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Flutkatastrophe am Montagabend

Kam die Hilfe im Mangfalltal zu spät? Es brodelt nach dem Unwetter in Götting

Das Aufräumen danach: In Götting wird nach den verheerenden Unwettern von Montagabend Kritik am Einsatzmanagement der Rettungskräfte laut.
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Das Aufräumen danach: In Götting wird nach den verheerenden Unwettern von Montagabend Kritik am Einsatzmanagement der Rettungskräfte laut.
  • Michael Weiser
    VonMichael Weiser
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Es wurde niemand schwer verletzt. Aber viele Göttinger wissen noch nicht, wie sie mit den Schäden nach der Flutkatastrophe klarkommen sollen. Unterdessen wird Kritik laut. Die Pumpen seien zu spät in Gang gesetzt worden, beklagen einige Göttinger

Bruckmühl – Kurz vor 20 Uhr kam die Flut, da konnte sich Bauer Hans Görgmayer gerade noch retten, als sein Traktor mitgerissen wurde. Das Wasser kam so schnell, dass die Helfer nicht mehr mitkamen. Höfe und Wiesen soffen ab. Anwohner bemängeln: Auch weil die Pumpen von THW und Feuerwehr erst lange nach Mitternacht Wasser förderten.

„Man muss schon die Frage stellen, warum das so lange gedauert hat“, sagt etwa Gerhard Hardrath. Nichts gegen die Leute der Feuerwehr vor Ort, fügt der Göttinger hinzu, „die schlagen sich für uns die Nächte um die Ohren“. Aber die Koordination sei schlecht gelaufen, jedenfalls bei Weitem nicht so gut wie beim Hochwasser von 2013.

Viele Göttinger loben die Feuerwehr. Aber Hardrath ist beileibe nicht der Einzige, der Kritik übt. Warum, so fragen Betroffene, dauerte es so lange, bis Hilfe kam?

Uneinigkeit am Ort des Geschehens?

Das Geschehen lässt sich nach den Schilderungen der Helfer so zusammenfassen: Es passierte an sehr vielen Orten sehr viel fast gleichzeitig. So äußerte sich auch das Landratsamt, wo der Krisenstab die Einsätze koordinierte.

Am Montag habe ein „extremes Unwetter“ die Region getroffen und eine Schneise vom Mangfalltal bis Rimsting geschlagen. Es habe gegolten, „eine Vielzahl von Einsätzen zu überblicken und zu beurteilen“. Die Alarmierung und Anreise von Helfern aus entfernteren Teilen des Landlreises koste überdies Zeit.

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Vor allem die Lage in Götting sei hingegen „dynamisch“ gewesen, die Sturzfluten erreichten den Ort mit Verzögerung. Noch um 20.20 Uhr sei davon nichts zu sehen gewesen.

Dann aber lief das Protokoll an. Um 20.30 Uhr wurde der Unwetteralarmplan ausgelöst und die Mitglieder des Krisenstabs alarmiert. Wiederum eine halbe Stunde später erhielt das THW Bad Aibling den Auftrag, mit fünf Pumpen nach Götting zu eilen, eine Viertelstunde später erhielt das THW Rosenheim den Auftrag, eine Großpumpe mit einer Kapazität von 15 000 Litern zu schaffen, um 22.17 Uhr wurde die Feuerwehr Au mit ihrer 15 000-Liter-Pumpe in Marsch gesetzt.

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Die Feuerwehr belud ihre Wagen mit der Sonderausrüstung und machte sich auf den Weg. Die Alarmierung kam von der Einsatzzentrale, nachdem der Krisenstab die Kräfte angefordert hatte. Insgesamt haben sich laut Michael Fischer, Sprecher des Landratsamtes, 250 Hilfskräfte von Feuerwehr und THW an den Arbeiten in Götting beteiligt, darunter zwei der drei Unwetterzüge.

Die Lage muss äußerst unübersichtlich gewesen sein

So übersichtlich liest es sich jedenfalls nach den Schilderungen des Landratsamtes. Tatsächlich war die Lage offenbar verworren und schwer einzuordnen. Max Goldbrunner, Einsatzleiter für den Bereich Bad Aibling, zählte 200 Anrufe an jenem Abend. Auch Kreisbrandinspektor Franz Hochhäuser im Krisenstab wusste von einem Strom an Alarmmeldungen zu berichtet. Krisenstab und Einsatzleiter sind aber auf das Funktionieren der Meldekette angewiesen.

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In Götting war Feuerwehrkommandant Bernhard Geier zuständig. Er habe vom Feuerwehrhaus aus die Anstrengungen der Retter koordiniert, sagt er. Er schildert überfordernde Ereignisse: Auf hundert Meter Breite sei das Wasser geströmt, sagt er. „Wir hätten 1000 Sandsäcke benötigt und eine kleine Armee, um sie zu deponieren.“

Auch scheint er mit seinen Meldungen nicht durchgedrungen zu sein. Bei der Leitstelle könne man anfordern, schicken aber müsse der Krisenstab, „und da war das Telefon eine ganze Zeit lang besetzt.“

Die Helfer fanden schwierige Bedingungen vor

Offen bleibt, warum die Auer mit ihrer Pumpe erst eine halbe Stunde nach dem THW alarmiert und entsandt wurden. Schließlich herrscht im Wasserschutzgebiet Götting eine besondere Situation, da dort die Pumpen im Tandem geschaltet werden müssen, um das schmutzige Überschwemmungswasser weit genug wegzupumpen.

Als dann die Verstärkungen nach und nach eintrafen, fanden sie auch noch äußerst widrige Umstände vor. Vollgelaufene Wiesen, die kein Fahrzeug trugen, die Dunkelheit, der Kraftakt, den es die Helfer kostet, um über 400 Meter Schlauchleitungen zu legen.

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Ein Schlauch von 25 Metern wiege 50 Kilo, rechnet der Auer Kommandant Marinus Astner vor. „Da ist ordentlich Manpower gefragt.“ Kurz: Es konnte den Anschein gehabt haben, „dass dies sehr lange dauerte“, schrieb Astner als Antwort auf eine Anfrage der OVB-Heimatzeitungen.

Was erschwerend hinzugekommen sein könnte: Am Schauplatz war man offenbar nicht einer Meinung. Das berichten Zeugen. Man habe sich beraten, so schildert es wiederum Geier, ob man pumpen oder stauen solle, um Absaugtiefe zu gewinnen. „15 Kubikmeter schaffen die Pumpen weg“, sagt außerdem Geier, „gut, aber was nutzt‘s, wenn in der gleichen Zeit 30 über die Straße strömen?“ Und auch der Auer Kommandant Marinus Astner deutet gegenüber den OVB-Heimatzeitungen Meinungsverschiedenheiten an, die möglicherweise einer Nachbesprechung bedurften, um für weitere Einsätze besser gerüstet zu sein.

Landratsamt zieht insgesamt positive Bilanz

Zufrieden äußerte sich das Landratsamt: „Feuerwehr und Technisches Hilfswerk haben nach Angaben der Verantwortlichen vor Ort sehr konstruktiv zusammengearbeitet und waren sich in der Beurteilung der Lage und Umsetzung von Maßnahmen einig.“ Insgesamt, auch im Hinblick auf die extreme Einsatzlage, sei der Einsatz im Mangfalltal daher als „strukturiert und geordnet“ zu bewerten.

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