Das Virus hatte plötzlich mehrere Gesichter für mich

Mundschutz, Handschuhe, Desinfektionsmittel und Arbeitgeberbescheinigung – ohne diese Ausrüstung ist Uwe Hecht, wenn es wirklich unaufschiebbar ist, im Auto nicht mehr unterwegs. Hecht

Bad Aibling – „Corona? Die Leute sollen nicht so spinnen“, war zunächst noch mein Standardsatz, wenn ich auf das Virus angesprochen wurde.

Hamsterkäufe und „Klopapier-Kämpfe“ kann ich zwar immer noch nicht nachvollziehen, sehr wohl aber nun die Ängste, die zahlreiche meiner Mitmenschen, Familie, Freunde und Bekannte haben.

Als ich von immer mehr Infizierten hörte und las, wurde ich bereits nachdenklich, zumal ich selbst aufgrund chronischer Vorerkrankungen zur „Risiko-Gruppe“ gehöre. Unerschrocken habe ich aber noch am 15. März bei der Kommunalwahl als Schriftführer im Wahlvorstand agiert. Kurz darauf dann aber „der Hammer“: Den ersten offiziell bestätigten „Corona-Toten“ kannte ich persönlich sehr gut, welch ein Schock! Doch dabei sollte es nicht bleiben, auch die nächsten beiden Toten aus der Region kannte ich seit Jahren, einen davon sogar seit Jahrzehnten. Das Virus hatte plötzlich mehrere Gesichter für mich.

Ich wurde vorsichtig, per E-Mail fragte ich bei meiner Hausärztin nach, ob ich denn wie geplant, auch bei der Stichwahl zum Bürgermeister als Wahlhelfer tätig sein könnte. Die Antwort war ein klares „Nein“ sowie ein Attest, welches ich bei der Wahlleiterin vorlegte.

Zum ersten Mal seit 35 Jahren konnte ich dieser Pflicht, die ich immer gerne erfüllt habe, nicht nachkommen. Auch ich, der ich doch gerne in Gesellschaft und extrovertiert bin, muss nun wie alle anderen, Gesellschaft meiden. Einkaufen nur, wenn es absolut nötig ist, Bewegung an der frischen Luft (aufgrund der erwähnten gesundheitlichen Probleme ein Muss) alleine.

Ich sehe ein, es muss so sein. Nicht nur für mich, sondern für meine Mitmenschen. So können wir alle dazu beitragen, dass die Infektionskette durchbrochen wird. Davon bin ich fest überzeugt.

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