Treuebeweis: Bad Aiblinger Familien hätten auch fürs geschlossene Freibad Eintritt gezahlt 

Sie freuen sich mit vielen anderen, dass das Harthauser Freibad heuer doch noch öffnen wird: Tobias und Christiane Weiß, Kioskbestzerin Monika Ried, Rettungsschwimmer Martin Sork, Jochen Schmidt, Fachangestellter für Bäderbetriebe (FAB), Schwimmmeister Lutz Haagen, FAB Matthias Hehn, sowie die Initiatorin der Unterstützungsaktion, Ulrike Bayer, mit ihren Kindern Franziska, Jonas und Miriam (von links).
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Sie freuen sich mit vielen anderen, dass das Harthauser Freibad heuer doch noch öffnen wird: Tobias und Christiane Weiß, Kioskbestzerin Monika Ried, Rettungsschwimmer Martin Sork, Jochen Schmidt, Fachangestellter für Bäderbetriebe (FAB), Schwimmmeister Lutz Haagen, FAB Matthias Hehn, sowie die Initiatorin der Unterstützungsaktion, Ulrike Bayer, mit ihren Kindern Franziska, Jonas und Miriam (von links).
  • Eva Lagler
    vonEva Lagler
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Eine Saisonkarte für das Freibad kaufen, obwohl heuer womöglich kein Tropfen Wasser ins Becken fließen würde? Wer macht denn sowas? 37 Familien aus Bad Aibling haben‘s getan – aus Solidarität für ihr geliebtes Harthauser Bad. Das zu ihrer Freude aber im Juli nun doch noch öffnen wird.

Bad Aibling – Die Corona-Krise hat neben vielem Belastenden auch eine Menge Geschichten der Solidarität geschrieben. Eine besonders schöne spielt hier in Bad Aibling. Genauer gesagt, im Freibad Harthausen, von dem bis vor Kurzem noch gar nicht feststand, ob es heuer überhaupt öffnen würde.

Wie beliebt das Bad bei der Bevölkerung ist, war nicht nur in dessen Jubiläumsjahr 2018 anhand der Chronik der Bad Aiblingerin Martina Mayer dokumentiert worden, sondern zeigt sich Jahr für Jahr an dem ungebrochenen Besucherstrom. Doch heuer drohte der komplette Lockdown – auch über den ganzen Sommer hinweg.

Das ließ die Bad Aiblingerin Ulrike Bayer nicht unberührt. „Das Bad ist so ein toller Treffpunkt für alle, vor allem für Familien und auch Rentner. Das Personal ist unglaublich toll, die Bademeister und auch die Kioskbesitzerin geben sich solche Mühe und man is

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t einfach gerne dort. Und die Preise sind wirklich absolut fair“, sagt sie. In ihr erwachte der Wunsch, etwas zurückzugeben. Ein positives Zeichen zu setzen.

„Wir möchten gern eine Saisonkarte für die Familie kaufen“, sagte sie schon früh im Jahr, mitten in der Corona-Krise, zu Schwimmmeister Lutz Haagen. Dessen Antwort: „Warte doch erst mal ab, wir wissen ja noch gar nicht, ob wir überhaupt öffnen.“ Doch das spielte für Bayer keine Rolle. „Egal, wie kurz die Saison vielleicht ist, wir kaufen eine Karte. Auch wenn das Bad heuer überhaupt nicht aufmachen sollte.“

37 Unterstützer in nur vier Tagen

Als sie mit Nachbarn über dieses Vorhaben redete, entwickelte sich eine unerwartete Dynamik: „Innerhalb von vier Tagen sind immer mehr mit dazu gekommen, sodass allein aus unserem Kreis jetzt 37 Saisonkarten gekauft werden“, freut sich Ulrike Bayer über die Resonanz. „Das Bad stellt so viel an Freizeitwert dar, es ist ein toller Treffpunkt für alle Generationen. Wir wollen einfach etwas von dem zurückgeben, was das Bad und das Personal uns jeden Sommer geben“, spricht Ulrike Bayer ihren Mitstreitern aus dem Herzen. 70 Euro kostet eine Saisonkarte für Familien.

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Auch Christiane Weiß war sofort dabei, als sie von der Idee hörte. „Wir sind jeden Sommer wahnsinnig gerne hier. Unsere Kinder haben hier das Schwimmen gelernt und wir alle sind sehr glücklich, dass das Bad heuer doch noch öffnet.“

Überwältigt und gerührt von der Aktion zeigten sich Lutz Haagen, Kioskbesitzerin Monika Ried, die beiden Fachangestellten für Bäderbetriebe Matthias Hehn und Jochen Schmidt sowie Rettungsschwimmer Martin Sork, als Bayer die Liste derer überreichte, die selbst dann eine Saisonkarte kaufen wollten, wenn das Bad überhaupt nicht geöffnet hätte. Denn danach hatte es zunächst ausgesehen: Zu Beginn des Lockdowns, als noch nicht absehbar war, wie das öffentliche Leben weitergehen wird, hatte der damalige Bürgermeister Felix Schwaller erklärt, das Bad werde diese Saison geschlossen bleiben.

Beckenwand wird derzeit noch erneuert

Als jedoch später die ersten Lockerungen durch die Bayerische Staatsregierung angedeutet wurden, stand für den neuen Bürgermeister Stephan Schlier und den Bauausschuss fest, dass man das Bad doch öffnen werde, allerdings erst, wenn die vorgezogenen Arbeiten der Beckenwanderneuerung abgeschlossen sind. Dies wird Mitte/Ende Juli der Fall sein – der genaue Termin steht noch nicht fest.

Ein Bad mit ganz eigenem Charme

Der moralische Rückhalt, den das Bad durch die Aktion der Bürger erfährt, bestätigt Schlier, dass man mit der Öffnung die richtige Entscheidung getroffen habe, auch wenn dies angesichts der dann doch sehr kurzen Saison mit sehr hohen Kosten verbunden sei. „Das Freibad Harthausen gehört einfach zum Sommer dazu. Es hat seinen ganz eigenen Charme, eine wunderbare Lage, eine große Liegefläche und ist sehr familienfreundlich“, betont er.

Den Bürgern, die sich so hinter das Bad stellen, könne man wirklich und von Herzen nur Danke sagen: „Es ist schön, zu sehen, wie die Einrichtung geschätzt wird.“ Die Eintrittspreise bleiben im Übrigen genauso wie beim Freibad an der Therme unverändert.

Alle gemeinsam hoffen, dass der kurzen Badesaison wenigstens ein schönes Wetter beschert wird – gerade in der Ferienzeit, in der heuer zum einen doch viele Bad Aiblinger Familien zuhause bleiben werden, man zum anderen aber auch wieder mehr Urlauber in der Kurstadt erwartet.

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