Keine Ruhe im Ruhestand:

Der Bruckmühler Ernst Schusser und sein Leben für die Volksmusik

Ganz in seinem Element: Ernst Schusser und seine musikalische Mitstreiterin Eva Bruckner (Mitte) bei einem der vergangenen „Weihnachtslieder selber singen“ – der Gemeinschaftsveranstaltung mit den OVB-Heimatzeitungen. Baumann
+
Ganz in seinem Element: Ernst Schusser und seine musikalische Mitstreiterin Eva Bruckner (Mitte) bei einem der vergangenen „Weihnachtslieder selber singen“ – der Gemeinschaftsveranstaltung mit den OVB-Heimatzeitungen. Baumann
  • vonJohann Baumann
    schließen

Er ist ein Bruckmühler Urgestein, das die Volksmusik in die Herzen der Menschen bringt: als Moritaten-, Montags- oder Wirtshaussänger. Neuerdings widmet sich der 66-jährige Ernst Schusser seinem Ehrenamt als Kreisvolksmusikpfleger und dem Lehrauftrag an der Hochschule für Musik und Theater.

Bruckmühl – Vor kurzem wurde Ernst Schusser vom oberbayerischen Bezirkstagspräsidenten Josef Mederer in den Ruhestand verabschiedet – als Leiter des Volksmusikarchivs und als Bezirks-Volksmusikpfleger. Der frisch gebackene Rentner hat in seinem knapp 35-jährigen Wirken eine Ära geprägt und das Volksmusikarchiv als Sammel- und Verbreitungs-Institution für Liedgut in eine neue Dimension gehoben.

Musik verbindet überall mit der Heimat

Ernst Schusser kam schon als Kind mit Musik und Gesang in Berührung. Wenn seine aus dem Sudetenland stammenden Eltern Besuch von Freunden und Verwandten bekamen, wurden immer heimatliche Lieder angestimmt. Er bekam Akkordeon-Unterricht und weitete später sein volksmusikalisches Interesse auf oberbayerisches Gesangs- und Musikgut aus.

Das könnte Sie auch interessieren: NACH 35 JAHREN IM AMT – Mit Herz und Stimme für die Volksmusik: Bruckmühler Ernst Schusser geht in den Ruhestand

Nach seinem Abitur am Rosenheimer Finsterwalder-Gymnasium absolvierte Schusser seine dreijährige pädagogische Ausbildung an der damaligen „Lehrerbildungsanstalt“ in München-Pasing und trat 1977 in den Schuldienst ein – zum Leidwesen seiner Mutter allerdings nur für sechs Wochen. Danach begann er an der LMU München ein Studium der Volkskunde, bayerischen Geschichte und Didaktik, das er 1982 mit dem „Magister“ abschloss. Das Studium musste er selbst finanzieren: Zum Glück war er zu dieser Zeit längst in der Volksmusik-Szene aktiv und verdiente sich so seine „Uni-Brötchen“.

An der Seite des legendären Wastl Fanderl

Schon ab 1975 arbeitete er mit dem legendären Wastl Fanderl zusammen, dem ersten hauptamtlichen oberbayerischen Volksmusikpfleger. „Mit ihm war ich viel unterwegs. Unsere gemeinsamen Fahrten waren immer sehr lehrreich“, erinnert er sich.

Damit einher ging bald eine ausgeprägte Sammlerleidenschaft, die in eine ausgiebige und in allen Räumen seines Elternhauses untergebrachten „Schusser-Sammlung“ mündete. Im Laufe der Zeit dienten Schusser auch viele andere Privaträume in der Umgebung als „dezentrale Archive“. 1985 wurden all diese „Notenschätze“ unter seiner Leitung in das vom Bezirk Oberbayern neu gegründete Volksmusikarchiv eingegliedert.

Beliebte Veranstaltungen ins Leben gerufen

Im Rahmen der Volksmusikpflege, die Schusser 1996 zusätzlich übernahm, rief er viele beliebte Veranstaltungen ins Leben. Dazu zählen das Wirthaussingen, das „Weihnachtslieder selber singen“ in Zusammenarbeit mit den OVB-Heimatzeitungen, das Mittenkirchener Adventssingen, das Moritatensingen oder auch die „Montagssinger“.

Auf der Gitarre begleitet wurde und wird er dabei meistens von seiner Mitarbeiterin Eva Bruckner. „Das Singen ist gerade jetzt in Corona-Zeiten sehr wichtig“, betont der Volksmusiker, der den Spruch geprägt hat: „Jeder Mensch kann singen, aber nicht jedem kann man zuhören.“

Lesen Sie auch: AUS DEM GERICHTSSAAL: Bruckmühlerin klaut im Kaufhaus – Richter gibt der notorischen Diebin eine letzte Chance

Ein wichtiges Anliegen ist ihm, die Bedürfnisse der Menschen zu erkennen und darauf einzugehen. Neben der Musik gehöre auch das Geschichtenerzählen dazu. „Es erfüllt mich mit Freude, dass wir eine riesige Breitenwirkung mit Leuten erreicht haben, die mit uns zusammenarbeiten, darunter viele Ehrenamtliche“, betont er. Die Arbeit sei freilich auf viele Schultern verteilt, darunter die von Ehefrau Margit Schusser und Eva Bruckner.

Unheimlich beliebt und hoffentlich bald wieder erlaubt: Ernst Schusser mit seiner Ziach beim Wirtshaussingen in Mietraching.

Im Ehrenamt geht’s musikalisch weiter

Mit dem Renteneintritt könnte sich Ernst Schusser vermehrt seiner Familie mit drei Kindern und fünf Enkeln widmen, aber die genannten Veranstaltungen sowie freiberufliche und ehrenamtliche Tätigkeiten wie das Amt des Kreisvolksmusikpflegers werden ihn auch in Zukunft in Anspruch nehmen. Außerdem wurde er für das Wintersemester 2020/21 mit einem Lehrauftrag an der Hochschule für Musik und Theater in München betraut – die Weitergabe seines volksmusikalischen Wissens an die junge Generation liegt ihm am Herzen.

Geburtsort wurde Wirkungsstätte

Übrigens wurde der 66-jährige „Neu-Rentner“ im Krankenhaus Bruckmühl geboren, das nach seiner Schließung und einem kurzen Intermezzo als Schule seit 20 Jahren das Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern beherbergt und bis Oktober der Arbeitsplatz von Ernst Schusser war. Im Archiv lagern die Noten von etwa 160 000 Liedern und 300 000 Melodien, rund 22 000 Schellackplatten, etwa 20 000 Schallplatten und mehr als 25 000 Bücher.

Kommentare