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100 Jahre Trachtenverein

Tuntenhausen: So feiert der Trachtenverein Eichenlaub Schönau sein 100-jähriges Bestehen

Barbara und Georg Gaar: Die beiden sind seit 70 und 75 Jahren Mitglied im Trachtenverein. stache/re
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Barbara und Georg Gaar: Die beiden sind seit 70 und 75 Jahren Mitglied im Trachtenverein.
  • vonWerner Stache
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Häppchenweise feiert der Trachtenverein Eichenlaub Schönau heuer sein 100-jähriges Jubiläum. Georg Gaar (93) erinnert sich an seine Mitgliedszeit.

Tuntenhausen – Start ist am kommenden Sonntag mit einer Festmesse im Freien am Dorfplatz von Schönau um 10 Uhr – darüber hinaus sind noch weitere Aktionen geplant (siehe Kasten). Und einer freut sich ganz besonders über das Jubiläum: Georg Gaar (93) – er ist seit über 75 Jahren Mitglied des Vereins und erinnert sich noch an Veranstaltungen Mitte der 40er-Jahre.

Vor über 100 Jahren startet die Geschichte

Aber von vorne: Vor über 100 Jahren begann die Geschichte des Vereins. Vor dem Ersten Weltkrieg erlernten Schönauer Burschen das Schuhplattln in Glonn. Später schlossen sich einige von ihnen dem jungen Ostermünchner Verein an. 1921 entschied man sich aber, etwas eigenes auf die Beine zu stellen: Und so gründeten elf Burschen am 13. Juli im Schönauer Gasthaus den Verein.

Fahne für 63 890 Mark im Jahr 1922 bestellt

Ein Blick in die Chronik zeigt, dass der Gebirgstrachtenerhaltungsverein „Eichenlaub“ Schönau damals an Flaggenhissungen und Sonnwendfeiern teilnahm. Sie hatten sogar eine eigene Fahne bestellt – trotz den hohen Kosten während der Inflation: Im Oktober 1922 wurde die Fahne abgeholt – die Kosten beliefen sich auf 63 890 Mark. Die Bedeutung der Schönauer kam schon damals zum Tragen: 1932 durften sie das Gaufest ausrichten. Zu diesem Fest wurde auch der Adlerflaum bei den Männern als einheitlicher Hutschmuck eingeführt. „Den haben wir auch heute noch“, sagt Ehrenvorstand Richard Bonnetsmüller.

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Weiter in der Historie: Beim Gaufest 1938 in Bad Aibling erhielten die Schönauer bereits den 1. Preis. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kam das Vereinsleben zum Erliegen. Kurz nach Kriegsende, am 25. Oktober 1945, fand die erste Versammlung statt. Wie ärmlich es zuging, zeigt ein Blick in die Gauchronik: Eine Feier zum 25-Jubiläum fand nicht statt, da es nicht ausreichend Bier und Verpflegung gab. Zum ersten Trachtenfest 1947 in Glonn fuhr man mit einem Bulldog, der mit mit zwei Anhängern ausgestattet war .

Daran kann sich Georg Gaar (93), der „Schmied-Girgl von Söhl“, noch genau erinnern: „Das war an Pfingsten. Ich saß selbst auf einem der Anhänger. Damals gab es halt noch keine Gendarmen, da ging sowas.“

Gaar auch Vorplattler

Nach dem Krieg war Tanzen angesagt, dazu traf man sich auf den Bauernhöfen. Gaar war später sogar Vorplattler. Und so ereignete sich es Ende der 40er-Jahre bei der Hochzeit der Wirtsleute Jakob und Anna Huber, dass er mit den Aktiven auf Wunsch des Hochzeiters den Holzhacker als Ehrentanz aufführte. Der Hochzeiter hatte sich aber dazu bedungen, dass beim Hacken die „Holzschoatn unter die Leit einefliagn müassn – und wenns des ned machan, dann griangs koa Brotzeit“.

Brautwunsch nicht abschlagen

Nun, Gaar erinnerte sich, dass man einen Brautwunsch nicht abschlagen dürfe, das brächte Unglück. Also holten sie einen Baumstamm auf die Tanzfläche und führten unter dem Beifall der Gäste den Tanz auf. Humorvoll und verschmitzt erzählt er auch von der Fahrt zum Trachtenfest nach Neuötting. Einige Kilometer vor dem Ziel ging der Motor kaputt „Wir gingen einfach zu Fuß weiter nach Neuötting“, so Gaar. Doch auch die Rückfahrt war abenteuerlich: Man hängte sich mit einem Seil an einen Aiblinger Bus und fuhr nach Hause. Allerdings nur bis zu einem steileren Bergstück. Dann riss das Seil.

Gaar freut sich über Ferilichkeiten

Mitte der 50er-Jahre lernte Georg Gaar dann seine Frau Barbara kennen, die er 1959 heiratete. Auch sie ist mittlerweile schon 70 Jahre Mitglied beim Trachtenverein. Damit zählen die Beiden zu den ältesten Mitgliedern des Vereins und eines der am längsten verheirateten Paare. „Wir haben schon viermal Hochzeit gefeiert“, meint er. Die echte Hochzeit, die Silberne, die Goldene und die Diamantene. „Und dreimal davon kirchlich“, ergänzt Ehefrau Barbara. Er freut sich übrigens sehr darüber, dass der Verein dieses Jubiläum feiern kann.

Unter Richard Bonnetsmüller lebt Musik wieder auf

Weiter in der Historie: Zu einem Trachtenverein gehört auch eine Musikkapelle. Josef Niedermeier aus Sindlhausen gründete 1948 eine Blaskapelle, die allerdings schnell wieder aufgelöst wurde. Erst unter der Ägide von Richard Bonnetsmüller, der von 1979 bis 2005 Vorsitzender war, lebte die Musik wieder auf, 1985 war der erste öffentliche Auftritt der Schönauer Jugend Blaskapelle. Für Bonnetsmüller war die Musik und das Theater immer ein wichtiger Aspekt.

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Er erinnert sich an den Start in den 80er-Jahren: „Die Schüler waren völlig unvorbelastet, Flöte in der Schule war alles.“ Umso stolzer ist er heute, was daraus geworden ist. „Ein Großteil der jungen Musiker von damals ist heute noch aktiv dabei“, so Bonnetsmüller. Auch das alte Schönauer Krippenspiel sah den Ehrenvorstand mit der Ortsgemeinschaft als großen Antreiber. Und so wurde die Basis dafür gelegt, dass der Trachtenverein „Eichenlaub“ Schönau voller Stolz mit seinen 534 Mitgliedern heuer seinen 100. Geburtstag feiert.

Festprogramm zum Jubiläum

Das Festprogramm: Messe, Konzert und eine Ausstellung

Ursprünglich sollte das große Jubiläum vom 10. bis 14. Juni im Rahmen einer Festwoche gefeiert werden: Unter anderem mit dem Kabarettisten Wolfgang Krebs & den Bayerischen Löwen, mit Wein- und Bierfest und einem Heimatabend. Doch die Pandemie durchkreuzt die Pläne. Deshalb planen die Schönauer ein „Jahresfest“ mit mehreren kleineren Veranstaltungen.

Los geht es am Sonntag, 13. Juni, mit einer Festmesse. Beginn ist um 10 Uhr am Dorfplatz in Schönau. Eine anschließende Feier ist nicht möglich. Dennoch können die Bürger beispielsweise ein Festessen von der Familie Gaar abholen. Darüber hinaus sind im Verlauf des Festjahres Veranstaltungen geplant – Daten stehen dazu coronabedingt noch nicht fest: Die Schönauer Musi plant ein Konzert im Freien, für die verschiedenen Gruppen des Vereins soll es eine Auftritts- Möglichkeit geben. Und im Alten Schulhaus ist im Frühherbst eine Ausstellung zu „100 Jahre Trachtenverein Eichenlaub Schönau“ geplant.

Diese Aufnahme stammt von 1923 und ist somit eine der ältesten Aufnahmen des Vereins: Es zeigt das Zusammenkommen hinsichtlich der ersten Fahnenweihe, die bereits nach dem zweijährigen Vereinsbestehen gefeiert wurde.

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