Trauer um einen engagierten Künstler

Franz Ferdinand Wörle war über 18 Jahre geschätztes Mitglied im Künstlerischen Beirat der Galerie Markt Bruckmühl. Baumann

Bruckmühl. – Das unvermutete Ableben des Bildhauers Franz Ferdinand Wörle aus Grafing bei Ebersberg hat in der Region große Betroffenheit ausgelöst.

Wörle war nicht nur ein engagierter Künstler, sondern auch eine beliebte Persönlichkeit. Geradlinig wie seine Kunstwerke war sein Wesen, und man kannte ihn als hilfsbereit, aufrichtig und humorvoll. 1950 in München geboren, fühlte er sich bereits in frühen Jahren zur Kunst hingezogen. An der Akademie der bildenden Künste in München wandte er sich zunächst dem Umgang mit den Materialien Glas, Keramik und Holz zu, bevor er in Eisen den Werkstoff fand, in dem er seine Vorstellungen am überzeugendsten verwirklichen konnte.

Das Thema Franz Wörles sind streng geometrische, disziplinierte Skulpturen, denen er Bezeichnungen wie Tore, Stelen oder Seelenhäuser gab. Innerhalb eines bewusst eng konzipierten Formenvorrats entstehen immer neue Gestaltungen, keine ist der anderen gleich. Auf Dauer verändert sich die Oberfläche der eisernen Objekte, Rost in allen Rotschattierungen macht die fortschreitende Zeit sichtbar und erzählt von Bestehen und Vergänglichkeit. Beispiele für die sensiblen Eisenskulpturen gibt es mehrere im nahen Umkreis. Vor der Galerie Markt Bruckmühl steht seit der Eröffnung eine Arbeit mit dem Titel „Tor II“. Sie weist darauf hin, dass in dem historischen Italienerhaus die Kunst eine Heimat gefunden hat und hier die Begegnung von Geschichte und Gegenwart vollzogen wird. Eine weitere Skulptur steht derzeit noch im Rahmen des vierten Skulpturenwegs am Bach in Bruckmühl an der Rückseite der Sparkasse.

Und ein sehr hohes, mächtiges „Tor“ hat der Bildhauer auf Bitte der Stadt Bad Aibling neben der Stelle des Zugunglücks vom 9. Februar 2016 errichtet. Dieses Tor symbolisiert den „Übergang vom Leben bis in den Tod“, möchte der Künstler vermitteln.

18 Jahre gehörte Franz Ferdinand Wörle dem künstlerischen Beirat der Galerie Markt Bruckmühl an. Und obwohl er sein Amt als Juror vor zwei Jahren mit der Begründung „Jetzt sollte ein jüngerer meinen Platz einnehmen“ niederlegte, hat man seine Mitarbeit nicht vergessen.

Vieles brachte er ein in das Kunstprogramm der Galerie, so zum Beispiel vier „Skulpturenwege“, zwischen 2003 und 2019, für die er nicht nur die Künstler auswählte, sondern auch gemeinsam mit ihnen und dem Bauhof des Marktes Bruckmühl nach Kräften beim Aufstellen der Objekte anpackte.

An drei Ausstellungen des Malers Peter Tomschiczek war er mit seinen Skulpturen in der Bruckmühler Galerie beteiligt, auch in den in großen Abständen stattfindenden Jurorenausstellungen fand man seine Werke. Seine Idee war es, zum vergangenen Jahreswechsel eine Ausstellung mit Radierungen anerkannter Künstler dieses Genres in Bruckmühl zu zeigen.

Franz Ferdinand Wörle erhielt im Laufe seines künstlerischen Schaffens zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien. Besondere Erwähnung sollten die Verleihung des Seerosenpreises der Stadt München im Jahr 2016 und das Stipendium am irischen Tyron Guthrie Art Center finden. Im Herbst vergangenen Jahres wurde er zusammen mit den Juroren Herbert Klee und Andreas Legath von Bürgermeister Richter mit der Dankmedaille des Bürgermeisters ausgezeichnet.

Der Markt Bruckmühl, die Galerie und der Förderverein werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren.

Ute Bößwetter

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