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Anonymer Anruf

Übung überschreitet die Sperrstunde – Drohung gegen Ostermünchener Wehr

Die Feuerwehr Ostermünchen bei einer Übung am Gerätehaus. Die Kameraden opfern ihre Freizeit, um den Brandschutz in der Gemeinde zu gewährleisten. Zudem sind sie als First Responder im Einsatz.
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Die Feuerwehr Ostermünchen bei einer Übung am Gerätehaus. Die Kameraden opfern ihre Freizeit, um den Brandschutz in der Gemeinde zu gewährleisten. Zudem sind sie als First Responder im Einsatz.
  • Kathrin Gerlach
    VonKathrin Gerlach
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Der Kommandant der Feuerwehr Ostermünchen staunte nicht schlecht, als er eines Mittwochsmorgens – nach seiner Nachtschicht in der Rettungsleitstelle – von einer unbekannten Frau mit unterdrückter Rufnummer auf seinem Handy angerufen wurde. Was er dann hörte, verschlug ihm allerdings die Sprache.

Tuntenhausen – „Die Dame drohte mir an, dass sie unsere Feuerwehr bei der Polizei anzeigen werde, wenn sie noch einmal beobachte, dass nach der Sperrstunde um 22 Uhr noch Leute ohne Maske im Gerätehaus zusammenstehen“, gibt Uli Murnauer den Anruf wieder.

Anstrengende Übung mit neuer Technik

Zwei Tage zuvor hatte eine größere Übung der Feuerwehr stattgefunden. Kommandant Murnauer war selbst nicht dabei, aber sein Stellvertreter Michael Marx. „Leider hat unsere Übung länger gedauert als geplant. Und das, obwohl wir extra schon um 18.40 Uhr, also eine Stunde früher als gewohnt, angefangen haben“, erklärt er.

Seit einem Jahr besitzt die Feuerwehr Ostermünchen zwei neue Fahrzeuge: das Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug und den Gerätewagen Logistik. „Alle Kameraden müssen an den Fahrzeugen ausgebildet sein, um im Ernstfall die Einsatzbereitschaft unserer Wehr zu garantieren“, betont Marx. An besagtem Montag stand der neue Gerätewagen im Fokus: „Wir haben das Verlegen von Schläuchen über die Strecke von einem Kilometer trainiert“, erklärt der stellvertretende Kommandant und ergänzt: „Das ist eine körperlich sehr anstrengende Arbeit.“

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Nach der Übung brachten die Ostermünchener Kameraden ihre Schläuche in die neue Waschanlage nach Tuntenhausen. „22.10 Uhr sind wir in unser Gerätehaus zurückgekehrt“, zitiert Marx aus dem Fahrtenbuch. „Danach mussten wir noch alles aufräumen. Und das hat bis 22.45 Uhr gedauert.“

Die Übungen der Feuerwehr finden unter Hygienevorschriften statt. Das Tragen von FFP2-Masken ist selbst bei körperlicher schwerer Arbeit vorgeschrieben. „Dass die Männer da zwischendurch die Maske auch mal kurz absetzen, durchatmen und etwas trinken müssen, ist ganz normal“, betont Kreisbrandsinspektor Max Goldbrunner.

Wehren müssen einsatzbereit sein

Im vergangenen Jahr durften die Feuerwehren bis in den Sommer hinein keine Ausbildungen und Übungen durchführen. Dass diese nun wieder erlaubt sind, hat einen guten Grund: „Brandschutz ist eine Pflichtaufgabe der Gemeinden. Diese übernehmen die Freiwilligen Feuerwehren im Ehrenamt.

Übungen und Ausbildungen dienen dazu, die Einsatzbereitschaft und -qualität der Feuerwehren zu erhalten, denn wenn ein Mensch in seiner Not die 112 wählt, erwartet er, dass die Feuerwehr kommt und ihm hilft“, macht Goldbrunner klar. Deshalb haben in der vergangenen Woche auch die staatlichen Feuerwehrschulen ihren Ausbildungsbetrieb wieder aufgenommen. Die Lehrgänge für die Kameraden laufen wieder an.

Die Reaktion auf die Übung der Ostermünchener Wehr hat einen faden Beigeschmack hinterlassen. Die Kameraden sind enttäuscht, dass ihr Ehrenamt auf diese Weise „gewürdigt“ wird. „Wir fahren als First Responder und Feuerwehr so schwere Einsätze. Da muss man danach auch mal ein paar Worte wechseln dürfen, um das zu verarbeiten“, sagt Michael Marx.

An 365 Tagen rund um die Uhr einsatzbereit

„Das ist die größte Unverschämtheit, die ich in den vergangenen 40 Jahren erlebt habe“, ist Josef Nieder empört. Er ist ein Urgestein der Ostermünchener Wehr, war bis zu seinem 65. Geburtstag viele Jahre im aktiven Einsatz und weiß genau, was es bedeutet, neben der Familie und der Arbeit noch den ehrenamtlichen Feuerwehr-Dienst fürs Gemeinwohl zu leisten: „Wir sind an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr für die Bürger da. Und dann so etwas!“

Auch Josef Merk, der Tuntenhausener Kommandant, hat kein Verständnis für die anonyme Drohung: „Das ist eine bodenlose Frechheit.“ Er kann verstehen, dass durch die Kontaktbeschränkungen bei manchen Leuten der Eindruck entstehe, die Feuerwehr werde bevorteilt, doch: „Das Wasser aus seinem Keller pumpen, kann man vielleicht noch allein. Aber ein Hochwasser wie im August bekämpft man nicht ohne eine geübte, funktionierende Truppe.“ Zudem lenkt er den Blick vor die Lebensmittelmärkte: „Da stehen die Leute doch auch zusammen und unterhalten sich. Warum gönnt man das den Kameraden nach einer Übung nicht auch?“

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Doch wäre die Polizei eigentlich zum „Tatort“ ausgerückt, wenn sie einen anonymen Hinweis bekommen hätte? „Es ist unser gesetzlicher Auftrag, allen Hinweisen aus der Bevölkerung nachzugehen“, betont Martin Emig von der Pressestelle des Polizeipräsidiums in Rosenheim. „Wir kontrollieren die Umstände vor Ort und wenn alles passt, fahren wir wieder.“

Der Ostermünchener Kommandant Uli Murnauer hat einen Vorschlag, der der Polizei einen unnötigen Einsatz und dem Bürger Steuergelder spart: „Wenn die Leute Fragen an uns haben oder ihre Kritik äußern möchten, können sie jederzeit ins Gerätehaus kommen und uns fragen. Wir erklären lieber, warum wir so lange aktiv sind, als uns im Nachhinein über solch einen Anruf zu ärgern.“ Die nächsten Übungen der First Responder und der anderen Kameraden finden übrigens am 12., 17. und 18. Mai, ab 19 Uhr beziehungsweise 19.30 Uhr am Gerätehaus statt.

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