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Neue Wohnkultur ist klein, aber oho

Bruckmühl: Tiny Houses in der Region gut vorstellbar

Ein Haus im „Miniformat“ auf Rädern gibt es im Bereich der Marktgemeinde bereits.
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Ein Haus im „Miniformat“ auf Rädern gibt es im Bereich der Marktgemeinde bereits.
  • VonTorsten Neuwirth
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Tiny Houses kann sich der Bruckmühler Marktausschuss in der Region gut vorstellen. Den raren gemeindlichen Grund will er dafür zwar nicht zur Verfügfung stellen, sicherte aber zu, Bauvorhaben auf Privatgrund wohlwollend zu unterstützen.

Bruckmühl – Raum für das Wesentliche. Einfacher, kleiner, mobiler und zuletzt auch ökologischer – seit der Finanzkrise 2008 wird der amerikanische Trend zum Mini-Haus (dem sogenannten Tiny House) – auch in Deutschland immer beliebter.

So war es nur eine Frage der Zeit, bis die bundesweite Bewegung nun auch als Tagesordnungspunkt auf den Beratungstischen des Bruckmühler Marktauschusses lag. Die aufgeworfene Kernfrage lautete: Sollten gemeindliche Grundstücke für „Tiny-Houses“ zur Verfügung gestellt werden?

Gemeindliche Grundstücke sind rar

Ohne großen Erörterungsbedarf, mit lediglich vier Wortmeldungen, war die Sache für das Kommunalplenum schnell klar: Die Marktgemeinde wird sich bei diesem Thema nicht aktiv einbringen. Vielmehr spielte das Ratsplenum den Ball mit einem einstimmigen Votum an die Bürger zurück. Privatinitiativen für Tiny-Häuser wird die Gemeinde „grundsätzlich aufgeschlossen gegenüberstehen und so gut es geht unterstützen“.

Ausgangpunkt zu der Tischvorlage war ein Bruckmühler Bürger, der bereits Mitte 2019 im Rahmen einer Bürgerversammlung für das Thema „Tiny-Häuser“ geworben hatte. Nach seinen Aussagen habe er daraufhin eine Vielzahl von positiven Rückmeldungen und Anfragen interessierter Bürger erhalten. Hieraus folgte nun die Anfrage an die Gemeindeverwaltung, ob die Bereitstellung von gemeindlichen Grundstücksflächen für den Bau von Tiny-Houses möglich und denkbar wäre.

Wohnbauland hat Vorrang

Markus Zehetmaier, Leiter Wirtschaftsförderung und Liegenschaften, stellte zu Beginn der Beratung klar, dass der Markt Bruckmühl derzeit keine baureifen gemeindlichen Grundstücke für eine „Tiny-House-Siedlung“ zur Verfügung stellen könne. Laut seinen Aussagen liegt aktuell das Projekt „Soziales Wohnbauland“ im Ortsteil Heufeld im Fokus. Der Bebauungsplan weist hier 13 gemeindliche Parzellen aus, für die 340 Anfragen vorliegen.

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„Demgegenüber gibt es aber nur zwei Anfragen zu Tiny-Houses“, so Zehetmaier. In dem Zusammenhang schloss er aber nicht aus, dass die Nachfrage bei einer öffentlichen Ausschreibung gleichwohl deutlich höher liegen könnte. Nach seinem Wissenstand gebe es im Gemeindebereich bis dato lediglich zwei Tiny-Häuser, die aber beide auf Privatgrund stünden. Sein Fazit: „Wenn der Marktausschuss solchen Projekten positiv gegenübersteht, müsste nach geeigneten Grundstücksflächen gefahndet werden.“

In dem Zusammenhang stellte er abschließend fest, dass die Errichtung von Tiny-Häusern unter bestimmten Voraussetzungen ohne allzu große behördliche Hürden auf privaten Grundstücken möglich sei.

Kleine Häuser mit „großen“ Anschlüssen

Bauamtschef Konrad Kremser griff dies auf und erklärte, dass die Mini-Häuser wie die großen Gebäude, Anschlüsse für Wasser, Abwasser und Energieversorgung benötigten. Gleiches gelte für die Erschließungsbeiträge, Stellplatznachweise sowie Straßen-, Kanal- und Wasserherstellungsbeiträge, auch wenn diese aufgrund der kleineren Grundstücksflächen geringer ausfallen würden.

Bürgermeister Richard Richter bezeichnete die Mini-Häuser als „interessante Wohnkultur“. CSU/PW-Rätin Anna Wallner wollte Gemeindeflächen primär für Projekte des sozialen Wohnungsbaus, Einheimischen-Wohnmodelle oder Kindergärten verwenden. Grünen-Rat Wolfgang Huber stützte diese Ansicht. Alternativ dazu sprach er sich für die Unterstützung von Miniatur-Häusern auf Privat-Grundstücken aus, denn „das dient sicherlich auch einer baulichen Auflockerung“.

Unterstützung für Privatprojekte

Richard Linke sprach sich als Grünflächenbeauftragter der Marktgemeinde gegen den Verbrauch von gemeindlichen Flächen für solche Vorhaben aus. Interessant waren für den OLB-Rat allerdings die Vorstellung, Tiny-Häuser in einer mehrgeschossigen Bauweise für mehrere Bewohner.

In Summe sprach sich das Kommunalplenum einstimmig gegen die Anfrage aus, signalisierte aber seine Unterstützung für Projekte auf Privatflächen.

Florian Ettenhuber hat sich seinen langen gehegten Traum vom Miniatur-Haus erfüllt

Florian Ettenhuber realisiert seit August des letzten Jahres seinen Traum vom eigenen Tiny-House. Das vier mal fünf Meter große Bauprojekt steht auf seinem Grundstück im Gemeindebereich Bruckmühl. Schon seit längerer Zeit fasziniert den 38-jährigen Bruckmühler das Thema „Mini-Haus“. Dementsprechend ausführlich hat er sich im Vorfeld der Baumaßnahme mit dem Projekt beschäftigt.

Florian Ettenhuber hat seinen Traum vom eigenen Tiny-House wahr gemacht.

Begeistert zeigt er sich, dass er mit seinem nicht gerade „alltäglichen Anliegen“ bei allen maßgeblichen Stellen der Gemeindeverwaltung auf offene Türen stieß. „Das war schon eine tolle Sache“, blickt der IT-Administrator zurück.

Gleich zu Beginn beim Vor-Ort-Termin räumt er mit einer gängigen Fehleinschätzung auf, dass die Miniatur-Häuser auch eine gute „Billig-Variante“ des Bauens seien. Denn je nach Größe, Qualitätsstandard und Innenausbau bewege man sich schnell bei 50 000 Euro und deutlich darüber, Grenzen nach oben seien dabei nicht gesetzt.

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„Zu dem Hausbau kommen nämlich noch sämtliche Erschließungskosten oder die Grundstücksmiete sowie die laufenden Unterhaltskosten, das darf man nicht vergessen“, erklärt Ettenhuber. Überhaupt sollte es sich nach seiner Ansicht beim Tiny-House nicht primär um den finanziellen Aspekt drehen, denn „das Wohnen auf kleinem Raum ist zuallererst eine Lebensart, ein Lebensgefühl, eine Lebensphilosophie, sonst macht das alles keinen Sinn“, beschreibt der Bruckmühler das „besondere Wohnen“ mit einem Lächeln.

Bevor man aber so ein Projekt angeht, sollte man sich auf jeden Fall mit der zuständigen Gemeinde in Verbindung setzten und abklopfen, was geht und was nicht, rät der „Mini-Haus Besitzer“. Eine individuelle Geschmackssache sei dann die Entscheidung, ob man eine „bodenständige und feste“ oder „auf Rädern bewegliche Variante“ wähle. Damit eng verbunden sind auch die Fragen: Was bin ich für ein Tiny-House-Typ? Was brauche ich wirklich? Worauf kann ich verzichten?

Mobil oder stationär? Mini-Häuser können vieles

„Nicht zu vergessen ist auch die Entscheidung, ob es sich bei dem Tiny-House um den Erst- oder Zweitwohnsitz handelt“, hebt Ettenhuber mahnend den Finger. Für den ersteren Fall benötigt man nämlich ein Baugrundstück. Auch sollte man wissen, dass ein Mini-Haus maximal 75 Kubikmeter umbauten Raum haben darf. Wer größer bauen möchte, muss einen Bauantrag stellen.

Der 38-jährige hat noch einen guten Rat parat: „Am besten probt man das Tiny-House-Wohnen einfach einmal. Dazu gibt es die unterschiedlichsten Möglichkeiten und Angebote schon in unmittelbarer Nähe.“

Übrigens: Wer sich schon für ein Leben im Mini-Haus entschieden hat und noch auf der Suche nach einer passenden Fläche ist, kann sich bei Ettenhuber melden. Der Bruckmühler bietet selbst zwei Stellplätze im Gemeindebereich an. Nähere Infos dazu gibt es per E-Mail unter tinyhousestellplatz@outlook.de.

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