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Jeni Williams-Braun ist im ersten „Battle“

Bruckmühlerin geht bei „The Voice of Germany“ optimistisch ins erste „Battle“

Stolz zeichnet Jeni ihre Wurzeln auf der Landkarte nach. Sie gehen auf die amerikanische Geschichte, die indigenen Völker, Sklaven und Einwanderer zurück.
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Stolz zeichnet Jeni ihre Wurzeln auf der Landkarte nach. Sie gehen auf die amerikanische Geschichte, die indigenen Völker, Sklaven und Einwanderer zurück.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Am Donnerstagabend, 11. November, geht die elfte Staffel von „The Voice of Germany“ in die nächste Runde. Als eine der ersten Sängerinnen tritt Jeni Williams-Braun aus Bruckmühl auf die Bühne.

Bruckmühl – Im ersten „Battle“ performed sie mit ihren Mitstreitern Ann Sophie Dürmeyer und Archippe Mbongue Ombang aus dem Team von Sarah Connor den Song „Stand up“ von Cynthia Erivo. Ab 20.15 Uhr entscheidet sich, wer von ihnen eine Runde weiterkommt.

Song hat mitten ins Herz getroffen

„Als Sarah uns sagte, dass wir ,Stand up‘ performen sollen, hat mich das mitten ins Herz getroffen“, erinnert sich Jeni, denn kaum ein Song könnte ihr Leben besser beschreiben. So heißt es beispielsweise im Refrain: „Dann stehe ich auf, nehme meine Leute mit und gemeinsamen gehen wir in ein neues Zuhause, weit über den Fluss. Hörst Du die Freiheit rufen?“

Drei Generationen in Jenis Familie haben genau diesen Weg gewählt. Ihre Großmutter Beatrice verließ das Cherokee-Reservat im heutigen US-Bundesstaat Georgia, um ihren Kindern in Ohio eine bessere Zukunft zu bieten. Ihr Vater – er stammte vom nordamerikanischen indigenen Volk der „Spokan“ ab – kämpfte 1944/45 als Soldat im Zweiten Weltkrieg für die Freiheit.

Dem Ruf der Freiheit weit gefolgt

Ihre Mutter Clara ging in den 60er-Jahren mit ihren beiden Töchtern nach Milwaukee, weil der Rassismus in Wisconsin, einem der nördlichsten Bundesstaates Amerikas, weniger stark ausgeprägt war als in den Südstaaten. „Und doch gibt es ihn bis heute“, sagt Jeni wütend.

Freuen sich über den Erfolg bei den „Blind Auditions“: Jeni Williams-Braun (links), ihr Sohn Hannes (rechts) und seine Freundin Laura. (Das Foto der Familie ist vor den verschärften Corona-Regelungen entstanden.)

Denn auch sie hat ihre Heimat verlassen, damit ihre Kinder in Sicherheit aufwachsen können. 1992 wanderte sie nach Deutschland aus. 28 Jahre – am 25. Mai 2020 – bedankt sich ihr Sohn Aaron (33) bei ihr für diese Chance, als der 49-jährige Afro-Amerikaner George Floyd in Minneapolis von einem weißen Polizisten ermordet wird. Auch Jeni und ihre Kinder sind Afro-Amerikaner. Ihre amerikanische Identität spiegelt die Geschichte des Landes wider. Jenis Vorfahren gehörten indigenen Gruppen an – den Cherokee und Spokan. Andere waren Sklaven, andere eingewanderte Iro-Schotten.

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Ihre Eltern arbeiteten auf einer Militär-Basis. „Ich wurde in einer weißen Gegend aufgezogen und habe schnell gespürt, dass sie uns hassen. Meine Mutter hat jeden Tag geweint“, erinnert sie sich. Ihren Schmerz singt sie sich von der Seele. „Sie hatte eine wunderbare Stimme, klang wie die Gospelsängerin Mahalia Jackson“, beschreibt Jeni und erklärt: „In unserer christlichen Musik steckt das Leid aus 400 Jahren Sklaverei, aber auch der Rhythmus Afrikas.“

Jeni ist von Musik umgeben. Sie spielt Klavier, der Gesang steckt in ihr, doch studieren kann sie nicht. „Schwarze waren und sind von der Gesellschaft ausgestoßen. Da brauchte ich mich nirgendwo zu bewerben.“ Trotzdem lebt sie ihre Passion, finanziert ihre Familie mit Bürojobs, zieht ihre drei Kinder groß und trainiert ihre Stimme. Sie arbeitet 40 Stunden, tritt von Donnerstag bis Samstag mit ihrer Band in Clubs, Bars und auf Hochzeiten auf. „Doch schwarze Musik wird in Amerika noch immer nicht wertgeschätzt.“

1991 macht Jeni mit einer Freundin Urlaub in Deutschland, lernt viele Musiker kennen und begreift: „Hier gibt es Berge und Kühe wie in meiner Heimat Milwaukee, hier könnten meine Kinder sicher aufwachsen. Hier könnte ich als Sängerin arbeiten.“ Sie kehrt nach Amerika zurück, packt ihre Sachen zusammen und wandert mit ihren Kindern nach Deutschland aus. Sie gründet ihre Band „Jeni Williams & Black Bohemia“, wohnt in Feldkirchen, arbeitet als Englischlehrerin, lernt ihren Hans kennen, zieht in die Marktgemeinde Bruckmühl und bleibt.

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Auch in Deutschland begegnen Jeni und ihre Kinder anfangs Rassismus. „Er ist da, aber er kann durch die Gemeinschaft erstickt werden“, haben sie erfahren dürfen. Anfeindungen der Kinder wurden von deren „weißen“ Freunden abgewehrt. Geblieben ist für Jeni das Gefühl einer latenten Rassismus-Gefahr und die Erinnerung an ein aufrichtiges Kompliment für ihre Kinder: „Du siehst aus wie Michael Jackson – ist doch cool.“

Inzwischen sind auch aus ihren „bayerischen“ Söhnen Hans (27) und Joshua (23) schon Männer geworden. Und die treiben die Mutter schon seit Jahren an: „Jetzt bewirb Dich doch mal bei ,The Voice‘. Du kannst es doch.“ Mit 63 Jahren wagte es Jeni, sendete das Video eines ihrer Live-Konzerte bei Pro 7 ein und kam auf Anhieb auf die Bühne.

Wer kommt nach intensivem Coaching weiter: Jeni, Ann-Sophie oder Archippe?

Jeni Williams-Braun hat es geschafft. Am 7. Oktober eröffnete die Bruckmühler Sängerin die „Blind Auditions“ der elften Staffel. Sie kam, sang „I Put A Spell On You“ von Nina Simone, und es buzzerte viermal. Sarah Connor, Johannes Oerding, Mark Forster und Nico Santos – alle wollten sie die Bruckmühlerin in ihrem Team haben. Sie entschied sich für Sarah Connor, denn: „Ich kannte sie am besten von allen vier Künstlern und ihr 2019er-Album ,Herz Kraft Werke‘ hat mich sehr berührt.“

Dass sie es überhaupt bis zu den „Blind Auditions“ schaffen würde, hatte die Sängerin selbst nicht erwartet: „Im Casting trat ich gegen eine wunderschöne junge Frau mit einer kraftvollen Stimme an. Ich hätte nie gedacht, dass sich die Musikredaktion für mich entscheidet.“ Doch die 63-Jährige überzeugte – nicht nur das Team hinter den Kulissen, sondern auch die Coaches vor der Kamera. Heute nun steht sie erneut auf der Bühne.

Doch wie war der Weg bis zum ersten Battle? „Wir haben an vier Wochenenden intensiv geprobt“, erzählt sie. Gemeinsam mit ihren Teammitgliedern wurde sie von den Coaches gefördert und gefordert – und auf die Battles vorbereitet.„Es ist ein langer Prozess mit verschiedenen Coaches, zu dem unter anderem Stimmtraining, Bandprobe, kalte und heiße Probe, Proben mit Sarah, wertvolle Tipps von Sarah und schließlich auch die Suche nach dem richtigen Outfit gehören.“

Bruckmühlerin „haut richtig rein“

Und auch wenn Jeni ein Profi ist und in ihrem Leben schon tausendfach auf der Bühne stand: „Bei einem Live-Konzert kannst Du einen kleinen Fehler machen, der schnell wieder vergessen ist. Im Fernsehen aber wird alles für die Ewigkeit festgehalten.“ Jeni hat sich vorgenommen, sich stilistisch treu zu bleiben und ihre Songs so zu performen, dass sie „richtig reinhauen“.

Bei den „Blind Auditions“ ist ihr das gelungen. Die Reaktionen von Familie, Freunden und Bekannten liefen stundenlang über Whatsapp ein. Ihre Tochter Genevie, die wieder in Amerika lebt, und die Auftritte bei „The Voice“ nur auf Youtube sehen kann, schrieb ihr: „Ich bin sooooooo stolz auf Dich!“ Ein Musikerkollege gestand: „Ich habe geweint.“ Und ihre beiden Söhne Hannes und Josh, die mit bei den „Blind Auditions“ waren, meinten total tiefenentspannt: „Das ist eben Mum.“

Am Donnerstag, 11. November, geht es in die nächste Etappe von „The Voice“ – die „Battles“. Ab 20.15 Uhr ist Jeni Williams-Braun auf Pro 7 zu erleben. Diesmal muss sie sich mit zwei weiteren Talenten aus dem Team von Sarah Connor messen: mit Ann Sophie Dürmeyer und Archippe Mbongue Ombang. „Mit den beiden habe ich eine intensive Zeit verbracht, für das Battle trainiert und den neuen Song einstudiert“, beschreibt Jeni die Gemeinschaft der musikalischen Konkurrenz. Wer von den drei Sängern weiterkommt, entscheiden die Coaches am Abend des 13. November.

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