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Familie und Freunde nehmen Abschied

Letztes Geleit für den Vagener Baron – Karl-Michael Freiherr von Aretin beigesetzt

  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Vagen hat Abschied von Karl-Michael Freiherr von Aretin genommen. In einer feierlichen Zeremonie wurde er am Freitag, 4. Juni, im Familiengrab der von Aretins auf dem Friedhof von Vagen beigesetzt. Am 20. Mai – drei Tage vor seinem 97. Geburtstag – war der Vagener Schlossherr verstorben. Seine Familie und enge Freunde nahmen von ihm in der Schlosskapelle Abschied.

Feldkirchen-Westerham – Der Trauerzug – angeführt von der Musikkapelle Vagen und seinen Enkeln – führte vom Schloss zum Friedhof.

Die Auferstehungsfeier des Barona zelebrierte Pfarrer Augustin Butaku. Der Abschied von einem Menschen mit einem einfühlsamen Herzen sei mit Trauer, aber auch mit großer Dankbarkeit verbunden: „Vertrauen wir ihn nun der Liebe Gottes an.“

Baron Karl-Michael von Aretin wurde 1924 im Schloss Vagen geboren. Seine Schulausbildung erhielt er auf dem St. Galler Rosenberg. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurde er im Alter von kaum 20 Jahren als Fallschirmjäger zur deutschen Wehrmacht eingezogen. Er war in Rußland, wurde in Italien von einem Granatsplitter am Oberschenkel schwer verletzt. In den letzten Monaten des Krieges geriet er in Italien in amerikanische Gefangenschaft. Gemeinsam mit einem Freund kehrte er des Nachts zu Fuß nach Vagen zurück: Seinen Söhnen und Enkeln berichtete er von der gefährlichen Flucht über die Alpen zurück in die Heimat.

Ein Nachfahre armenischer Fürsten

Karl-Michael von Aretin hat fast sein ganzes Leben auf Schloss Vagen verbracht, das seit 1910 im Besitz der Familie ist. Das Adelsgeschlecht der Freiherren von Aretin reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Das Segelschiff unter dem Morgenstern im Familienwappen deutet auf ihre armenischen Wurzeln und die Überfahrt von Konstantinopel zum Kloster San Lazzaro degli Armeni vor Venedig hin. Johann Baptist Christoph Aroution war es, der 1769 aufgrund seiner fürstlichen Herkunft und seiner 46-jährigen Dienste für Kurfürst Max III Joseph in den Stand eines Freiherrn gehoben wurde. „Noch drei Jahrhunderte später haben Armenier die Abstammung meines Vaters allein an seinem Äußeren erkannt“, berichtet Michael Freiherr von Aretin, der erstgeborene Sohn des Verstorbenen.

Den letzten irdischen Weg von Karl-Michael Freiherr von Aretin begleiteten die Musikkapelle Vagen, seine Ehefrau, die Kinder, Enkel und Freunde. Auch Vagener Bürger gaben ihrem Baron das letzte Geleit. Die Fahnenabordnungen der örtlichen Vereine erwiesen ihm an seinem Grab die letzte Ehre.

Als Nachfahre der ältesten christlichen Nation war auch Karl-Michael Freiherr von Aretin ein zutiefst im Glauben verwurzelter Mensch, für den das Gebet zur Struktur des Tages gehörte. Er strahlte Menschenliebe und eine herzliche Güte aus, engagierte sich als Mitglied der Kirchenverwaltung und als Kirchenpfleger für die Restaurierung der Vagener Pfarrkirche, die Erweiterung des Friedhofes, für den Pfarrkindergarten und die Sommergottesdienste in der Schlosskapelle. Er war sehr gebildet und vor allem an historischen Zusammenhängen interessiert.

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Im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit beim Max-Planck-Institut engagierte er sich für Entwicklung und Forschung. Als Sekretär des bayerischen Hausritterorden vom Hl. Georg unterstützte er Oppositionelle in den Ostblockstaaten. Später wurde er von Herzog Franz von Bayern zum Ritter erhoben. Ursprünglich wollte Karl-Michael Freiherr von Aretin Landwirt werden und studierte in Weihenstephan Landwirtschaft.

Verlobung im Jahr 1961: Karl-Michael Freiherr von Aretin und Dorothea, Prinzessin Biron von Curland.

Auf einem Ball in München lernte er seine spätere Frau Dorothea, Prinzessin Biron von Curland, kennen. Ihr ältester Sohn Michael (58), ist Grafiker, hat schon im Jahr 2000 sein Erbe angetreten und lebt seit 2005 als Schlossherr in Vagen. Andreas (56) ist Chefarzt am St. Elisabeth-Krankenhaus in Leipzig. Der jüngste Sohn Peter (54) arbeitet als Architekt in Berlin. Zur Familie gehören elf Enkel – „Meine Diamanten“, wie Karl-Michael Freiherr von Aretin sie vor kurzem noch nannte.

60 glückliche gemeinsame Jahre waren ihnen vergönnt. Das Foto zeigt Freiherr und Freifrau von Aretin beim letzten Restaurantbesuch im „Goldenen Tal“.

Nach seiner Pensionierung widmete sich der Baron der Sanierung des Vagener Schlosses. Ein Lebenswerk, das nun sein ältester Sohn fortführt. Weltbekannt wurde das Anwesen als Filmkulisse. Schon 1955 wurde hier mit Ilse Werner gedreht. Senta Berger und Maria Adorf weilten 1976 sechs Wochen für Dreharbeiten auf dem Schloss. Verfilmungen wie „Die Herrin vom Söderhof“, „MitGift“, „Der Kommissar“ oder „Derick“ entstanden hier. Seit 16 Jahren wird das Schloss in der Telenovela „Sturm der Liebe“ zum „Hotel Fürstenhof“ – und das, obwohl es mit 25 Zimmern in Wirklichkeit für ein Hotel eigentlich zu klein wäre.

Verbunden mit Vagen und den Menschen

Fast 100 Jahre lebte der Baron auf seinem Schloss. Er liebte die Natur und den Sport. Er war Bergsteiger und frönte bis in seine späten 70er-Jahre dem Wintersport und Tennis. „Mein Vater hat vor Jahren, mit Mitte 80, eine zweite Charge Leben geschenkt bekommen“, erinnert sich Sohn Michael an einen schweren Schlaganfall, nach dem der Vater reanimiert werden musste und im Koma lag.

Karl-Michael Freiherr von Aretin wurde dann noch 96 Jahre alt. Er war der letzte von fünf in Vagen geborenen Kindern jener von Aretins, die 1910 das Schloss übernahmen. Sein Bruder Albert war Anfang 40, als er bei einem Unfall im Kuhstall von einem Stier erdrückt wurde. Sein Bruder Philipp erlitt mit 57 Jahren einen Herzinfarkt beim Fahrradfahren. Die Schwestern Maria-Ghislena und Elisabeth, genannt Melli, wurden über 80 Jahre alt – sie sind schon verstorben.

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Nun ist auch Karl-Michael Freiherr von Aretin gegangen. Nach einer zweiten Corona-Schutzimpfung mit Biontech verließen ihn die Kräfte. „Er konnte nicht mehr schlucken, nichts Festes mehr essen, hat viel geschlafen“, beschreibt der Sohn. Drei Tage vor seinem 97. Geburtstag ist er friedlich eingeschlafen. Wenige Tage zuvor – am 16. Mai – durfte er mit seiner Frau Dorothea (86) im Kreise der Kinder noch Diamantene Hochzeit feiern.

Familie, Freunde und Weggefährten nehmen Abschied

Am Freitag (4. Juni) nahmen Familie, Freunde, enge Weggefährten und die Vagener Bürger Abschied von ihrem Baron. Was von ihm bleibt, ist die Liebe zu den Menschen und zur Natur. Unvergessen sind die Schlossserenaden der Musikkapelle Vagen, für die er bis zu 3000 Besuchern die Tore zu seinem Anwesen öffnete. Mit einem feierlichen Konzert im Schloss – gestaltet von der Mezzosopranistin Calixta Fuchs – wollte die Familie von Aretin von ihrem Ehemann, Vater und Großvater, Onkel, Schwiegervater und Paten würdevoll Abschied nehmen. Obwohl Kulturveranstaltungen im Freien mit bis zu 250 Menschen zugelassen sind, wurde ihr das leider vom Landratsamt verwehrt.

So gaben Familie und Freunde Karl-Michael Freiherr von Aretin ein letztes Geleit und gedenken seiner nun im engsten familiären Kreise. Seine Schlossserenaden werden weiterleben. „Sobald es im gewohnten Rahmen erlaubt ist, finden sie wieder statt, voraussichtlich 2022“, verspricht Michael Freiherr von Aretin, der neue Schlossherr von Vagen.

Rubriklistenbild: © Merk

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