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Trainer aus Ostermünchen im Interview

„Selbstverteidigung ist allumfassend“: Was ein 70-Jähriger mit seinen Kursen bewegen will

Trainer Peter Steyrer (im linken oberen Bild und im Hauptbild links zu sehen) bietet Selbstverteidigungskurse in Ostermünchen an.
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Trainer Peter Steyrer (im linken oberen Bild und im Hauptbild links zu sehen) bietet Selbstverteidigungskurse in Ostermünchen an.
  • Nicolas Bettinger
    VonNicolas Bettinger
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Als einer von mehreren Trainern in Ostermünchen bietet Peter Steyrer Selbstverteidigungskurse für jedermann an. Warum Deeskalation bereits im Kopf anfängt und was bei einer „unangenehmen Umarmung“ zu tun ist.

Tuntenhausen – Ein Mann wird auf dem nächtlichen Nachhauseweg von zwei unbekannten Männern angepöbelt, bedroht und schließlich unvermittelt geschlagen und getreten. Immer wieder berichtet die Polizei von diversen Fällen, in denen am Ende nicht selten schwere Verletzungen und Behandlungen im Krankenhaus folgen. Um solchen Geschehnissen vorzubeugen und um das eigene Sicherheitsgefühl zu steigern, bietet die „Budo“-Abteilung des Sportvereins Ostermünchen ein für jedermann auf Selbstverteidigung ausgerichtetes Training in einer kleinen Gruppe von Freizeitsportlern an.

Einer der Trainer ist der 70 Jahre alte Peter Steyrer, Abteilungsleiter der Selbstverteidigungsgruppe beim SVO-Ostermünchen. Er selbst betreibt seit seinem 18. Lebensjahr Kampfsport und kann es auch im gehobenen Alter noch immer mit deutlich jüngeren Sportlern aufnehmen. Im Interview erzählt er, warum ein Selbstverteidigungskurs wichtig ist und wie man sich bei einer „unangenehmen Umarmung“ verhalten sollte.

Herr Steyrer, welches Ziel verfolgen Sie mit dem angebotenen Kurs?

Peter Steyrer: Unser beziehungsweise mein Ziel ist es, den Menschen die Philosophie der fernöstlichen Selbstverteidigungssportarten näher zu bringen. Es besteht darin, bereits im Vorfeld aggressive Situation zu erkennen, diesen selbstbewusst entgegenzutreten und im ersten Ansatz zu versuchen, diese zu deeskalieren. Im weiteren Verlauf des Ernstfalles sich so zur Wehr zu setzen, dass dieses auch der Verhältnismäßigkeit entspricht. Das heißt konkret, dass sich der oder die Angegriffene im Falle einer unangenehmen Umarmung anders zur Wehr setzt, als bei einem tätlichen Angriff mit Schlägen, Messer oder Ähnlichem.

Warum ist Selbstverteidigung in Ihren Augen für jeden Menschen wichtig?

Steyrer: Leider kommt es mittlerweile auch in Deutschland häufig zu Gewalttaten, so dass es nur von Vorteil sein kann, zu wissen, wie man sich in entsprechenden Situationen verhält und sich soweit zu wehren vermag, um möglichst schadlos für sich und andere die Auseinandersetzung zu beenden. Natürlich hat auch der Aspekt der körperlichen Ertüchtigung für die eigene Gesundheit hierbei seine positive Seite.

Wird es immer wichtiger, sich selbst verteidigen zu können?

Steyrer: Gewalttätigkeiten sind so alt wie die Menschheit selbst. Es mag sein, dass in den letzten Jahren die gewaltsamen Übergriffe wieder zugenommen haben oder wir nur mehr durch die Medien erfahren. Jedenfalls finde ich es aber wichtig, gewissen Gefahren gegenüber gewappnet zu sein, entweder diese mit der einen oder anderen Technik abzuwehren oder die gefährliche Situation im Vorfelde schon so weit zu deeskalieren, dass es gar nicht mehr zu einer tätlichen Auseinandersetzung kommen muss.

Mit wie vielen Kursteilnehmern arbeiten Sie an der Selbstverteidigung?

Steyrer: Wir trainieren meistens in kleineren Gruppen mit circa zehn Teilnehmern. Dies hat auch den Vorteil, dass sich die einzelnen Meister für die Anfänger genügend Zeit nehmen können.

Und welche Zielgruppe sprechen Sie an?

Steyrer: Unsere Zielgruppe ist der normale Mitbürger in der Altersgruppe von zwölf Jahren bis ins weiter fortgeschrittene Alter. Dieser sollte bereit sein, regelmäßig etwas für seine Fitness und sein Selbstbewusstsein zu tun. Selbstverteidigungstechniken erlernen und trainieren die Teilnehmer dabei begleitend. Sie brauchen keine Supersportler zu sein. Die Fitness bauen sie durch regelmäßiges Training selbst auf.

Was bringen Sie Ihren Teilnehmern genau bei?

Steyrer: In erster Linie die Entwicklung der Persönlichkeit, um sich darüber bewusst zu sein, was man kann und wie man eine Situation friedlich beendet. Außerdem das Umsetzen der Techniken, sollte es wirklich zu einer tätlichen Auseinandersetzung kommen. Dies beinhaltet in erster Linie einfache Befreiungstechniken, richtiges Stürzen beziehungsweise Hinfallen, um sich dabei nicht zu verletzen und um sofort wieder aufzustehen. Inhalte sind außerdem Abwehrblöcke gegen Schläge oder Messerstiche, Abwehrtechniken gegen Würgen, Festhalten, Hebel und Vergewaltigung.

Was ist noch wichtig?

Steyrer: Entscheidend ist das Ausnutzen des Schwunges vom Angreifer, um diesen mit seinem eigenen Schub ohne viel Kraftaufwand zu werfen oder anderweitig zu fixieren. Ebenso gehören Schlagtechniken an die richtige Stelle des Angreifers dazu. Hinzu kommen Wurftechniken sowie Festhalte- , Hebel- und Würgetechniken. Es gibt unzählige Techniken, die man im Laufe der Trainingsjahre erlernt. Ich bin aber der Meinung, dass eine geringe Anzahl von rund 15 Grundtechniken vorerst zur Selbstverteidigung gegen einen Angriff von einigen Raufbolden genügt, um die Situation zu meistern. Viel wichtiger als eine übermäßige Vielzahl von Techniken ist, dass diese Techniken so oft geübt werden, bis sie spontan kommen und man nicht lange überlegen muss.

Worum geht es ganz allgemein bei der Selbstverteidigung?

Steyrer: Selbstverteidigung ist allumfassend. Zunächst geht es um das Erkennen und Einschätzen der Situation und Gefahr. Danach muss schnell entschieden werden: Ist ein deeskalierendes Gespräch noch sinnvoll oder ist es schon zu spät dafür? Wenn dann niemand anderes in Gefahr ist und man noch die Möglichkeit hat, zu gehen, ist das oft die bessere Alternative. Sollte Weggehen nicht mehr möglich sein, können Sie sich verteidigen und dem Angreifer mit dem Erlernten empfindlich weh tun.

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