Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Goldene Hochzeit in Bad Feilnbach

Vor 50 Jahren wurden selbstständige Kommunen Au und Dettendorf eingemeindet

Die ehemals selbstständige Gemeinde Au bei Bad Aibling wurde am 1. Januar 1972 Teil der Gemeinde Feilnbach. Deren Erhebung zum „Bad“ erfolgte im Herbst 1973.
+
Die ehemals selbstständige Gemeinde Au bei Bad Aibling wurde am 1. Januar 1972 Teil der Gemeinde Feilnbach. Deren Erhebung zum „Bad“ erfolgte im Herbst 1973.
  • VonJosef Mayr
    schließen

Vor 50 Jahren haben sich die beiden bis dahin selbstständigen Gemeinden Au bei Bad Aibling und Dettendorf der Gemeinde Feilnbach-Wiechs angeschlossen. Anhand der im Bad Feilnbacher Gemeindearchiv dazu vorhandenen Unterlagen blickt der Mangfall-Bote auf die damaligen Ereignisse und die aus heutiger Sicht kurzen Entscheidungsprozesse zurück.

Bad Feilnbach – Nachdem sich die Gemeinden Feilnbach und Wiechs zum 1. Januar 1966 zur neuen Gemeinde Feilnbach-Wiechs zusammenschlossen, nahmen die Diskussionen um weitere freiwillige Zusammenschlüsse innerhalb der Gemeinden Anfang der 1970er-Jahre so richtig Fahrt auf.

1971 lassen sich die Auer überzeugen

Im Rahmen einer Anhörung zur geplanten Gemeindegebietsreform hatte sich der Auer Gemeinderat noch am 14. August 1971 mit 8:3 Stimmen für eine Beibehaltung der Selbstständigkeit ausgesprochen. Au sei eine gewachsene, gesunde Gemeinde mit historischer Vergangenheit, als zentraler Ort eingestuft und könne sich nach erfolgter Kanalisation weiterentwickeln, hieß es damals. Die wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnisse seien geordnet und die Gemeinde so finanzstark, dass sie ihre künftigen Belange und Erschließungsmaßnahmen besser regeln könne als im Falle einer Eingliederung in eine andere Gemeinde.

Vereinigung im Eiltempo

In der Folgezeit wurde, insbesondere auch aufgrund der in Aussicht gestellten zusätzlichen Fördermittel für freiwillige Zusammenschlüsse, ein Zusammengehen mit Feilnbach immer wahrscheinlicher. Am 10. Dezember 1971 unterrichtete der Auer Bürgermeister Hans Ries die Gemeinderäte über die finanziellen Fördermaßnahmen bei freiwilligen Zusammenlegungen und den Termin 31. Dezember 1971 für erhöhte Zuwendungen.

Im Gemeinderat wurde vereinbart, mit den Feilnbacher Kollegen und eventuell auch mit den übrigen in Betracht kommenden Räten aus Dettendorf und Litzldorf eine Aussprache herbeizuführen und nötigenfalls noch im gleichen Monat eine Bürgerversammlung abzuhalten. Schon wenige Tage später kam es zu dieser gemeinsamen Aussprache der Gemeinderäte von Au und Feilnbach-Wiechs. Das Ergebnis war, dass die Bürger beider Gemeinden rechtzeitig darüber aufgeklärt werden sollten, welche Vor- und Nachteile eine Zusammenlegung bringen würde.

Lesen Sie auch: Erneuter Stromausfall ärgert die Anwohner - Betreiber über die Hintergründe

Der damalige Feilnbacher Bürgermeister Korbinian Heiß hielt es für wünschenswert, dass sich auch die Gemeinden Litzldorf und Dettendorf zu einem Beitritt entschließen könnten. Laut Ries müssten sich die betroffenen Gemeinden überlegen, ob sie die mit Sicherheit zu erwartenden Zwangszuweisungen abwarten oder doch schon vorher selbst die Initiative für einen Zusammenschluss ergreifen sollten. Neben erheblicher finanzieller Vorteile, so sein Argument, hätten Gemeinderäte und Bürger noch wesentlich mehr Handlungsfreiheit, um an der Gestaltung ihrer Kommunen mitzuwirken. In der Aussprache der Gemeinderäte kam sodann der Wille beider Gemeinden zum Ausdruck, sich zu vereinigen.

Verhandlungen mit den Gemeinden Dettendorf und Litzldorf wurden den vorhandenen Unterlagen zufolge nicht mehr geführt.

Am 21. Dezember 1971 fand eine Bürgerversammlung statt. Am 26. Dezember 1971, dem zweiten Weihnachtsfeiertag, mussten sich die Auer Bürger für oder gegen eine Eingemeindung nach Feilnbach-Wiechs entscheiden. Von 957 Wahlberechtigten gaben 598 Bürger, also 62,5 Prozent, ihre Stimme ab. Von den 583 gültigen Stimmen sprachen sich 419 (71,9 Prozent) für und 164 (28,1 Prozent) gegen eine Eingemeindung aus. Bereits zwei Tage später – am 28. Dezember 1971 – wurde mit Entscheidung der Regierung von Oberbayern die Gemeinde Au mit Wirkung vom 1. Januar 1972 in die von nun an „Feilnbach“ genannte Nachbargemeinde eingegliedert.

Am 1. Februar 1972 kam Dettendorf hinzu. Im Herbst 1973 erhielt die Gemeinde Feilnbach den Titel zum „Bad“. Vervollständigt wurde die Gebietsreform am 1. Mai 1978 mit der Eingliederung der bis dorthin selbstständig gebliebenen Gemeinde Litzldorf.

66 Prozent der Dettendorfer entscheiden sich für Feilnbach

Die Meinungsbildung in Dettendorf wurde ganz offensichtlich von dem freiwilligen Beitritt der Gemeinde Au nach Feilnbach beeinflusst. Zwar gab es auch Überlegungen in der damaligen Gemeinde Willing, zusammen mit Götting und Dettendorf eine künftig mögliche Verwaltungsgemeinschaft zu bilden. Diese kamen aber nicht zum Tragen

Angesichts der Entscheidung der größeren Gemeinde Au wurde in einer Bürgerversammlung am 13. Januar 1972 und per Aushang für einen sofortigen Beitritt zur Gemeinde Feilnbach geworben. Dabei wurde insbesondere mit der später drohenden Zwangszuweisung, den hohen Zuwendungen für freiwillige Zusammenschlüsse, den mit dem Feilnbacher Gemeinderat vereinbarten erheblichen Vorteilen, der in Au verbleibenden Verwaltungsstelle und Vorteilen für den Fremdenverkehr argumentiert.

Das könnte Sie auch interessieren: In Bad Feilnbach wird mit Turbo geimpft

Daraufhin wurden die Dettendorfer Bürger am 23. Januar 1972 an die Abstimmungsurnen gerufen. Von 529 Wahlberechtigten beteiligten sich 374 Wähler (70,7 Prozent) an der Abstimmung. 370 Stimmen waren gültig. Davon entfielen 246 Stimmen (66,5 Prozent) für einen Anschluss an Feilnbach. 42 Bürger (11,4 Prozent) plädierten für ein Zusammengehen mit Willing und 82 (22,2 Prozent) wollten die Selbstständigkeit beibehalten. Die Gemeinde Dettendorf wurde daraufhin mit Wirkung zum 1. Februar 1972 in die Gemeinde Feilnbach eingegliedert.

Auf Wunsch der dort lebenden Bevölkerung kam das bislang zur Gemeinde Dettendorf gehörende Gebiet der sogenannten Oberpfarr mit den Gemeindeteilen Abel, Fachendorf, Gröben, Haslach, Heinrichsdorf, Köckbrunn, Mainz, Natternberg, Weg und Westen mit seinerzeit 137 Einwohnern zum 1. Juli 1972 zur Gemeinde Willing. Seit dem 1. Mai 1978 ist dieses Gebiet Teil der Stadt Bad Aibling.

Nach zwei Jahren wird Zusammenschluss als „grundsätzlich positiv“ bewertet

In einem ersten Erfahrungsbericht der Gemeinde Bad Feilnbach vom 19. März 1974 wurde der Zusammenschluss mit Au und Dettendorf als „grundsätzlich positiv“ bewertet: Die Verwaltungskraft sowie die technische Ausstattung hätten sich verbessert. Auch sei es durch eine stärkere Finanzkraft möglich, bei der Durchführung von Vorhaben Schwerpunkte zu bilden.

Vor 50 Jahren – am 1. Februar 1972– wurde Dettendorf Teil der Gemeinde Feilnbach.

Der Zusammenschluss werde von den Gemeindebürgern überwiegend positiv beurteilt. Beim Zusammengehörigkeitsgefühl seien Ansätze vorhanden. In Au sei teilweise noch ein Ortsteildenken wahrzunehmen. Eine weitere Vergrößerung der jetzigen Einheit werde nicht angestrebt.

Der damalige Gebietsstand und die Zahl von 4100 Einwohnern wurde als „ausreichend“ betrachtet. Eine Aufstockung durch Eingliederung von Litzldorf auf rund 5000 Einwohner könne noch verkraftet werden. Insgesamt, so die Einschätzung, seien die Eingemeindungen richtig gewesen.

Die Gebietsreform im Freistaat Bayern

Zwischen 1969 und 1978 wurde in Bayern eine umfassende kommunale Gebietsreform durchgeführt. Diese Reform gehörte zu den einschneidendsten kommunalpolitischen Entscheidungen des 20. Jahrhunderts im Freistaat.

Ziel der damaligen bayerischen Staatsregierung unter Ministerpräsident Alfons Goppel und Innenminister Bruno Merk war es, größere und leistungsfähigere Gebietseinheiten auf den unteren Verwaltungsebenen (Gemeinden, Landkreise und kreisfreie Städte) zu schaffen.

Letztlich wurde in Bayern die Zahl der Landkreise von 143 auf 71, die der kreisfreien Städte von 48 auf 25 und die der selbstständigen Gemeinden von rund 7100 im Jahr 1952 auf 2051 im Jahr 1990 reduziert. Um dieses politische Ziel zu erreichen, wurden freiwillige Zusammenschlüsse mit attraktiven Staatszuschüssen gefördert. Je früher ein solcher Zusammenschluss erfolgte, desto höher war die Förderung.

Mehr zum Thema

Kommentare