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Apotheker beklagen massive Lieferausfälle

Von Antibiotika bis zum Zäpfchen: Diese Medikamente sind aktuell im Mangfalltal Mangelware

Sind froh, ihren Kunden derzeit wieder Medikamente wie Buscopan oder Pantoprazol anbieten zu können: (von links) Magdalena Schmotz, Stefanie Berberski, Regina Rottmüller, Anette Koch, Anna Widmann, Hanna Spalek und Brigitte Fritsch von der Kur-Apotheke in Bad Feilnbach.
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Sind froh, ihren Kunden derzeit wieder Medikamente wie Buscopan oder Pantoprazol anbieten zu können: (von links) Magdalena Schmotz, Stefanie Berberski, Regina Rottmüller, Anette Koch, Anna Widmann, Hanna Spalek und Brigitte Fritsch von der Kur-Apotheke in Bad Feilnbach.
  • Mathias Weinzierl
    VonMathias Weinzierl
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Panik ist nach Angaben der Apotheker nicht angebracht, dennoch könnte es – wenn die Lieferschwierigkeiten anhalten – bei der Medikamentenversorgung „düster“ werden. Welche Medikamente im Mangfalltal fehlen – und wen die Apotheker dafür verantwortlich machen.

Mangfalltal – Apotheken in ganz Deutschland klagen vermehrt über massive Lieferprobleme bei Arzneimitteln. „Über 250 Medikamente sind aktuell als nicht lieferfähig gemeldet“, sagte jüngst Hans-Peter Hubmann, Vizepräsident des Deutschen Apothekerverbandes, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Eine Entwicklung, die auch Apotheken im Mangfalltal schwer belastet.

Corona und Krieg haben Lage verschärft

„Die Liste der Arzneimittel, die aktuell nicht lieferbar sind, ist extrem lang geworden“, sagt Ulrike Bayer, die in Bad Aibling die Linden- und die Frühlings-Apotheke betreibt. „Lieferengpässe hat es zwar auch schon vor Corona hin und wieder gegeben“, sagt die Apothekerin im Gespräch mit dem Mangfall-Boten. Sie habe aber das Gefühl, dass Corona und der Ukraine-Krieg die Situation weiter verschärft habe.

Kaum Alternativen zum Fiebersaft

Besonders problematisch: Fiebersäfte, die kleinen Kindern verabreicht werden, seien derzeit so gut wie überhaupt nicht zu bekommen. „Bei größeren Kindern kann man dann eventuell auf Tabletten ausweichen“, so Bayer, „bei kleinen Kindern gibt es aber leider so gut wie keine Alternativen“.

Um für wirkliche Notfälle derartige Arzneimittel noch in der Hinterhand zu haben, scheue sie sich auch nicht, Kunden, die beispielsweise einen Vorrat anlegen wollen, das Produkt nicht zu verkaufen. Bayer: „Wenn ich den Kunden dann erkläre, wieso ich so handle, verstehen die meisten das aber auch.“ Dass es aktuell selbst bei vielen Standard-Medikamenten zu Lieferschwierigkeiten komme, finde sie „besonders erschreckend“ und verbreite bei ihr „ein komisches Gefühl“.

Ein komisches Gefühl, dass auch Anette Koch, Inhaberin der Kur-Apotheke in Bad Feilnbach, derzeit beschleicht. Trotz der viele Lücken im Sortiment sei es bislang zwar gelungen, „die Kunden irgendwie mit den notwendigen Arzneien zu versorgen, beispielsweise durch Änderung der verordneten Darreichungsform oder der einzunehmenden Stärke des Medikaments, letztendlich aber vor allem durch die sehr gute Zusammenarbeit mit den Ärzten am Ort“, sagt die Apothekerin, die aber auch weiß: „Wenn es so weiter geht, kann es wirklich schwierig werden.“

Sie hofft nun, dass „sich die Lage insgesamt entspannt“ und vor allem die Rohstoffbeschaffung für die Arzneimittelhersteller wieder leichter wird. Und, dass Deutschland in Zukunft nicht mehr ganz so abhängig von Fernost ist: „Wenn wir wieder mehr Hersteller in Europa hätten, wäre uns schon sehr geholfen“, so Koch, die neben fehlenden Fiebersäften auch über einen Mangel an Antibiotika-Präparaten oder Cholsterinsenkern klagt.

Freude über Buscopan-Lieferung

Mehrere Monate haben Sabine àWengen-Gebhard, Filialleiterin der Sonnen-Apotheke in Feldkirchen-Westerham, jetzt auf eine Lieferung des Medikaments Buscopan, das gegen Bauchschmerzen und - krämpfe eingesetzt wird, gewartet. Immer wieder sei die Apotheke vertröstet worden. Das Eintreffen der Lieferung Mitte Oktober habe dann zu einer skurrilen Reaktion geführt. „Da bekomme ich dann eine Whatsapp von einer Mitarbeiterin, die über das Eintreffen gejubelt hat“, beschreibt die Filialleiterin, welche Gefühle eine erfolgreiche Arzneimittelbestellung mittlerweile bei ihr und ihrem Team auslösen kann.

Derzeit sind nach Angaben von àWengen-Gebhard rund 170 Medikamente nicht lieferbar. Zwar gäbe es immer wieder für Medikament mit einem bestimmten Wirkstoff verschiedene Hersteller, doch Patienten dürfen aufgrund der Rabattverträge ihrer Krankenkasse nur das Produkt eines bestimmten Herstellers beziehen. „Geben wir dann einfach so das Produkt eines anderen Herstellers heraus, dann bekommen wir kein Geld“, erklärt die Apothekerin. Bei Nicht-Verfügbarkeit könne diese Vorgabe zwar umgangen werden, was allerdings mit einem großen Aufwand verbunden sei, der die Mitarbeiter immens viel Zeit koste.

„In Panik verfallen muss noch niemand, der ein Medikament braucht“, findet Florian Nagele, Inhaber der Manfall-Apotheke in Kolbermoor. Dennoch macht der Apotheker deutlich, dass die Lieferengpässe mittlerweile „Medikamente aus nahezu allen Bereichen“ betreffen. Die Gründe für die Engpässe sind nach Einschätzung von Nagele vielfältig. So müsse es noch nicht einmal der Mangel an den Grundstoffen für ein Präparat sein. Es reiche schon aus, wenn das Verpackungsmaterial fehle und die Arzneimittel daher nicht verschickt werden könnten.

Einen großen Anteil an der Misere habe nach Angaben des Apothekers die „Sparmaßnahmen der Krankenkassen, die uns von Produkten vor allem aus dem asiatischen Raum abhängig gemacht haben“. Daher blickt Nagele auch sorgenvoll in die Zukunft: „Momentan lässt sich die Situation noch damit lösen, dass im Notfall oftmals auch auf andere Medikamente ausgewichen werden kann.“ Sollte sich der Lieferengpass aber weiter verschärfen, „könnte es richtig düster werden“.

Eine Einschätzung, die Apotheker Mathias Schmid von der Sebastian-Apotheke in Bruckmühl teilt – und mit einem drastischen Beispiel belegen kann. So musste ein Kunde, der aufgrund einer sogenannten Kupferspeicherkrankheit auf ein lebenswichtiges Medikament angewiesen ist, sein Präparat aus Frankreich beziehen. „Das ist dann schon dramatisch“, findet Schmid, der hofft, dass sich die Lage bald wieder normalisiert. Zumal nicht nur die Kunden, sondern das ganze Team dadurch belastet werde. „Wir versuchen bei fehlenden Medikamenten, oftmals, gemeinsam mit den behandelnden Ärzten, eine Lösung für den Kunden zu finden“, sagt der Apotheker, der den derzeitigen Mehraufwand auf rund ein Drittel schätzt.

Kritik an politisch Verantwortlichen

Die höhere Belastung führt auch Gerhard Kiemer, Inhaber der Marien-Apotheke in Ostermünchen bei Tuntenhausen, ins Feld. Auch er hat mit massiven Leiferausfällen einer Vielzahl an Arzneimitteln zu kämpfen. „Mittlerweile füllt die Liste der Medikamente, die nicht lieferbar sind, drei Bildschirme am PC“, sagt der Apotheker, der jüngst einer Mutter nicht einmal Zäpfchen fürs fiebrige Kind mitgeben konnte und für die Misere die Politik, die den Preisdruck auf dem Markt erst möglich gemacht habe, verantwortlicht macht.

Hilfe durch „Improvisation“

Dennoch sei er und sein Team natürlich bemüht, durch „Improvisation“ den Kunden bestmöglich zu helfen – was in der Regel auch funktioniere. Kiemer: „Ich hoffe, dass mir erspart bleibt, einem Kunden sagen zu müssen, dass ich ihm einfach nicht helfen kann.“

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