Trachtenverein Ostermünchen findet „alte“ Schachteln für Priener Trachtenhüte

Ein kostbares Stück: Der Priener Hut mit goldenen Quasten und „Hint-obi-Bandl“.
+
Ein kostbares Stück: Der Priener Hut mit goldenen Quasten und „Hint-obi-Bandl“.

Die Ostermünchener Trachtlerinnen haben sich für ihr großes Jubiläum fein gemacht. Kassettl und Priener Hüte wurden aufgefrischt. Und damit die kostbaren Stücke gut erhalten bleiben, machten sie in Katzbach bei Cham sogar einen der letzten Schachtelmacher ausfindig.

Von Kathrin Gerlach

Tuntenhausen – Eigentlich sollte in diesem Jahr in Ostermünchen groß gefeiert werden: 100 Jahre Trachtenverein Almarausch Ostermünchen und 100. Gaufest des Inngau-Trachtenvereins. Corona hat alle Planungen zunichte gemacht. Es darf nicht gefeiert werden. Auch nicht im Kleinen.

Dabei hatten sich die Ostermünchener Trachtler für ihr Fest schon richtig fein gemacht. „Viele von uns haben ihre Tracht vervollständigt oder erneuert, ihr Kassettl oder die Priener Hüte herrichten lassen. Manche haben sich sogar ihr komplettes Festgewand neu anfertigen lassen“, erzählt Dorothea Niedermaier vom Trachtenverein.

Von Generation zu Generation

Meist werden diese kostbaren Schätze von Generation zu Generation weitergereicht. „Mein Priener Hut beispielsweise ist ein Erbstück meiner Großtante“, berichtet Niedermaier. Ihre Hüte wiederum werden eines Tages Tochter Agnes (6) und Nichte Elisabeth (8) bekommen.

„Der Priener Trachtenhut ist aus schwarzem Filz, hat eine handgestickte goldene Borte, eine goldene Quaste und aufwendige Gold-Klosterstickerein unten am Hut“, beschreibt sie. Dazu gehört ein schwarzes „Hint-obi-Bandl“ – entweder aus Samt oder gewebtem Stoff.

Schachteln aus Buchenspänen

Damit das kostbare Stück richtig aufbewahrt werden kann, haben sich die Ostermünchener Trachtlerinnen in diesem Jahr an eine weitere alte Tradition erinnert: Spanschachteln. „Die eignen sich am besten für die Aufbewahrung des Hutes, weil sie die Hüte vor Motten, Staub und Licht schützen, aber gleichzeitig luftdurchlässig sind, und dadurch verhindern, dass der Stoff einen muffigen Geruch annimmt.“

Also hat sich Dorothea Niedermaier schon Anfang des Jahres durch die ganze Welt gegoogelt. „Kleine Spanschachteln gibt es noch, aber wir brauchten Schachteln mit einem Durchmesser von etwa 32 Zentimetern und einer Höhe von circa 20 Zentimetern. Und so große Spanschachteln sind fast nicht mehr aufzutreiben“, so Niedermaier.

+++

Tipp der Redaktion: Kennen Sie schon unseren kostenlosen Feierabend-Newsletter? Die Top-Themen der Region um 17 Uhr per E-Mail – sauber ausrecherchiert und aufgeschrieben von Ihrer OVB-Redaktion. Jetzt Newsletter ausprobieren!

+++

In Katzbach bei Cham wurde sie schließlich fündig. Hier wird das Handwerk des Schachtelmachens schon seit dem 16. Jahrhundert gepflegt. Heute führt Franz Pillmeier das Familienunternehmen in vierter Generation und hat sich auch der Ostermünchener Großbestellung angenommen.

Traditionsreiches Handwerk

„Das Interesse bei unseren Vereinsmitgliedern war riesig. Und so konnten wir 50 Hutschachteln bestellen“, berichtet Dorothea Niedermaier. Für die Holzspanschachteln werden in Cham heimische Nadelhölzer oder Buche verwendet. In der Firma Pillmeier werden die Spanschachteln noch in Handarbeit gefertigt – und das ist einzigartig in Europa.

Inzwischen sind die guten Stücke in Ostermünchen eingetroffen. Und hier werden sie nicht etwa mit feinem Seidenpapier ausgepolstert, sondern mit der Heimatzeitung, denn Zeitungspapier ist die beste Einlage. „Damit werden sie auch zu einem Stück Vereinschronik“, freut sich Dorothea Niedermaier und stellt sich vor: „Wenn meine Enkel oder Urenkel eines Tages meine Hutschachtel öffnen, werden sie einen Bericht über meinen Neffen Seppi Huber aus Berg finden, der in diesem Jahr einen Brief an den Osterhasen geschrieben hat. Oder meine Nachfahren finden in 50 oder 100 Jahren einmal die heutige Ausgabe des Mangfallboten und damit die Geschichte, wie der Ostermünchener Trachtenverein in seinem 100. Jubiläumsjahr zu diesen wunderbaren Hutschachteln gekommen ist.“

Das könnte Sie auch interessieren:

LIVEBLOG ZUR LAGE IN DER REGION UND IN BAYERN

Corona: So lief der Biergarten-Neustart +++ Kinobetreiber aus der Region kritisiert Hilfen

Enttäuschung und Trauer bei Ostermünchener Trachtlern

Kommentare