100 Tage im Amt: Bad Aiblings Bürgermeister Stephan Schlier braucht keinen Schönwetter-Job

Die ersten 100 Tage im Amt liegen nun hinter dem Bad Aiblinger Bürgermeister Stephan Schlier. Geprägt waren sie nicht nur von der Corona-Krise, sondern auch von vielen Begegnungen, Eindrücken und Weichenstellungen. In seinem Amtszimmer im Verwaltungsgebäude Am Klafferer hat er kaum etwas verändert. Neu an der Wand ist aber das Wappen des früheren Landkreises Bad Aibling, dessen Sitz einst in diesen Mauern lag.
+
Die ersten 100 Tage im Amt liegen nun hinter dem Bad Aiblinger Bürgermeister Stephan Schlier. Geprägt waren sie nicht nur von der Corona-Krise, sondern auch von vielen Begegnungen, Eindrücken und Weichenstellungen. In seinem Amtszimmer im Verwaltungsgebäude Am Klafferer hat er kaum etwas verändert. Neu an der Wand ist aber das Wappen des früheren Landkreises Bad Aibling, dessen Sitz einst in diesen Mauern lag.

Auf die Uhr schaut er nicht, egal wie lang sein Arbeitstag ist. Seit Bad Aiblings Bürgermeister Stephan Schlier sein angekündigtes „neis Kapitel für Bad Aibling“ aufgeschlagen hat, ist er mit Freude bei der Sache. Dass sein Amt „kein Schönwetterjob“ ist, stört ihn gar nicht. Im Gegenteil.

Von Eva Lagler

Bad Aibling– „Ich bin gut angekommen“ – mit diesen Worten fasst Bad Aiblings neuer Bürgermeister Stephan Schlier (CSU) die ersten 100 Tage im Amt des Stadtoberhauptes von Bad Aibling zusammen.

Dass der Amtsantritt mitten in die Corona-Krise mit all ihren Herausforderungen fiel, dass die Feierlichkeiten zum Doppeljubiläum „175 Jahre Moorbad und 125 Jahre Heilbad“ heuer abgeblasen werden mussten und diverse Weichen anders als geplant gestellt werden müssen, sieht der 31-Jährige pragmatisch: „Das haben wir uns alle natürlich anders vorgestellt. Wir wollten ausgelassen mit tollen Bands feiern, Bürgerfest und Parkfest mit passendem Motto und größer als sonst begehen und Bad Aibling als moderne Gesundheitsstadt präsentieren. Als Bürgermeister wäre es eine Ehre gewesen, gleich zum Amtsantritt die Stadt durchs Jubiläumsjahr zu führen und mit den Bad Aiblingern auf den vielen Veranstaltungen noch enger im Kontakt zu sein.“

„Es ist kein Schönwetter-Job“

Auf die Begegnungen und auf das Ansprechbarsein habe er sich mich am meisten gefreut. „Aber Bürgermeister ist kein Schönwetter-Job, die Sicherheit der Bevölkerung und die Einhaltung geltender Bestimmungen gehen vor. Wir holen das eins zu eins 2021 nach“, verspricht Schlier.

Doch ansonsten bestärkt ihn das, was er in den Tagen seit seiner Wahl am 29. März inklusive der Übergangszeit bis 1. Mai erlebt hat: „Die Arbeit ist mir einfach eine Freude.“

Reibungsloser Übergang trotz Corona

Vom ersten Tag an sei er voll eingestiegen, habe den April aktiv zu Gesprächen mit dem noch amtierenden Bürgermeister Felix Schwaller und der Verwaltung genutzt, um den Übergang so reibungslos wie möglich zu gestalten – was trotz Corona gut gelungen sei. So habe man auch während des Pandemiehöhepunkts versucht, unter Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen alle erforderlichen Einrichtungen offen zu halten und den gestoppten Betrieb auch wieder hochzufahren.

Zum Blick nach vorne gehören auch die Projekte, die unmittelbar anstehen. So laufe beim Neubau der St. Georg-Schule alles exakt nach Plan, die Container-Schule an der Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Straße ist eingerichtet, das Hygienekonzept steht.

Lesen Sie auch: Bürgermeister Stephan Schlier und sein „neis Kapitel“

Intensive Gespräche mit und Besuche bei den Mitarbeitern in Kindergärten, Kläranlage, Stadtwerken und Aib-Kur waren dem Stadtoberhaupt in den ersten Wochen und Monaten genauso wichtig wie der Austausch mit der Verwaltung. Und gerade diese sei, wie Schlier mit Nachdruck sagt, „gut aufgestellt und viel besser, als ihr Ruf“.

Gemeinsam arbeite man an der Zukunft als „Digitales Rathaus“, ebenfalls eines der Wahlkampfthemen Schliers: „Ich möchte das Rathaus umkrempeln zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen.“ Sehr wichtig sei ihm dabei, die Wünsche der Bürger effizient abzuarbeiten und Beteiligungsmöglichkeiten auszubauen.

Einmütigkeit in Sachen Brennernordzulauf

Gut lässt sich aus seiner Sicht auch die Zusammenarbeit mit dem Stadtrat, dem er zuvor sechs Jahre angehörte, an. „Wir haben eine Konstellation, mit der man wirklich gut zusammenarbeiten kann.“ Gerade die Stellungnahme zum Brennernordzulauf habe dies gezeigt, in die man auch die Vorschläge der Fraktionen eingearbeitet.

Generell sei er stets für Maß und Mitte. „Manches, was sich auf den ersten Blick gut anhört, muss genauso hinterfragt werden wie andere Alternativen. Es ist wichtig, Themen ernst zu nehmen, aber sie nicht unter dem ideologischen Aspekt zu betrachten, sondern zu schauen, was pragmatisch und sinnvoll ist.“

Sehr gut sei überdies der Austausch im Bürgermeistergespann mit Kirsten Hieble-Fritz (ÜWG) und Markus Stigloher (CSU): „Zu beiden habe ich ein hervorragendes Verhältnis. Wir stimmen uns regelmäßig ab, alle sind umfassend informiert und auch ins Tagesgeschäft eingebunden“.

Termine wieder auf „Vor-Corona-Niveau“

Über Mangel an Terminen kann der Bürgermeister ohnehin nicht klagen. Die Anzahl liege mittlerweile wieder auf „Vor-Corona-Niveau“, er ist mitten drin im Tagesgeschäft. „Anfangs war ich erstaunt, was alles über meinen Schreibtisch läuft und wie groß die Informationsfülle ist.“ Die Abwechslung, der Austausch, die Vielfalt der Themen und die vielen Begegnungen sind aber genau das, was für ihn reizvoll ist. „Man schaut auch überhaupt nicht auf die Zeit“, sagt er nach den ersten 100 Tagen im Amt, in denen ihn aber neben Corona auch noch die angespannte Hochwassersituation Anfang der Woche auf Trab hielt.

Lesen Sie auch:

Moosbach flutet Adlfurt: „Gegen das war das Hochwasser 2013 fast noch harmlos“

Und was macht der Bürgermeister, wenn er zwischen all den Terminen doch auch einmal Freizeit hat? „Die verbringe ich am liebsten mit Freunden und Familie, zum Beispiel beim Berggehen, Radfahren oder beim gemeinsamen Grillen am Wochenende.“

„Sind alle angenehm überrascht“

Darin sind sich Zweite Bürgermeisterin Kirsten Hieble-Fritz (ÜWG) und Dritter Bürgermeister Markus Stigloher (CSU) einig: „Die Zusammenarbeit im Team mit Bürgermeister Stephan Schlier ist sehr gut, vertrauensvoll, transparent und kooperativ.“ Hieble-Fritz schätzt den kurzen Draht, der die drei verbindet, und bescheinigt dem Stadtoberhaupt darüber hinaus ein sehr gewissenhaftes und besonnenes Wirken. „Das sind nicht nur in der Kommunalpolitik, sondern gerade auch in der derzeitigen globalen Krise sehr gute Eigenschaften.“ Stigloher spricht von einem ehrlichen Austausch ohne jegliche parteipolitische Scharmützel untereinander. Schlier führe das Bürgermeisteramt nicht als „Ein-Mann-Betrieb“ und überzeuge mit seinem kompetenten und korrekten Auftreten. „Wir sind alle angenehm überrascht, und auch die Opposition würdigt seine Arbeit und die Art und Weise, wie er die Sitzungen leitet“, lobt der CSU-Fraktionssprecher.

Für diese Situation gibt es keine Blaupause

Wie waren Schliers Erfahrungen in der Corona-Hochphase? „Der große Zusammenhalt in Bad Aibling hat mich wirklich beeindruckt. Das war eine komplett neue Situation für die Bürger, die Unternehmen und die Stadt, da gab es keine Blaupause. Wir alle haben den Kopf nicht in den Sand gesteckt. Ich denke, man kann sagen, dass wir bislang unterm Strich gut durch dieses unsichere Fahrwasser gekommen sind.“ Dabei wolle er aber nichts kleinreden: „Es gibt durchaus Betriebe, die sehr stark betroffen sind, denen die Aufträge noch fehlen oder die noch nicht öffnen dürfen. Es gibt auch viele Belastungen, die man nicht auf den ersten Blick sieht, auch in den Familien.“

Ständiger Austausch in der Taskforce

Als Unterstützungs- und Hilfsmaßnahmen hebt Schlier unter anderem die Aktion „Bad Aibling hält zusammen“ unter Federführung der Aib-Kur, die Gutschein-Aktionen, den Erlass der Sondernutzungsgebühren in der Gastronomie, großzügige Stundungen und Kindernotbetreuungen hervor. Er selbst war in der Taskforce im ständigen Austausch mit den Unternehmern. Gemeinsam habe man immer aktiv nach Lösungen gesucht. Ein Paradebeispiel dafür, dass man den Blick nach vorn nicht verlieren darf, war für ihn das Konzept „Biergarten statt Wiesn“, das Festwirt Christian Fahrenschon auf dem Volksfestplatz umgesetzt hat. „Man hätte es sich auch leicht machen und gar nichts tun können, aber mit einem entsprechenden Sicherheitskonzept funktioniert es auch. Wir haben nie etwas gemacht, bei dem man kein gutes Gefühl gehabt hätte.“

Kommentare