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Auswertung des Unwetters beginnt

War das schon der Supergau oder kann am Irschenberg eine noch größere Sturzflut kommen?

Woher kam die Sturzflut? Diese Frage haben sich auch betroffene Anwohner gestellt und im Wald oberhalb des Hainerbachs die Spuren des Wasser dokumentiert.
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Woher kam die Sturzflut? Diese Frage haben sich auch betroffene Anwohner gestellt und im Wald oberhalb des Hainerbachs die Spuren des Wasser dokumentiert.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Wasserwirtschaftsamt Rosenheim und Marktgemeinde Bruckmühl analysieren die Sturzflut vom Irschenberg. Am Mittwoch hat die Aufarbeitung des Unwetters begonnen. Bürgermeister Richard Richter versichert, dass die Marktgemeinde für den Schutz der Menschen von der Vagener Au bis nach Oberstaudhausen sorgen wird.

Bruckmühl – Als sich am 26. Juli, ab 19.30 Uhr, ein gewaltiges Unwetter über Bruckmühl ergoss, ahnte noch keiner, dass und wo es zur Katastrophe kommen würde. Keine 40 Minuten später traten die Wildbäche am Irschenberg über ihre Ufer, ergoss sich das Wasser aus dem Wald über die Felder, rollte eine Sturzflut auf einer Länge von etwa sechs Kilometern über alle Ortschaften am Fuße des Irschenbergs – von Vagen bis Oberstaudhausen.

Keine Schnellschüsse, nachhaltige Lösungen

Gestern haben Wasserwirtschaftsamt (WWA) Rosenheim und Marktgemeinde Bruckmühl damit begonnen, den Ursachen der Sturzflut auf den Grund zu gehen. Sie tragen gemeinsam Verantwortung für die Unterhaltung der Wildbäche – an ihren Oberläufen das WWA, im Bruckmühler Gebiet die Marktgemeinde.

„Im Bereich von Vagen bis Götting gibt es etwa 600 Bauwerke im Irschenberger Hang“, erklärt Andreas Holderer vom Wasserwirtschaftsamt. Die seien schon vor vielen Jahren aufgebaut worden, zwar immer noch in einem guten Zustand, aber eben nicht für klassische HQ-100-Ereignisse ausgelegt. Auch die Kiesfänge an Hainerbach und Kropfbach würden regelmäßig geleert.

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„Deshalb müssen wir jetzt auf das Gesamtsystem schauen, untersuchen, wie es zu dieser Sturzflut kam, und genau erkunden, woher das Wasser kam, wohin es geflossen ist und wo in diesem Bereich die Problemstellen sind.“

Von kurzfristigen Lösungen wie provisorischen Dämmen oder Erhöhungen der Uferböschungen rät der Experte ab: „Damit könnte man möglicherweise neue Probleme schaffen.“ Diese Sturzflut müsse vernünftig aufgearbeitet werden. „Schnellschüsse helfen uns nicht. Wir brauchen nachhaltige Lösungen.“

Die erste Erkenntnis aus der Unwetterlage sei, „dass es in kurzer Zeit so viele Niederschläge gab, dass die Querschnitte der Wildbäche, die vom Irschenberg ins Tal fließen, nicht ausgereicht haben“, so Holderer und ergänzt: „Die Geschiebemenge war meiner Ansicht nach nicht ausschlaggebend für die Überflutung. Aber all diese Aspekte müssen wir genau untersuchen.“

Der Kiesfang am Hainerbach ist voll. Er wird in dieser Woche vom Wasserwirtschaftsamt beräumt.

Hochwasserschutzkonzept wird erarbeitet

Nach dem verheerenden Unwetter in Simbach im Jahr 2016 seien Sturzfluten in den Fokus gerückt, informiert Holderer. Seit 2018 gebe es ein Förderprogramm des Freistaates, das Kommunen dabei hilft, derartige Unwetterereignisse von Ingenieurbüros untersuchen zu lassen. „Das werden wir auf alle Fälle tun, ganz egal, ob wir Fördermittel erhalten oder nicht“, betont Bürgermeister Richard Richter.

„Wir wurden mit einem außergewöhnlichen Ereignis konfrontiert, hätten mit einer solchen Dimension niemals gerechnet. Jetzt müssen wir das Unwetter analysieren und Antworten auf die Frage finden, ob das schon der Supergau war oder noch mehr kommen könnte.“

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Diese Sturzflut habe deutlich gemacht, dass im Bereich der Irschenberger Leithen und ihrer Wildbäche Schutzmaßnahmen erforderlich sind. Richter versichert: „Wir werden für den Schutz der Menschen von der Vagener Au bis nach Oberstaudhausen Geld in die Hand nehmen. Wenn es erforderlich ist, stellen wir dafür andere Investitionen zurück.“

Der Bürgermeister hat in den vergangenen Tagen mit vielen Betroffenen und Einsatzkräften gesprochen. „Ihre Beobachtungen der Flutwelle werden in eine Hochwasserkonzeption für diesen Bereich mit einfließen.“

Zugleich versichert er, dass die Marktgemeinde die Unterhaltung der Gewässer dritter Ordnung sehr genau nehme und in den letzten Jahren ausgeweitet habe.

Unterhaltung der Bäche neu betrachten

„Wir haben die Mittel dafür von 30.000 auf 200.000 Euro pro Jahr aufgestockt. Es wird viel gemacht – immer im Spagat zwischen Naturschutz und Hochwasserschutz. Die Ufer werden regelmäßig gemäht, die Bäche geräumt. Wenn wir Oberlauf Probleme erkannt haben, wurden diese umgehend an die Flussmeister gemeldet.“

Trotzdem sei es am Hainerbach wieder zu Verklausungen gekommen. Was angeschwemmt wurde, woher das Material kam, wo es Schwachstellen gibt und welche Konsequenzen das für den künftigen Unterhalt der Bäche haben werde, müsse nun gemeinsam mit den Experten vom Wasserwirtschaftsamt analysiert werden. In der kommenden Woche werden die Beratungen vor Ort fortgesetzt.

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