Tradition bei Einheimischen und Touristen beliebt: Jeder will einen Maxlrainer Hopfenkranz

Farbenfrohe Hopfenkränze binden Maria Hellthaler (links) und Marlene Demmel von den Beyhartinger Landfrauen.
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Farbenfrohe Hopfenkränze binden Maria Hellthaler (links) und Marlene Demmel von den Beyhartinger Landfrauen.
  • vonKathrin Gerlach
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Ihre Hopfenkränze wurden den Beyhartinger Landfrauen und Mitgliedern des Obst- und Gartenbauvereins förmlich aus den Händen gerissen. Das Interesse an den duftenden Herbstboten war so groß, dass die Frauen irgendwann das Zählen aufgaben, Bestellzettel schrieben und sogar „Überstunden“ machten.

Tuntenhausen –Seit zehn Jahren pflegen die Beyhartinger diese schöne Tradition – alle zwei Jahre im Rahmen des Hopfazupfa-Festes oder – wie in diesem Jahr – als alleinige Stars des ersten Septemberwochenendes.

Schon am frühen Morgen holt August Neureuther im Hopfengarten die erste Ernte ein. Er reißt die Ranken herunter, fährt sie zum Braustüberl. Hier schneiden viele fleißige Hände die hellgrünen Dolden ab, säubern die Ranken von den Blättern, denn sie dienen als Rohlinge für die Hopfenkränze.

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Bepackt mit Blüten, Rosenscheren und Blumendraht sind die Frauen zum Binden nach Maxlrain gekommen. Sie haben vorher noch schnell ihre Vorgärten geplündert, um zwischen die hellgrünen Hopfendolden bunte Blüten binden zu können. Und so werden Hopfen, Hortensien, Feuerdorn, Fette Henne, Rosen, Lavendel und Pfaffenhütchen mit Blumendraht kreativ vereint.

Reine Beyhartinger Handarbeit

Die Frauen sind schon echte Profis. Jeder Handgriff sitzt, und doch dauert es etwa eine halbe Stunde, ehe ein üppiger Hopfenkranz gebunden ist. An der „Theke“ gehen sie weg wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Und auch wenn bis zu 16 Frauen gleichzeitig wie emsige Bienen arbeiten, können sie den großen Ansturm gar nicht bewältigen.

Kundschaft kommt von weither

Die Kunden kommen von Bernau, Wasserburg, München, Salzburg und sogar Leipzig nach Maxlrain. An diesem Wochenende geben sie vor der Bestellung im Braustüberl erst einmal eine bei den Landfrauen auf. Gut gesättigt und zufrieden nehmen sie dann ihren Hopfenkranz mit nach Hause.

Die Dolden von den Hopfenranken schneiden Brigitte Mayr (links) und Christine Daxenbichler.

Gegen 14 Uhr gehen die „Rohstoffe“ aus, also fahren einige der Frauen schnell nochmal nach Hause, um in ihren Gärten neue Blüten zu pflücken. Dann geht es weiter – bis weit nach 16 Uhr. Die Nachfrage reißt einfach nicht ab. Noch als die Hopfenbinderinnen sich endlich bei einer Brotzeit im Braustüberl stärken, werden Bestellungen aufgegeben. Und so schließen einige von ihnen daheim noch eine Nachtschicht an und kommen am Sonntagmorgen mit Nachschub zum Stand, damit keiner der Kunde zu lange warten muss.

Nur ein Sonnentag fürs Hopfenkranzbinden

Den Rohling zeigt Lissi Rummelsberger.

Findet das Hopfenkranzbinden normalerweise am letzten August- und ersten Septemberwochenende statt, schenkte Petrus den Organisatoren in diesem Jahr nur einen einzigen sonnigen Tag. Gestern schlugen die Frauen trotz schlechten Wetters ihre Zelte noch einmal vor dem Braustüberl auf und banden nassen Hopfen.

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Am Nachmittag endete die Aktion dann sogar in strömendem Regen, aber trotzdem mit einem guten Gefühl: „Es macht einfach Spaß, in Gemeinschaft kreativ zu sein“, sagt Maria Hellthaler, die wie die meisten Landfrauen am Morgen und am Abend „nebenbei“ ihr Vieh versorgt hat.

Duftende Grüße aus Maxlrain

Ortsbäuerin Andrea Rummelsberger bekam wieder Unterstützung von ihrer kreativen Mama Lissi. Beide sind am Sonntagabend zwar geschafft, dafür aber zufrieden, denn „viele Menschen haben jetzt einen duftenden Gruß aus Maxlrain in ihren Stuben“.

Großer Andrang am Stand der Hopfen-Frauen.

Die Hopfenfrauen und -männer haben am Wochenende ehrenamtlich für bayrische Traditionen geworben. Mit dem Erlös fördern sie die Vereinsarbeit und Landschaftspflege in Beyharting und immer auch einen guten Zweck.

Der südlichste Hopfengarten Bayerns

Auf 1250 Quadratmetern wachsen in Maxlrain 500 Hopfenranken der Sorte „Hallertauer Tradition“. Einige wenige Pflanzen sind auch von der Sorte „Mandarin“ und haben einen leichten Mandarinenduft. Es sind ausschließlich weibliche Pflanzen, weshalb die Hopfenplantage scherzhaft auch „Nonnengarten“ genannt wird.

Gehegt und gepflegt wird der südlichste Hopfengarten Bayerns, der nur als Schaugarten und zur Dekoration dient, von August Neureuther und seiner Frau Josefa. Sie bieten für die Brauerei Maxlrain und die Aib Kur auch Führungen an.

Hopfen und Blüten werden mit Draht befestigt.

Im April beginnen die Arbeiten. Dann werden die Dämme verschnitten, damit die Hopfenpflanzen frisch austreiben können. Ende April leiten die Neureuthers die Sprossen an, die am Draht dann gen Sonne ranken können. In diesem Jahr musste Neureuther nachpflanzen, weil auch die Wühlmäuse „auf den Geschmack gekommen sind“.

Zudem hat der heiße Sommer an den Dolden einen Sonnenbrand verursacht, der zu Braunfärbungen führt. Bis zur Ernte Ende August/Anfang September achtet Neureuther darauf, dass sich keine Schädlinge in seinem Biogarten ansiedeln.

Hopfenranken.

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