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Realschule Bad Aibling ausgezeichnet

Mathelehrerin mit Goldmedaillen - Was hinter dem Rollstuhlprojekt in Bad Aibling steckt

Die Lehrerinnen Elisabeth Müller und Anna Schaffelhuber-Kaiser sowie Rektor Matthias Wabner freuen sich über die Inklusions-Urkunde, überreicht von Staatssekretärin Anna Stolz (von links).
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Die Lehrerinnen Elisabeth Müller und Anna Schaffelhuber-Kaiser sowie Rektor Matthias Wabner freuen sich über die Inklusions-Urkunde, überreicht von Staatssekretärin Anna Stolz (von links).

Sie gewann als Monoskibobfahrerin viele Goldmedaillen bei den Paralympics, jetzt erklärt sie Schülern Mathematik. Wie Anna Schaffelhuber-Kaiser der Realschule Bad Aibling hilft, das Inklusionsprofil zu erlangen und warum einmal im Jahr alle Schüler Rollstuhlfahrer sind.

Bad Aibling – An der Wilhelm-Leibl-Realschule in Bad Aibling tut sich was. Und das bezieht sich nicht nur auf die aktuellen Umbau- und Sanierungsarbeiten (wir berichteten). Kürzlich überreichte Kultusstaatssekretärin Anna Stolz der Bildungseinrichtung die Urkunde zur „Schule mit Profil Inklusion“. Und laut Stolz seien eben diese Profilschulen herausragende Botschafter, „die zeigen, wie Inklusion gelingen kann“.

„Mit Bewerbung offiziell gemacht“

An der Aiblinger Realschule war genau dieses Thema schon lange vor der Urkundenübergabe verankert, erklärt Schulleiter Matthias Wabner. „Mit der Bewerbung haben wir es aber nochmal offiziell gemacht und sehen die Auszeichnung nun als Auftrag, weiter zu gehen.“ Die Motivation, so Wabner, ergab sich aus dem Schulalltag heraus. Nicht zuletzt, da es an der Realschule zahlreiche Schüler mit besonderem sonderpädagogischen Förderbedarf gebe.

Als man sich im vergangenen Jahr für die Bewerbung entschieden hat, habe die ganze Schulfamilie sofort mitgezogen, erklärt der Rektor. Zudem sei der Ansatz, Inklusion einen besonderen Stellenwert zu verleihen, an der Schule ohnehin nicht neu. Und passend zur Ausrichtung habe man im Rahmen der aktuellen Baumaßnahmen auch besonders auf Barrierefreiheit geachtet.

Welche Rolle spielt die erfolgreiche Sportlerkarriere im Schulalltag?

Am inklusiven Konzept an der Aiblinger Realschule wirken zahlreiche Kollegen mit. Federführend kümmern sich dabei neben Wabner die Lehrerinnen Elisabeth Müller und Anna Schaffelhuber-Kaiser um die Organisation. Letztere ist weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Unter anderem hat sie als Monoskibobfahrerin zahlreiche Goldmedaillen bei den Paralympics gewonnen. Und als Rollstuhlfahrerin kann Schaffelhuber-Kaiser ihren Schülern beim Thema Inklusion als ideales Vorbild dienen.

„Es ist beeindruckend, wie aufmerksam sie auf die Bedürfnisse achten“, sagt die Lehrerin und meint beispielsweise hilfsbereite Schüler, die ihr schwere Bücherstapel abnehmen. Und welche Rolle spielt eigentlich ihre erfolgreiche Sportlerkarriere im Schulalltag? „Am Anfang haben sie mich schon noch oft danach gefragt“, sagt sie und fügt schmunzelnd hinzu: „Nach zwei Wochen spielt das dann für die Schüler aber keine Rolle mehr, wenn die Mathelehrerin ins Klassenzimmer kommt.“

150 Schüler fahren Rollstuhl – einmal im Jahr

Ein wichtiger Baustein des Inkusions-Konzeptes ist ein Rollstuhlprojekt, das Schaffelhuber-Kaiser im vergangenen Schuljahr ins Leben rief und das nun regelmäßig stattfinden soll. „Es geht im Wesentlichen darum, durch Selbsterfahrung ein Bewusstsein zu schaffen“, sagt Schaffelhuber-Kaiser. 150 Schüler aus der siebten Jahrgangsstufe hätten dabei einen „Rollstuhlparcours“ passiert, verschiedene Hindernisse, wie Rampen, überquert, Sport getrieben und in einem Theorieteil Wissenswertes über Rollstühle erfahren.

Siebtklässler testen Rollstühle auf einem Parcours.

Nicht nur Schulleiter Wabner fand die Erfahrung „beeindruckend“. Er gehe seitdem anders durchs Leben und achte etwa in Geschäften oder Arztpraxen darauf, wie zugänglich diese auch für Menschen mit Beeinträchtigung sind. Das Rollstuhlprojekt soll dabei an der Realschule nur eines von mehreren Aktionen sein. „Wir arbeiten auch an Bausteinen im Bereich Seh- und Hörbeeinträchtigung“, erklärt Schaffelhuber-Kaiser. Bestimmte Brillen etwa, könnten dabei gewisse Seheinschränkungen simulieren.

Lehrerin Elisabeth Müller: Schüler haben „absolutes Bewusstsein“

Laut Lehrerin Elisabeth Müller herrsche bei den Schülern schon jetzt „ein absolutes Bewusstsein“ für Menschen mit Beeinträchtigung. Dabei gehe es darum, auf die Bedürfnisse aller zu achten. „Als Schule können wir mittlerweile sehr effizient reagieren“, sagt Müller und spricht dabei die Struktur an, die man sich erarbeitet habe. Besonderer Förderbedarf, entsprechende Anträge, technische Hilfsmittel, Ansprechpartner. All dies sei im Kollegium klar geregelt.

In der Turnhalle gibt es „Rollstuhl-Theorie“.

Das Ziel: Schüler sollen Behinderungen als Teil der Normalität begreifen. Inklusion als die aktive Auseinandersetzung mit “Andersartigkeit“ und „Besonderheit“ könne in hohem Maße als bereicherndes Element des Erziehungs- und Bildungsauftrages erlebt werden.

Unterschiedliche Förderschwerpunkte

Laut dem Team Inklusion besuchen die Wilhelm-Leibl-Realschule Schüler mit unterschiedlichen Förderbedarfen. Dazu gehören neben den Förderschwerpunkten „Hören“ und „körperliche und motorische Unterstützung“ auch Schüler mit Autismus. Viele dieser Kinder hätten auch außerhalb des Unterrichts einen deutlich erhöhten „Differenzierungsbedarf“ und benötigten etwa Rückzugsräume in den Pausen. „Man ist geneigt, nur von Inklusion zu sprechen, wenn es um körperliche Einschränkungen geht. Doch das stimmt nicht“, erklärt Wabner.

Übrigens: Neben dem inklusiven Ansatz, der schulinternen Struktur und den Projekten der Selbsterfahrung legt die Realschule auch großen Wert auf die Berufsorientierung. Laut Schaffelhuber-Kaiser achte man gezielt auch darauf, wie und wo Menschen mit Beeinträchtigung in Zukunft arbeiten können. In Bayern gibt es derzeit (Schuljahr 2021/2022) über 430 Schulen mit dem Profil Inklusion.

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