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Zeitzeugin hält Geschichtsstunde ab

Tamar Dreifuss besucht die neunte Jahrgangsstufe des Gymnasiums Bruckmühl

Tamar Dreifuss hält vor den neunten Klassen des Bruckmühler Gymnasiums einen Zeitzeugen-Vortrag.
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Tamar Dreifuss hält vor den neunten Klassen des Bruckmühler Gymnasiums einen Zeitzeugen-Vortrag.

Eine ganz besondere Geschichtsstunde erlebten die Schüler der neunten Jahrgangsstufe am Bruckmühler Gymnasium. Tamar Dreifuss besuchte die Marktgemeinde, um als Überlebende des Holocaust, von ihrem bewegten Leben zu berichten und als Zeitzeugin gegen das Vergessen aufzutreten.

Bruckmühl – Ihre Rettung in den unmenschlichen lebensbedrohenden Zuständen während des Zweiten Weltkriegs verdankt Tamar Dreifuss ihrer Mutter, Jetta Schapiro-Rosenzweig, erfahren die Neuntklässler des Bruckmühler Gymnasiuns. Emotional aufrüttelnd und in drastischen Worten schilderte Dreifuss den oft sprachlosen jungen Zuhörern, wie ihr Weg als 1938 geborene Jüdin, sie 1941 in ein Kloster zu einer Tante führt, in dem ihre Mutter sie unter dem Namen „Theresa“ versteckt. Als ihre jüdische Herkunft entdeckt wird, kommt Tamar zu den Eltern in das Ghetto im litauischen Wilna. Ihr Vater wird in das Lager Stutthof nahe Danzig deportiert und dort später ermordet. Die Gedanken der Mutter drehen sich danach nur noch um Flucht aus dem Getto und aus dem Viehwaggon, der sie und Tamar ebenfalls in ein KZ bringen sollte. In einem Durchgangslager gelang ihnen die Flucht.

Tamar Dreifuss kam der Liebe wegen nach Deutschland zurück

„Meine Mutter besorgte aus den Kleiderbergen ein Kostüm, ein Haarband und ein Kleid für mich und spazierte mit mir einfach durch das Tor an den Wachposten vorbei. Und niemand hielt uns auf“, berichtete Dreifuss sichtlich bewegt. An dieser Stelle verwies sie auf das Kinderbuch „Die wundersame Rettung der kleinen Tamar – 1944“, das sie auf Anregung ihrer Enkelin schrieb und mit eindrücklichen Illustrationen und gut verständlichen geschichtlichen Hinweisen versehen ist. Ihr Leben nach der Befreiung durch die Rote Armee lässt die Neuntklässler staunen, denn die Auswanderung nach Israel 1948 sollte ja eigentlich für immer sein. „Der Liebe wegen bin ich 1959 in dieses Land zurückgekommen. Mein Mann und ich bauten uns hier ein neues Leben auf“, klärt die mehrfache Großmutter diesen Schritt, der ihr nicht leichtgefallen ist, die Frage der Schüler, weshalb sie nach Deutschland zurückkam, auf.

Zeitzeugin wünscht sich ein friedliches Miteinander

„So oft wollte ich nach Israel zurück, das Schicksal hat es nicht gewollt. Aber es gab von Anfang an viel zu tun in Deutschland. Erst hatte ich meine Arbeit als Erzieherin und danach ging ich in die Schulen, damit die kommenden Generationen verstehen, was passiert ist und nie wieder geschehen darf“, so die Zeitzeugin. Genauso empathisch, wie Dreifuss von ihrem Leben erzählt hat, geht sie auf die Nachfragen ein, und hinterlässt dabei einen tiefen Eindruck. Ihren Wunsch, um ein friedliches Miteinander und das Lied „Hewenu shalom alechem“ gemeinsam zu singen, kommen alle Anwesenden nach. Im ungezwungenen Gespräch mit den Mitgliedern der Schulleitung und des Kollegiums wiederholt sie einen Satz, der fast schon ein Markenzeichen von ihr ist: „Litauen ist meine Erste, Israel meine zweite Heimat. Deutschland ist meine Aufgabe.“

+++ Weitere Artikel und Nachrichten aus Bad Aibling, Bad Feilnbach, Bruckmühl, Feldkirchen-Westerham und Tuntenhausen finden Sie hier. +++

Schulleiter Walter Baier und Geschichtslehrerin Friederike Merkle, verantwortliche Organisatorin der Zeitzeugen-Aktion, sind sich mit Dreifuss einig, dass die erlebte Geschichte ein nicht zu ersetzender Bestandteil der Bildung sein muss. Die Erlebnisse von Jetta Schapiro-Rosenzweig, Tamar Dreifuss‘ Mutter, sind unter dem Titel „Sag niemals, das ist dein letzter Weg“ erschienen.

BS

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