Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


OVB-Serie „Landwirtschaft im Wandel“

Warum Landwirt Josef Westner aus Tuntenhausen ein Fan von Biogas ist

Landwirt Josef Westner hat viel in seine Anlage investiert und denkt, dass es das wert war.
+
Landwirt Josef Westner hat viel in seine Anlage investiert und denkt, dass es das wert war.
  • Alexandra Schöne
    VonAlexandra Schöne
    schließen

Rosenheim – Seit drei Jahren läuft die Biogasanlage von Josef Westner aus Tuntenhausen. Er betreibt sie fast ausschließlich mit Gülle, nicht mit Mais. Für die 14. Folge der Serie „Landwirtschaft im Wandel“ haben wir mit hm darüber gesprochen, ob Biogas Zukunft hat – und was daran unethisch ist.

Herr Westner, warum haben Biogasanlagen einen schlechten Ruf?

Josef Westner: Viele verbinden Biogas mit Mais und Monokulturen. Sie lehnen den Mais ab. Aber wenn ein Windrad gebaut werden soll, wollen die Leute das auch nicht. Und jetzt liegt Elektromobilität im Trend. Aber die Leute wissen gar nicht, wie viel Strom man dafür braucht. Wo soll der herkommen?

Mais spielt bei Ihnen keine große Rolle.

Westner : Für unsere Anlage bauen wir keinen zusätzlichen Mais an. Wir kaufen ihn von Betrieben gleich in der nächsten Ortschaft. Bei uns gilt die 80/20-Regelung. Das bedeutet: Mindestens 80 Prozent Gülle und Mist und 20 Prozent Mais oder sonstige Futtermittel wie Gras. Daraus wird Strom produziert.

Lesen Sie auch: Unsere Themenseite für die Landwirtschaftsserie

Wie viel schafft Ihre Anlage?

Westner: Wir haben eine Kleinanlage und erzeugen 75 Kilowatt Strom pro Stunde. Das ist gedeckelt, wir dürfen gar nicht mehr produzieren – von der staatlichen Vergütung her. Im Jahr erzeugen wir 650 000 Kilowatt. Ein Durchschnittshaushalt mit zwei bis drei Personen braucht zwischen 3000 und 4000 Kilowatt im Jahr, sagt man. Das sind also zwischen 150 und 200 Haushalte, die wir mit Strom versorgen. Mit dem Kühlwasser des Motors der Anlage heizen wir vier Häuser in unserem Dorf.

Wie viele Kühe benötigt man, um das zu schaffen?

Westner : Ein Betrieb mit 20 bis 30 Kühen braucht nicht anfangen, weil es da nicht genügend Gülle gibt. Wir haben 85 Kühe und in der Nachzucht noch einmal 80 Tiere. Recht viel weniger geht nicht. Bei uns ist es schon knapp.

Das könnte Sie auch interessieren: Von Stillstand keine Spur: Maschinen in der Rosenheimer Landwirtschaft werden immer moderner

Warum fahren Sie die Anlage nicht einfach mit Mais?

Westner : Weil wir gar nicht die Flächen für den Anbau haben. Von der Vergütung her sind mittlerweile nur noch Gülleanlagen interessant. Und die Gülle ist ja da. So eine Anlage ist dann eine zusätzliche Einkommenssicherung. Ich habe immer überlegt: Was könnten wir noch machen? Die Milchwirtschaft ist recht unberechenbar, die Preise schwanken immer. Beim Gas weiß ich, was ich verdiene. Und ich finde, das gehört irgendwie dazu: Aus den Reststoffen der Kuh noch einmal etwas zu machen. Es ist nicht zu unterschätzen, was man aus Gülle alles machen kann.

Das ist aber nicht ganz billig.

Westner : Zwischen 600 000 und 700 000 Euro kostet so eine Anlage. Jetzt haben wir noch die Vergütung vom Staat. Es ist aber ziemlich sicher, dass sie nach 20 Jahren Laufzeit nicht mehr ausgezahlt wird.

Und dann?

Westner: Die Frage ist, was die Politik will. Ich hoffe, dass viele weitermachen. Da steckt viel Potenzial drin. So eine Anlage passt in den Kreislauf eines Betriebs. Außerdem läuft sie rund um die Uhr. Das ist was anderes als bei einer Photovoltaikanlage, die nur Strom erzeugt, wenn die Sonne scheint.

Auch für Sie: Rosenheimer Landwirte wollen vom Wert ihrer Erzeugnisse leben – nicht von EU-Subventionen

Bei allen positiven Aspekten: Sie verbrennen in Ihrer Anlage Futter für Tiere. Viele halten das für unethisch.

Westner : Ich hatte am Anfang auch Bedenken, frischen Mais zu verwenden. Aber die Gülle-Mais-Mischung fahren wir wieder auf die Felder raus und düngen damit, nachdem daraus Biogas produziert wurde. Die Maisfasern sind noch enthalten. Das trägt dann wieder zum Humusaufbau bei.

Warum verwenden Sie nicht mehr Gras bei der Produktion?

Westner: Mais hat viel mehr Energie als Gras. Ich würde mehr Gras verwenden, kann ich aber nicht. Sonst komme ich auf mehr als 20 Prozent Futterstoffe. Man braucht mehr Gras, um auf denselben Energiegehalt wie bei Mais zu kommen.

Es heißt auch, dass Biogasanlagen enormes Risikopotenzial haben – falls klimaschädliches Methangas austritt beispielsweise.

Westner: Wenn mehr Gas produziert würde, als der Motor absaugen kann, haben wir eine Gasfackel. Sollte Gas austreten, wird es verbrannt und gelangt nicht in die Umwelt. Und wenn Güllesubstrat aus der Anlage austritt, haben wir ein Auffangbecken. Das ist Vorschrift.

Mehr zum Thema

Kommentare