Tuntenhausen büßt eine Million Euro ein – Finanzstarke Gemeinde bleibt trotzdem schuldenfrei

Tuntenhausen aus der Vogelperspektive: Dieses Bild wird sich in den nächsten Jahren verändern, denn allein in Tuntenhausen Nord könnten abhängig von der Grundstücksgröße bis zu 45 Eigenheime entstehen. Archiv
+
Tuntenhausen aus der Vogelperspektive: Dieses Bild wird sich in den nächsten Jahren verändern, denn allein in Tuntenhausen Nord könnten abhängig von der Grundstücksgröße bis zu 45 Eigenheime entstehen. Archiv

Auch wenn die Gemeinde Tuntenhausen aufgrund der Corona-Krise mit Mindereinnahmen von circa einer Million Euro rechnet. Die finanzstarke Gemeinde bleibt trotzdem schuldenfrei und muss auch an ihrem Fünf-Jahres-Investitionsplan keine Abstriche machen. Hier einige Investitions-Schwerpunkte.

Tuntenhausen – Die durch die Corona-Krise verursachte prekäre wirtschaftliche Lage der Unternehmen wirkt sich auf den Haushalt aller Kommunen aus – auch auf den der Gemeinde Tuntenhausen. „Wir erhalten fast täglich neue Gewerbesteuer-Messbescheide des Finanzamtes“, informierte Bürgermeister Georg Weigl auf der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Steuereinnahmen werden enorm sinken

Doch nicht nur im Bereich der Gewerbesteuer wird mit weniger Einnahmen gerechnet. Auch die Kurzarbeit vieler Beschäftigter wirkt sich auf den Anteil an der Einkommenssteuer aus, den die Gemeinde erhält. „Wir rechnen mit Mindereinnahmen von etwa einer Million Euro“, so Weigl.

Mitarbeiter verzichten auf Großraumzulage

Ein besonderes Zeichen der Solidarität in dieser schwierigen Zeit setzen die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung: „Die Großraumzulage wurde im aktuellen Haushaltsplan nicht berücksichtigt. Dadurch sparen wir circa 200 000 Euro ein“, so der Bürgermeister.

Gemeinde bleibt schuldenfrei

Die Gemeinde Tuntenhausen ist finanziell gut aufgestellt. Weigl: „Wir können das Einnahmenminus kompensieren.“ Am Fünf-Jahres-Investitionsplan für 2019 bis 2023 müssen keinerlei Abstriche gemacht werden. Auch Kreditaufnahmen sind nicht erforderlich. Damit bleibt Tuntenhausen weiterhin schuldenfrei.

Investitionen von 23 Millionen Euro

Insgesamt investiert die Gemeinde in diesen fünf Jahren 23,306 Millionen Euro. Dem stehen geplante Einnahmen in Form von Fördermitteln oder Grundstücksverkäufen in Höhe von 9,89 Millionen Euro gegenüber. Die Gemeinde stemmt also 13,416 Millionen Euro aus eigener Kraft.

Größte Investition: das neue Kinderhaus

Ein paar Beispiele aus dem Investitionsprogramm: Die größte Investition in dieser Zeit ist das neue Kinderhaus in Tuntenhausen mit 3,91 Millionen Euro (wir berichteten).

Neues Löschfahrzeug und Schlauchwaschanlage

Für 430 000 Euro erhält die Feuerwehr in Ostermünchen in diesem Jahr ein neues Löschgruppenfahrzeug HLF 20. Dafür gibt es Fördermittel in Höhe von 130 000 Euro. Mit 77 000 Euro schlägt die Schlauchwaschanlage für die Feuerwehren zu Buche, die mit 19 000 Euro bezuschusst wird.

Digitalisierung der Schulen

In den Ausbau Glasfasernetzes investiert die Gemeinde in diesem Jahr 210 000 Euro, von denen 160 000 Euro Fördermittel enthalten sind. Dabei geht es vor allem um die Anbindung der Schulen, um die Voraussetzungen für deren Digitalisierung zu schaffen, für die im Laufe der fünf Jahre 430 000 Euro eingeplant sind. Dafür wurden Fördermittel in Höhe von 220 000 Euro beantragt.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

„Wie dringend das ist, sieht man jetzt“, kommentierte Hans Thiel (CSU/FWG). „Hätten wir dieses Förderprogramm schon vor zwei Jahren gehabt, wäre das Homeschooling sicherlich besser gelaufen“, räumte Weigl ein und ergänzte, dass die Gemeinde bei den Vorbereitungen der Digitalisierung der Schulen schon weit sei. Die Pädagogen haben ihren Bedarf angemeldet. Die Antragstellung läuft.

Neue Möbel für die Krippe „Purzelbaum“

Im Kinderhaus „Purzelbaum“ in Hohenthann sind in diesem Jahr 30 000 Euro für die Sanierung der Sanitäranlagen und für Einrichtungsgegenstände im Bereich der Krippe eingeplant.

Gemeinde erhält Aufbaumittel für Straßen

Für die Sanierung der gemeindlichen Straßen stehen jährlich 150 000 Euro zur Verfügung, außer in diesem Jahr – da sind es nur 125 000 Euro (wir berichteten). Dafür erhält die Gemeinde in den Jahren 2020 und 2021 jeweils 50 000 Euro sowie 2022 und 2023 jeweils 60 000 Euro. „Dabei handelt es sich um eine staatliche Aufbaumaßnahme, weil es keine Straßenausbaubeiträge mehr gibt“, informierte Kämmerer Andreas Marx.

Neues Gerät für den Banketteinbau

Der Bauhof soll in diesem Jahr ein neues Gerät zum Banketteinbau erhalten. Dieses kostet 42 000 Euro. Dieser Neuwerb mache nach Informationen des Bürgermeisters Sinn, da im Jahresverlauf zahlreiche Bankettarbeiten im Gemeindegebiet anfallen.

Gemeinde investiert in neue Wohngebiete

Auch die neuen Wohngebiete spiegeln sich im Investitionsplan wider. Tuntenhausen-Nord schlägt 2021 mit 910 000 Euro für den Grunderwerb zu Buche. Hier wird im kommenden Jahr mit Einnahmen von 770 000 Euro durch den Verkauf der ersten Grundstücke im Rahmen des Einheimischenmodells gerechnet.

Die Erweiterung des Oberrainer Feldes ist – ebenfalls im kommenden Jahr – mit Ausgaben von 965 000 Euro veranschlagt. Aus den Verkäufen erster Grundstücke sind gleichzeitig Einnahmen von 870 000 Euro geplant. Der Hirschgarten in Hohenthann ist im Jahr 2022 mit Ausgaben von 370 000 und Einnahmen von 333 000 Euro im Plan verankert.

Das könnte Sie auch interessieren:

Liveblog zur Lage in der Region und in Bayern: Corona: Söder erwartet zweite Welle - Lockerung für Gastronomie ab Pfingsten?

Enttäuschung und Trauer bei Ostermünchener Trachtlern

Kommentare