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Ein Unternehmensberater macht den Ostermünchnern Mut für ihren Bürgerladen

Das Interesse an einem Bürgerladen für Ostermünchen ist riesig. Der Saal des Landgasthofes zur Post war bis auf den letzten Platz gefüllt, als Wolfgang Gröll (im Hintergrund) über die Chancen eines Bürgerladens sprach. Gerlach

Das Interesse an einem Bürgerladen für Ostermünchen ist riesig. Etwa 140 Einwohner des 1500-Seelen-Ortes kamen zur Informationsveranstaltung in den Landgasthof zur Post und löcherten Unternehmensberater Wolfgang Gröll mit ihren Fragen.

Ostermünchen – „Ich gehe davon aus, dass wir in Ostermünchen wieder Lebensmittel einkaufen können“, sagte Bürgermeister Georg Weigl nach der zweistündigen Informationsveranstaltung. Denn nicht nur die Resonanz der Ostermünchener war riesig. Auch ihre Fragen zeigten, dass sie keine „Bedenkenträger“ sind, sondern sich positiv mit ihrem Bürgerladen beschäftigen.

Klein heißt nicht teuer

Unternehmensberater Wolfgang Gröll war zu Gast. Er stand deutschlandweit schon bei der Gründung von etwa 160 Bürgerläden Pate und hatte viele Beispiele im Gepäck. Gute und schlechte. Und so war der Abend fast schon ein Seminar für erfolgreichen ländlichen Einzelhandel. „Klein heißt nicht teuer, und groß heißt nicht billig“, entkräftete Gröll ein weit verbreitetes Vorurteil mit Preisvergleichen von Supermärkten und Dorfläden.

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Anhand erfolgreich geführter Dorfläden machte er den Besuchern Mut und wies zugleich nach, dass „das Regionale das neue Bio“ ist, und ökologische Schlagworte wie verpackungsfrei, frisch, regional oder nachhaltig eigentlich nur in einem Dorfladen umgesetzt werden können.

Gröll: „Das Regionale ist das neue Bio“

Mit Tupperdosen im Pfandsystem beispielsweise. Oder mit Produkten des Bauern, Metzgers oder Bäckers von nebenan. Dabei sei, auch wenn Regionalität noch in einem Umkreis von 50 Kilometern gegeben sei, ein Lieferradius von bis zum 20 Kilometern empfehlenswert, damit sich die Kleintransporte rechneten. Zudem, so Gröll, gebe es weltweit kein strengeres Qualitätskontrollsystem als das eines Dorfladen: „NSA – der Nachbar sieht alles.“

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Gröll verschwieg nicht, dass ein Dorfladen harte Arbeit ist. „Er lebt mit dem Bürger, muss jeden Morgen frische Ware appetitlich anbieten, muss immer gute Laune und den Einkauf zum Erlebnis machen.“

Thema war auch die Selbstverantwortung, -bestimmung und -verwaltung der Bürger, die sich für einen Dorfladen in einer Unternehmergesellschaft (UG) zusammenschließen. „Die Mindesteinlage wird von der Gemeinschaft beschlossen und liegt derzeit bei 300 Euro“, erläuterte Gröll.

Jeder Teilhaber hat das gleiche Recht

Ganz egal, wie hoch die jeweilige Einlage eines Bürgers sei: „Alle Mitglieder der Mini GmbH haben das gleiche Recht.“ Zudem haften die Gesellschafter nur mit ihrer Einlage. „Die Bürger bestimmen auch über die Gewinne ihrer UG, entscheiden, ob sie für Investitionen verwendet werden, in soziale Projekte des Dorfes fließen oder in Form von Einkaufsgutscheinen an die Teilhaber ausgeschüttet werden“, informierte der Unternehmensberater. Ein Bürgerladen mitten im Dorf sei eine Säule der Gemeinschaft. „Hier kauft man auch ein ganz großes Stück Lebensmittel Menschlichkeit.“

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Bürgermeister Georg Weigl erinnerte daran, dass eines der Ergebnisse des Arbeitskreises „Ostermünchen – neu gestalten“ der Wunsch nach einem Dorfladen, nach einem Treffpunkt im Ort war. „Die Gemeinde könnte die Räume dafür zu einem sehr günstigen Preis zur Verfügung stellen“, betonte er.

Die Ostermünchener wollten wissen, wie viel kaufmännnische Kompetenz das Team des Bürgerladens brauche. „Meist sind Seiteneinsteiger die erfolgreichsten Dorfladenbetreiber“, so Gröll, und eine Hausfrau entwickle ein besseres Gespür für den Dorfladen als jeder Einzelhandelsprofi.

Beratung während gesamten Prozesses

Zudem informierte er darüber, dass sein Team den Prozess von der Ideenfindung über den Vorgründungsprozess, die Machbarkeitstudie, Laden- und Sortimentsgestaltung oder den Personaleinsatz bis weit über den Start hinaus begleite.

Finanziert wird die Unternehmensberatung übrigens von der Gemeinde Tuntenhausen, die dafür auch Fördermittel nutzen kann. „Dass heute so viele Menschen da sind, ist ein Signal. Wir machen weiter“, war Bürgermeister Weigl vom großen Interesse der Bürger begeistert. Und Gemeindrat Hans Thiel ergänzte: „Das wird eine ganz neue Qualität von Dorfgemeinschaft.“ Die ersten 60 Ostermünchener machten noch am Abend Nägel mit Köpfen und schrieben sich in die Liste für den Arbeitskreis „Bürgerladen Ostermünchen“ ein.

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