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„GleisGeisterei“ feiert Premiere

Warum die Bruckmühler Theaterer die Zeit zurückdrehen

Das schlitzohrige Landstreicher-Duo (von links) Schranken-Susi (Miri Hinreiner) und Weichen-Wastl (Tommy Ultsch) wird vom Standl-Hans (Michael Heß) gerade beim Bierstehlen ertappt, beobachtet von Ursl Summwiesler (Laura Höger).
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Das schlitzohrige Landstreicher-Duo (von links) Schranken-Susi (Miri Hinreiner) und Weichen-Wastl (Tommy Ultsch) wird vom Standl-Hans (Michael Heß) gerade beim Bierstehlen ertappt, beobachtet von Ursl Summwiesler (Laura Höger).
  • VonJohann Baumann
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Nach zwei Jahren Corona-Pandemie möchte keiner die Zeit zurückdrehen. Die Bruckmühler Theaterer haben es trotzdem gemacht und jagen in ihrer „GleisGeisterei“ einer verpassten Liebe nach.

Bruckmühl – Auf dem Spielplan steht die ländliche Komödie in drei Akten „GleisGeisterei“ von Ralph Wallner als Freilichtaufführung. Dazu wurde neben dem sonstigen Spielort – der Göttinger Mehrzweckhalle – ein Bahnhofsszenario aufgebaut.

Es handelt sich um den verwaisten Bahnhaltepunkt von Niederhinterbergkirchentalhausen, der seit seiner vor drei Jahren erfolgten Auflösung vor sich hindämmert. Ein Rest von Bahnhofsleben existiert lediglich durch den noch immer vom Standl-Hans (Michael Heß) betriebenen Kiosk.

Italiener mit einer besonderen Gabe

Seine chronische Bedrücktheit hängt auch mit den Geschehnissen um die seinerzeitige Stilllegung zusammen. Gelegentlich taucht am Kiok das schlitzohrige Landstreicher-Duo Schranken-Susi (Miri Hinreiner) und Weichen-Wastl (Tommy Ultsch) auf und regelmäßig kommt Brunhilde Bremsbichler (Claudia Mehringer) vorbei, die den Standl-Hans mit ihren selbst gebackenen Auszogenen beliefert.

Eine weitere Kiosk-Lieferantin ist die Bienenbäuerin Ursl Summwiesler (Laura Höger) mit ihrem Honig. Auch das ziemlich verwirrte Radieserl-Reserl (Gitti Ott) kommt immer wieder mit dem Reisekoffer vorbei. Sie möchte in der Stadt ihren nach einem unerfreulichen Vorfall von daheim ausgezogenen Sohn besuchen und will nicht wahrhaben, dass kein Zug mehr hält.

Eines Nachts erscheint der geheimnisvolle Giacomo da Capo (Wast Ott). Der charmante Italiener mit Miesbacher Wurzeln und selbst ernannte Nachfahre des legendären Frauenhelden Casanova findet schnell den Grund für den Missmut vom Standl-Hans heraus: Dieser hat vor drei Jahren verpasst, sein Herz in beide Hände zu nehmen und seiner großen Liebe Mona (Monika Vogele) seine wahren Gefühle einzugestehen. Sie ist damals stattdessen die Frau des Bürgermeisters Fritz Flitzmeier (Stefan Schöffegger) geworden. Durch Zufall erkennt Hans, welch übersinnliche Fähigkeiten der Fremde besitzt: Er kann die Zeit zurückdrehen.

Die Zeit zurückdrehen möchte der (von rechts) Standl-Hans und versucht deshalb, Giacomo da Capo (Wast Ott) zu überreden, seine besondere Gabe einzusetzen.

Mit einem Trick zwingt er ihn, einen Zeitsprung rückwärts um drei Jahre zu vollziehen mit dem Ziel, seine damalige Unentschlossenheit auszumerzen. Der „chronologische Salto rückwärts“ gelingt tatsächlich und wirbelt nicht nur das Schicksal von Hans, sondern auch das einiger anderer Personen gehörig durcheinander. Die spannenden Einzelheiten dazu mit heiteren, aber auch nachdenklichen „zwischenmenschlichen Momenten“ sollen aber mit Rücksicht auf die noch folgenden Aufführungen an dieser Stelle nicht verraten werden.

Dem rundum überzeugenden Ensemble des Theaters Bruckmühl – ausnahmslos typengerecht und authentisch besetzt – merkte man die große Spielfreude nach der „pandemischen Zwangspause“ an. Souffleuse Katie Hörbrand war in ihrer „Erste-Hilfe-Funktion für Textunfälle“ fast durchgehend inaktiv. Das Regie-Duo sorgte für ein flottes Bühnengeschehen und „stattete“ das vergnügliche moderne Märchenstück mit kreativen Einfällen aus.

Hervorzuheben ist ferner das stimmig-nüchterne und der verwaisten Bahnhofsatmosphäre rund um das „Gleis 1“ entsprechende Bühnenbild. Das Publikum in der Göttinger Freilicht-Arena spendete wiederholten Szenenapplaus und einen intensiven Schlussbeifall.

Parallel zur spannenden Bühnenhandlung gab es eine zusätzliche, reale „Echtzeit-Spannung“ durch den Wettergott. Gingen doch schon zu Beginn der Vorstellung bange Blicke gen Himmel, der im weiteren Verlauf von Donner und Blitz durchzogen wurde. Als kurz nach Beginn des zweiten Aktes kräftige Regentropfen fielen, wurde die Aufführung für eine knappe halbe Stunde unterbrochen.

Vier Aufführungen stehen noch bevor

Der zunächst noch vorhandene leichte Nieselregen verebbte jedoch glücklicherweise vollends. Dass die Bühnenakteure an der zuvor abgebrochenen Stelle die Handlung fortsetzen mussten, meisterten sie nahtlos und bravourös – schließlich waren sie ja mit dem Zurückdrehen der Uhr vertraut.

Die „GleisGeisterei“ wird noch viermal, jeweils um 20 Uhr, aufgeführt und zwar am Freitag, 29. Juli und Samstag, 30. Juli sowie am Freitag 5. August und Samstag, 6. August.

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