwurf auswählen. Der Jury gehören fünf Gemeinderäte, der Bürgermeister, drei berufene Bürger aus dem Ostermünchener Arbeitskreis, Architekten, Landschaftsarchitekten, ein Unternehmensberater und ein Fachmann für Seniorenbetreuung an.

Alle Konzepte sollen ab dem 28. Juli auch in der Schulturnhalle Ostermünchen ausgestellt werden. „Die Jury macht einen Vorschlag. Die finale Vergabe des Projektes erfolgt am 11. August durch den Gemeinderat“, erläuterte Weigl. Erst danach kann das Bauleitplanverfahren beginnen. Der Bürgermeister rechnet damit, dass frühestens 2024 Baurecht besteht und der erste Spatenstich erfolgen kann.

Der Kaufvertrag mit dem Investor wird erst abgeschlossen, wenn der Bauantrag eingereicht werden kann. Der Festpreis in Höhe von 45 Prozent des Verkehrswertes wird dann noch einmal aktualisiert. Ende 2026 soll der Bereich A seiner Bestimmung übergeben werden, 2028 der Bereich B.

50 Wohnungen für Einheimische entstehen

Im Teilbereich B (siehe Karte) entstehen etwa 50 Wohnungen in einem Mix aus Ein- bis Fünf-Raum-Appartements. „Zehn Prozent davon werden als geförderte Mietwohnungen Menschen mit Wohnberechtigungsschein angeboten“, so Weigl.

Weitere 45 Prozent der Wohnungen – also voraussichtlich 23 – werden an Bürger der Gemeinde zu einem vergünstigten Verkaufspreis vergeben. Dabei wird wieder der Preisnachlass für das Grundstück anteilig an Berechtigte des „Tuntenhausener Modells“ weitergegeben. „25 Prozent Abschlag ist ein Pfund“, betonte Bürgermeister Weigl. Die restlichen 45 Prozent der Wohnungen (22) darf der Investor auf dem freien Markt verkaufen. „Allerdings muss Bürgern unserer Gemeinde eine vierwöchige Reservierungsfrist eingeräumt werden“, machte der Bürgermeister klar.

Unter beiden Baugebieten entstehen Tiefgaragen mit 89 Stellplätzen, weitere 39 oberirdische Pkw-Stellplätze sind für Besucher vorgesehen. Die bestehende Zufahrt von der Staatsstraße über den Niedergartenweg ins Ortszentrum bleibt erhalten. Sie soll künftig aufgrund der geringen Straßenbreite zur Einbahnstraße werden. Zudem ist bis etwa zur Höhe des alten Schulhauses ein verkehrsberuhigter Bereich vorgesehen. Die Zufahrt zum neuen Wohngebiet erfolgt über die Staatsstraße. Eine Zusage des Staatlichen Bauamtes liegt nach Informa tionen des Bürgermeisters bereits vor.

Arbeitskreis „Dorfladen“ kann nun aktiv werden

Nach der Vergabe des Projektes „Ostermünchener Mitte“ können ab September auch die Vorbereitungen für den geplante Dorfladen in die heiße Phase gehen. Im Oktober 2019 fand dazu die erste Informationsveranstaltung mit Unternehmensberater Wolfgang Gröll statt. Er stand deutschlandweit schon bei der Gründung von etwa 160 Bürgerläden Pate. 2019 schrieben sich schon die ersten 60 Ostermünchener in die Liste für den Arbeitskreis „Bürgerladen Ostermünchen“ ein.

Mindestens 42 bis 50 Wohnungen entstehen in der neuen Ostermünchener Mitte im Teilbereich B, der 2028 fertig sein soll.

Im Juni 2020 hatte die Gemeindeverwaltung in einer Umfrage auch den konkreten Bedarf ermittelt. Ein Fragebogen war an 1117 Ostermünchener Haushalte gesandt worden. 409 Familien – das sind etwa 37 Prozent – füllten ihn aus. 388 Haushalte versicherten, dass sie im Dorfladen einkaufen würden und zwar mindestens ein- bis zweimal pro Woche.

Der Arbeitskreis muss nun auch darüber beraten, ob der Dorfladen ein Bürgerladen werden soll, an dem sich die Bürger mit ihrem Kapital ähnlich wie an einer Genossenschaft beteiligen. Sie müssten sich dafür in einer Unternehmergesellschaft (UG) zusammenschließen. Die Mindesteinlage würde von der Gemeinschaft beschlossen.

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