Ein Vize-Bürgermeister für Bad Aibling: Wird es Hieble-Fritz?

Allein im Sitzungssaal des Rathauses war Bürgermeister Stephan Schlier nur bei einer ersten Begutachtung jenes Ortes, an dem die Stadträte künftig unter seiner Führung zukunftsweisende Entscheidungen für die Bad Aibling treffen. Wer seine Vertreter sind, wird erst bei der konstituierenden Sitzung des Gremiums im Mai entschieden. Baumann

CSU, ÜWG und Bayernpartei wollen im künftigen Aiblinger Stadtrat offenbar eng zusammenarbeiten. Das Personalkarussell hat bereits Fahrt aufgenommen. Kirsten Hieble-Fritz (ÜWG) soll Zweite Bürgermeisterin werden, Markus Stigloher (CSU) Dritter Bürgermeister.

Bad Aibling – Videokonferenzen, Telefonate, Treffen in freier Natur: In Corona-Zeiten nutzten die Fraktionen und Gruppierungen auch ungewöhnliche Wege, um Ziele abzustecken, Wünsche bei der Besetzung von Referaten und Ausschüssen zu formulieren und Kandidaten für die beiden Stellvertreter von Bürgermeister Stephan Schlier (CSU) in Stellung zu bringen. Die CSU nahm kürzlich erste entscheidende Weichenstellungen vor. In einer internen Sitzung hat sich die neue Stadtratsfraktion in Schliers Beisein mit sechs zu vier Stimmen dafür ausgesprochen, dass man den bisherigen Vizebürgermeister Erwin Kühnel nicht mehr ins Rennen um einen Stellvertreter-Posten schickt. Der neue CSU-Fraktionssprecher Markus Stigloher setzte sich parteiintern gegen ihn durch und will einer von Schliers Stellvertretern werden. Stigloher bestätigte gegenüber den OVB-Heimatzeitungen, dass er ÜWG-Kollegin Kirsten Hieble-Fritz den Vortritt bei der Kandidatur für den Vize-Bürgermeister lässt und sich um das Amt des zweiten Stellvertreters bewirbt.

Schlier hat vollstes Vertrauen

Eine Konstellation, die auch Bürgermeister Stephan Schlier gefallen würde – auch vor dem Hintergrund, dass ÜWG-Stadtrat Dieter Bräunlich frühzeitig abgewunken hat, als es um die Stellvertretung des Rathauschefs ging. Zu Hieble-Fritz habe er vollstes Vertrauen, sagt Schlier. Ein wichtiges Kriterium für ihn sei neben der Qualifikation für das Amt auch die Tatsache, dass die Stellvertreter untertags Termine wahrnehmen könnten.

„Amt steht uns zu“

Gleichzeitig sieht Schlier den Anspruch der CSU gerechtfertigt, einen der beiden Posten zu besetzen. „Wir sind nach wie vor die stärkste Fraktion. Ich denke, ein solches Amt steht uns zu“, sagt der Bürgermeister. Da befindet er sich im Einklang mit dem CSU-Ortsvorsitzenden Dr. Thomas Geppert. „Wir streben ein bürgerliches Bündnis der Mitte im Stadtrat an. Da müssen wir natürlich bei der Postenvergabe Zugeständnisse machen“, so Geppert.

Schlier und er gehen wie SPD-Stadtrat Richard Lechner davon aus, dass Bündnis 90/Die Grünen keinen Kandidaten ins Rennen schickt. Fraktionssprecherin Martina Thalmayr und ihre Fraktionskollegin Katharina Dietel könnten das Ehrenamt aus beruflichen Gründen nicht ausüben, heißt es in Insiderkreisen. Vertreter von CSU und ÜWG lassen darüber hinaus durchblicken, dass sie nicht jeden möglichen Bewerber aus den Reihen der Grünen akzeptieren würden.

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Für Thalmayr ist noch nicht unterschrieben, dass die Ökopartei keinen Kandidaten um einen der Stellvertreter-Posten ins Rennen schickt. Konkreter wird sie freilich nicht. „Das ist mir zu heiß“, begründet sie ihre Zurückhaltung.

Kein Referent für Demokratie und gegen Rechts im Aiblinger Stadtrat: Der Bericht dazu lesen Sie hier.

Während von der Bayernpartei Zustimmung für das Personalpaket signalisiert wird, das CSU und ÜWG schnüren wollen, richten sich nicht nur bei der ÜWG viele Augen auf Rudi Gebhart. Der sprach sich sehr zum Ärger mancher Mitglieder und Stadtratskollegen in der Stichwahl für Thalmayr als Bürgermeisterin aus und fiel auch ansonsten nicht durch ein Übermaß an CSU-freundlichen Tönen auf. Bräunlich, der Hieble-Fritz mitträgt, legt die Messlatte für seinen Fraktionskollegen schon einmal hoch. „Ich erwarte, dass die ÜWG die eigene Kandidatin uneingeschränkt unterstützt.“ Ein öffentliches Bekenntnis zu Hieble-Fritz legte Gebhart im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen jedenfalls nicht ab. „Das Personalkarussell dreht sich wie verrückt. Ich sage dazu nichts“, gab er sich zugeknöpft.

Einen Blick in die Historie der Aiblinger Bürgermeister finden Sie hier.

„Die ÜWG ist ein Wackelpunkt. Da gibt es Unstimmigkeiten zwischen Gebhart und Hieble-Fritz“, glaubt der designierte SPD-Fraktionssprecher Richard Lechner den Grund zu kennen. Hinter vorgehaltener Hand wird in Politkreisen schon länger über diese Dissonanzen in der ÜWG gesprochen. Lechner geht jedenfalls davon aus, dass seine Partei Petra Keitz-Dimpflmeier, unabhängig von Kurs der ÜWG, ins Rennen um den Posten des Vize-Bürgermeisters schickt. „Ich würde ihr sehr zur Kandidatur raten“, sagt er.

„Können nur spekulieren“

Was ihre Chancen betreffe, könne man im Moment nur spekulieren. Lechner berichtet aber von Videokonferenzen, an denen neben Vertretern von SPD, Grünen und der Ausschussgemeinschaft aus ÖDP und Bayernpartei oauch Gebhart teilgenommen habe. Dabei hätte er den Eindruck gewonnen, dass der ÜWG-Stadtrat eine Kandidatur der SPD-Kandidatin unterstützen würde. Für eine solche Entscheidung wollte er sich wohl auch in der Fraktion starkmachen. Andere Quellen untermauern diesen Eindruck, berichteten gestern aber, dass Gebhart bei einer Zusammenkunft des Stadtrates am Montagabend im Aiblinger Kurhaus im Beisein des Bürgermeisters von seinen beiden Fraktionskollegen erfolgreich auf deren Linie gebracht worden sei. Er habe versprochen, Hieble-Fritz und auch Stigloher mitzuwählen.

CSU steht hinter Hieble-Fritz

Von CSU-Seite wird versichert, die Fraktion stünde absolut geschlossen hinter Hieble-Fritz. Bürgermeister Stephan Schlier bekundet, dass auch Erwin Kühnel diese Personalie mittragen werde. „Derlei Befürchtungen sind unbegründet“, sagt er zu Gerüchten, Kühnel könnte aus Verärgerung über seine parteiinterne Niederlage möglicherweise von der offiziellen Fraktionslinie abweichen.

Markus Stigloher kandidiert für das Amt des Dritten Bürgermeisters.

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