Kita-Personal sieht sich in Gefahr

Team des Vagener Pfarrkindergartens ist für kleine Gruppen und Wechselmodell als Corona-Schutz

Für eine kontinuierliche Betreuung der Kinder in kleinen Gruppen und mehr Planbarkeit für die Familien machen sich Andrea Steiner (Foto) und das Team des Pfarrkindergartens Vagen stark.
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Für eine kontinuierliche Betreuung der Kinder in kleinen Gruppen und mehr Planbarkeit für die Familien machen sich Andrea Steiner (Foto) und das Team des Pfarrkindergartens Vagen stark.
  • Kathrin Gerlach
    vonKathrin Gerlach
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Andrea Steiner reicht es: „Wir fühlen uns wie im Versuchslabor.“ Die stellvertretende Leiterin des Pfarrkindergartens Vagen spricht aus, was derzeit hunderte Erzieherinnen bewegt. In einem offenen Brief hat sie sich an Sozialministerin Carolina Trautner gewandt.

Feldkirchen-Westerham – „Weil unserem Berufsstand eine Lobby fehlt, müssen wir für uns selbst eintreten“, erklärt sie die Initiative. Ihre Forderung: Mehr Schutz für die Menschen, die in Kindertagesstätten direkt am Kind arbeiten. Ihr Vorschlag: neue Konzepte zur stufenweisen Öffnung der Einrichtungen – trotz einer Inzidenz von über 100.

Steigende Angst vor Virus-Mutationen

Mit der Inzidenz wächst auch die Angst vor Corona-Mutationen. „Analog zum Rahmenhygieneplan für Schulen ist geplant, dass Kinder mit leichten Symptomen wie Schnupfen und Husten ohne Fieber künftig einen PCR- oder Antigentest vorweisen müssen, um die Kita besuchen zu können“, informiert Maria Magdalena Hellfritsch, die Geschäftsführerin des Verbands katholischer Kindertageseinrichtungen Bayern. Der Grund: „Studien aus England zufolge seien besonders jüngere Altersgruppen von der neuen Virus-Mutation betroffen, die bei dieser Personengruppe so stark wie bei keiner anderen nachgewiesen wurde.“

Besser Schutz der Erzieher

Umso wichtiger wird nun auch der Schutz derer, die in den Kitas arbeiten. „Die Berufsgruppe der Erzieherinnen, Pädagoginnen und Kinderpflegerinnen hat keine Lobby“, kritisiert Andrea Steiner. Denn bei allem Engagement, die Kindertagesbetreuung aufrechtzuhalten, dürfe auch eines nicht vergessen werden: „Es geht nicht nur um die Kinder und die Eltern. Es geht auch um uns – Menschen, die voller Hingabe am kleinen Menschen arbeiten, die sich aber auch Sorgen um die eigenen Kinder oder betagten Eltern machen.“

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Inzwischen wurden die Erzieher zwar in die Priorisierungsgruppe zwei gehoben, doch nur eine aus dem Vagener Team ist bislang geimpft. „Wir müssen uns privat darum bemühen, doch es ist sehr schwer, zeitnah einen Termin zu bekommen“, so die stellvertretende Leiterin des Pfarrkindergartens. Bislang waren die einzigen „Arbeitsschutzmaßnahmen“ Hygienekonzepte und Masken. Jetzt sind Schnelltests angekommen, kann jede Mitarbeiterin zweimal pro Woche getestet werden.

Zu viele Haushalte in einem Raum

„Wir tun unser Bestes und sind kreativ im Versuch, die Infektionsgesetze einzuhalten. Doch die Kinder brauchen Körperkontakt und bleiben nicht auf Abstand“, erklärt Steiner. Sie hat die Sozialministerin eingeladen, in Vagen zu hospitieren. Nicht nur, um zu sehen, was „eingeschränkter Regelbetrieb“ in der Praxis bedeutet: „Da sitzen Kinder, Praktikanten und Erzieher aus bis zu 28 verschiedenen Haushalten über Stunden in geschlossenen Räumen, körpernah, die Kinder natürlich ohne Masken und Sicherheitsabstand“, macht Steiner klar. Bei einem positiven Corona-Fall müssten dann 28 Familien für zwei Wochen in Quarantäne.

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Um das künftig zu ändern, wollen die Vagener mit Carolina Trautner auch über Lösungen diskutieren, denn: „Uns ist klar, dass wir alle in einem Dilemma stecken“, betont Andrea Steiner. „Kinder brauchen andere Kinder. Viele Eltern sind am Limit und aus beruflichen Gründen auf verlässliche Kindergartenangebote angewiesen. Deshalb müssen wir Kontinuität schaffen, vom Chaos zur Planbarkeit gelangen.“

Planbarkeit für Familien erreichen

Doch welche Lösung könnte es geben? Das Team des Pfarrkindergartens Vagen schlägt nach dem Oster-Lockdown eine stufenweise Öffnung der Einrichtungen vor – auch bei einer Inzidenz über 100. „In kleinen, festen Gruppen und in einem Wechselmodell wie an den Schulen könnte das funktionieren“, so die Erzieherin. Damit wären im Notfall die Infektionsketten nachvollziehbar. Die Familien könnten besser planen, weil sie genau wüssten, wann ihr Kind montags, mittwochs und freitags oder eben dienstags und donnerstags die Einrichtung besucht. Ob die Vorschläge der Vagener Gehör finden, bleibt abzuwarten. Bislang jedenfalls hat die Sozialministerin noch nicht auf ihre Einladung reagiert.

Neue Regeln für Besuch der Kita bei leichten Erkältungen

Seit einem Jahr halten Pädagogen, Erzieher und Kinderpfleger den Betrieb der Kindertagesstätten unter Corona-Bedingungen aufrecht – ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit. Seit einem Jahr setzen sie die „Hauruck-Aktionen“ der Regierung um, verwandeln das Chaos aus fast täglichen ministeriellen Newslettern mit Änderungen, Ergänzungen oder Neuregelungen, Hygieneplänen, Kontakt- und Abstandsbeschränkungen in einen schönen Tag für die Jüngsten.

Und die Aufregung ebbt nicht ab: Seit Montag, 22. März, ist der Betrieb der Kitas nun wieder auf Notbetreuung gedrosselt. Ab Montag, 29. März, könnte die Einrichtung dann bei einer Inzidenz unter 100 wieder in den eingeschränkten Regelbetrieb zurückkehren.

Neu ist allerdings, dass auch Kinder mit leichten Symptomen wie Schnupfen oder Husten ohne Fieber die Einrichtung nur dann besuchen dürfen, wenn sie einen negativen PCR- oder Antigentest vorweisen können. Ein Besuch in der Kindertagesbetreuung nach einer leichten Erkrankung des Kindes ist wieder möglich, wenn das Kind nur leichte Symptome hatte und wieder gesund ist. Dann muss kein Corona-Test vorgelegt werden. War das Kind krank, ist wieder gesund oder weist nur noch leichte Krankheitssymptome auf, ist wiederum ein negativer Corona-Test notwendig.

Parallel dazu sollen die Erzieherinnen aber auch im April an die Eltern appellieren, ihre Kinder weitgehend zu Hause zu betreuen.

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