Physiker referierte über Strahlengefahr durch Mobilfunk - Infoveranstaltung der ÖDP

Tetra-System kritisch betrachtet

OVB
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Physiker Prof. Dr. Klaus Buchner (ÖDP) bestritt das Hauptreferat des Informationsabends.

Bruckmühl - "Mobilfunk, Tetra, LTE - sind wir nicht schon genug bestrahlt?" lautete der Titel der Informationsveranstaltung im gut gefüllten Brückenwirt-Saal, zu dem der Ortsverband Mangfalltal der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) eingeladen hatte.

Nach einem kurzen Streifzug durch die Situation im atomar verstrahlten Fukushima mit Hinweis auf die fragliche Sicherheit deutscher Werke (Philippsburg und Biblis im geologisch aktiven Rheintal) ging der Hauptreferent, Prof. Dr. Klaus Buchner (Physiker), auf die Strahlengefahr durch Mobilfunknetze ein.

"Viele Menschen können eine bestimmte Strahlung über einen längeren Zeitraum gut überstehen, doch bei einem Teil der Bevölkerung kann dadurch das Immunsystem kippen", führte der Wissenschaftler aus. Als erste Reaktionen bei Menschen würden sich Schlaf- und Hormonstörungen, Kopfschmerzen und Depressionen zeigen. Auch bei Tieren habe man in der Nähe von Mobilfunkmasten Veränderungen festgestellt, darunter eine reduzierte Milchleistung und Missbildungen bei neugeborenen Kälbern und Schweinen.

Buchner erläuterte die Anwendungsbereiche der Mikrowellen, die neben dem Mobilfunk auch beim schnurlosen Telefon, bei WLAN, Bluetooth und LTE (Mobilfunksystem) sowie beim geplanten Behördenfunksystem Tetra verwendet werden. Das Tetra-System sei nach seiner Auffassung jedoch veraltet, unsolide und unzuverlässig und könne aufgrund der in der Nähe von Antennen gemessenen Strahlenwerte zu Gesundheitsproblemen führen.

Diese Gefahr würde durch Versuche mit Tieren und mit Messungen bei Menschen untermauert. Der Referent äußerte auch Zweifel über die Neutralität von diesbezüglichen biologischen Studien, deren Ergebnisse er in die Relation zum jeweiligen Auftraggeber setzte.

Als praktische Tipps zum Handy-Gebrauch empfahl er, dieses nicht in die Hosentasche zu stecken, bei Fahrten (Auto, Zug) auszuschalten und zumindest nur ein strahlungsarmes Schnurlos-Telefon zu verwenden. "Die Strahlen-Grenzwerte müssen radikal gesenkt werden", forderte der Wissenschaftler, "die technischen Möglichkeiten dazu bestehen".

Baubiologe Johannes Schmidt, Mitglied der Bürgerinitiative "Funkbewusstsein", wies auf die bessere Gebäudedurchdringung beim Tetra-Funk hin, der dadurch Menschen einer stärkeren Strahlenbelastung aussetze. "Das Tetra-System funktioniert schlechter als das bisherige Analog-Netz", monierte er und wies auf negative Erfahrungen in Großbritannien und Holland hin.

Durch die Abhängigkeit von einem einzigen Hauptserver sei zudem die Gefahr eines Totallausfalls groß und auch die Stromkosten würden ein Mehrfaches der bisherigen betragen. Christiane von Festenberg moderierte die anschließende angeregte Diskussion, in der auch zum Widerstand gegen die Errichtung eines Sendemastes in Aschbach aufgerufen wurde.

Ein THW-Angehöriger monierte außerdem, dass beim Tetra-System nur sieben Funkgeräte gleichzeitig betrieben werden könnten, was sich bei einem Großeinsatz nachteilig auswirke.

bjn/Mangfall-Bote

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